Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1907)

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BAÜZBITUNG 
Nr. 46 
sowie an das Einlegen des Sammelkanals in die fremden 
Grundstücke knüpfen. 
Die Staatsbehörden werden unter Umständen noch 
weiter Gelegenheit haben, der Stadt Stuttgart zur baldigen 
Ausführung dieses für die Reinhaltung des Neckars so 
wichtigen Bauwesens zu Hilfe zu kommen. —r. 
Bauausstellung in Stuttgart 
Die Zentralstelle für Gewerbe und Handel beabsichtigt, 
wie wir dem „Gewerbeblatt“ entnehmen, von Juni bis 
Oktober 1908 eine größere Ausstellung zu veranstalten, 
die unter der Leitung der Beratungsstelle für das Bau 
gewerbe stehen und das ganze Gebiet des Baugewerbes 
umfassen soll. Der Zweck der Ausstellung ist, den 
gegenwärtigen Stand der bürgerlichen Baukunst und der 
heimischen Bauweise nicht nur Fachleuten, sondern auch 
dem großen Publikum vor Augen zu führen und damit 
befruchtend auf die Entwicklung der bürgerlichen Bau 
kunst des Landes einzuwirkeu. In der Ausstellung werden 
Pläne, Schaubilder, Modelle, Photographien, Vorlagen, 
die verschiedensten Materialien für den Roh- und Innen 
bau, Konstruktionen, Vorkehrungen zum Schutze der 
Bauarbeiter u. s. w. vorgeführt werden. Zu der Aus 
stellung werden alle die Gegenstände zugelassen werden, 
die auf das Baugewei'be und die mit ihm im engsten 
Zusammenhänge stehenden Gewerbe- und Industriezweige 
Bezug haben. Ausgeschlossen werden nur solche Gegen 
stände sein, die gegen den guten Geschmack verstoßen. 
Die Entscheidung über die Zulassung steht der Beratungs 
stelle für das Baugewerbe zu; sow'eit es sich um die 
Ausstellung von Plänen u.s. w. durch Architekten handelt, 
wird ein aus Architekten bestehender Prüfungsausschuß 
das entscheidende Wort zu sprechen haben. Dieser Aus 
schuß wird teils von den Architekten, die sich zur Be 
teiligung melden, aus ihrer Mitte gewählt, teils von der 
Zentralstelle berufen werden. 
Mit der Ausstellung wird eine Ausstellung von 
Wobnungsräumen verbunden werden, die in gewissem 
Sinne einen Ersatz für die im laufenden Jahre beabsich 
tigte, aber nicht zustande gekommene Sonderausstellung 
der Möbelindustrie bilden wird. Zur Entscheidung über 
die Zulassung zu dieser Raumausstellung wird in ähn 
licher Weise wie für die Ausstellung der Architekten 
ein Prüfungsausschuß berufen werden. 
Als Ausstellungsraum hat die Stadtgemeinde Stutt 
gart in dankenswerter Weise die Gewerbehalle und den 
zugehörigen freien Platz zur Verfügung gestellt. Auf dem 
Platze wird eine Anzahl von Einzelgebäuden errichtet 
werden. Diese Gebäude sollen als Muster guter bürger 
licher Bauweise dienen. Ihre Innenräume werden zur 
Vorführung von reicheren und einfacheren Wohnungs 
ausstattungen, Wirtschaftseinrichtungen u. dgl. benutzt 
werden. 
Y ereinsmitteilungen 
Württ. Baubeamten-Verein. Zu dem Vortrage des 
Reichstagsabgeordneten Dr. Stresemann, am Dienstag, den 
19. November d. J., abends S 1 ^ Uhr, im Stadtgarten in 
Stuttgart, über „Die Privatangestelltenversicherung“ sind 
unsre Mitglieder eingeladen. 
Unser Mitglied Oberbahnmeister Klein in Stuttgart 
ist unerwartet rasch gestorben; wir haben in dem Dahin 
geschiedenen ein treues Mitglied und äußerst tüchtigen 
und pflichtgetreuen Kollegen, seine Familie aber einen 
treubesorgten Vater verloren. Wir werden demselben 
ein ehrendes Andenken bewahren. Der Vorstand. 
Württ. Verein für Baukimde. Seit Jahren wurde 
zum erstenmal wieder am letzten Samstag ein Familien 
abend abgehalten. Daß der Vorsitzende damit den Ge 
schmack der Mitglieder vorzüglich getroffen hat, bewies 
die große Beteiligung (es waren im ganzen über hundert 
Personen). Nach einem gemeinschaftlichen Abendessen 
im großen Saal des Oberen Museums, bei welchem der 
Vorsitzende Baurat Hofacker die Anwesenden will 
kommen hieß, wurden verschiedene musikalische Vor 
träge, Aufführungen sowie zum Schluß ein Tanzvergnügen 
geboten. Zunächst brachten die Geschwister Walter und 
Elisabeth Weitbrecht zwei Stücke für Cello und Klavier 
zum Vortrag und setzten durch flottes und präzises Spiel 
alle Anwesenden in Erstaunen. Dann kam der Schwank 
„Schwerhörig“ zur Aufführung, wobei namentlich Fräulein 
Hedwig Mayer die alte Witwe Frau Dr. Lenz zu vor 
züglicher Darstellung brachte. Es folgte eine Arie aus 
der Oper „Traviata“ von Verdi, gesungen von Fräulein 
Martha Weber. Daran schloß sich der weitere Schwank 
„Das Mädchen vom Lande“ an, der die Lachmuskeln 
der Zuhörer in lebhafte Tätigkeit versetzte, dank dem 
vorzüglichen Spiel der Mitwirkenden; Fräulein Hedwig 
Mayer, Fräulein Toni Schmid, Frau Paula Feil und 
Fräulein Luise Hofacker. Die weiteren Darbietungen 
bestanden in einem Violinduett von Fräulein Helene 
Frank und Fräulein Toni Schmid sowie Liedervorträgeu 
(„Erster Verlust“ von Franz Schubert, „Die Waldeinsam 
keit“ von Max Reger und „Der Jäger“ von Job. Brahms) 
durch Fräulein Martha Weber. Nachdem Fräulein Frank 
auch noch als Solistin aufgetreten war, begann der Tanz 
für die jüngeren Teilnehmer, doch sah man auch manchen 
alten Herrn sich noch wacker dabei vergnügen. Wie 
befriedigt jedermann über den gelungenen Verlauf des 
Abends war, erhellt am besten daraus, daß erst nach 
Mitternacht die Reihen sich zu lichten begannen, während 
die Letzten noch um Hahnenschrei oben saßen und erst 
dann allmählich den Heimweg antraten. W. 
Bauwerkmeisterverein Württembergs. Unter 
dieser Bezeichnung hat sich am 10. November in Stutt 
gart die Verschmelzung des Vereins der Bauwerkmeister 
Württembergs und des Württ. Bautechnikerverbands zu 
einem Verein vollzogen. Die Leitung des neuen Vereins, 
der in das Vereinsregister eingetragen werden soll, ist 
in Stuttgart. Zum Vorstand wurde Bauwerkmeister Reb 
mann-Stuttgart, zum stellvertretenden Vorstand technischer 
Oberbahnsekretär Krassel-Ludwigsburg und zum Landes 
kassier Bauwerkmeister E. Kühler-Göppingen gewählt, 
zu Beisitzern die Bauwerkmeister Karl Kreß-Peuerbach, 
Max Müller-Stuttgart, Julius Rühle-Feuerbach, Karl 
Horlacher-Obertürkheim, Fritz Sautter-Stuttgart und 
Ad. Fahrion-Feuerbach. Der neue Verein verfügt über 
die stattliche Anzahl von 1500 Mitgliedern. 
Wettbewerbe 
Entwürfe für ein Krematorium in Freiburg i. Br. 
Ein Preisausschreiben erläßt mit Frist zum 1. März 1908 
und beschränkt auf im Großherzogtum Baden ansässige 
oder in Baden gebürtige Architekten der Stadtrat von 
Freiburg. Drei Preise von 1500, 900 und 600 M. Dem 
Preisgericht gehören an: Prof. W. Scholter in Stuttgart 
und Prof. P. Geiges, Architekt Pr. Kempf und Architekt 
Stadtrat Meeß, sämtlich in Freiburg. Unterlagen unent 
geltlich vom städtischen Hochbauamt. 
Neubau einer evangelischen Kirche nebst Pfarr- 
wohnungen. Für die St. Jacoby-Gemeinde in Braun 
schweig wird unter den Architekten evangelischen Be 
kenntnisses und deutscher Reichsangehörigkeit vom dortigen 
Stadtmagistrat ein Ausschreiben mit Frist zum 2. März 1908 
erlassen. Drei Preise von 3000, 1800, 1200 M., deren 
Gesamtsumme auch in andrer Weise verteilbar. Ankauf 
weiterer Entwürfe für je 1000 M. Vorbehalten. Dem 
Preisgericht gehören an Geh. Oberbaurat Hoßfeld, Berlin, 
Geh. Baurat March, Charlottenburg, Prof. Lübke und 
Stadtbaurat Winter in Braunschweig. Unterlagen un 
entgeltlich durch die städtische Bauverwaltung daselbst.
	        

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