Volltext : Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1907)

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BAUZBITUNG

Nr.  47

Wettbewerb  Wasser-  und  Aussiohtsturm  in  Friedberg;
Architekten  Diplomingenieur  H.  Wielandt  und  Dr.  pbil.  B.  Gradmann,
Konstanz

Persönlichkeit  ihr  volles  Recht  wird.  An  Stelle  des
amorphen  Körpers  muß  ein  kristallinisches’  Aggregat
treten,  in  dem  die  einzelnen  Kristalle  ausgesprochen
sind  und  mit  erkennbaren  Umrissen  heraustreten.  Dieser
Zustand  wird  keinerlei  Beeinträchtigung  der  Rechte
des  Leiters  und  seines  Ansehens  herbeiführen.  Er
wird  ja  wohl  selbst  stets  nach  dem  Grundsatz  handeln
wollen,  den  der  Bund  Deutscher  Architekten  neulich  in
Dresden  aufstellte:  „Die  Urheberschaft  an  künstlerischen
Arbeiten  nimmt  der  Architekt  nur  dann  in  Anspruch,
wenn  er  das  Werk  geistig  allein  geschaffen  hat.“
Eine  kurze  Erwähnung  der  im  Norden  des  Vergnügungsparkes ­
  liegenden  Schreber-  und  Beamtengärten
mit  romantischen  Gartenhäuschen  soll  die  Aufzählung  des
im  Vergnügungspark  Gebotenen  schließen.  Ohne  Zweifel
ist  hier  eine  sehr  verdienstvolle  Anlage  und  ein  gutes
Vorbild  für  kommende  Schöpfungen,  eine  solide  Grundlage ­
  für  Weiterbildung  geschaffen  worden.

Inzwischen  haben  sich  die  Pforten  der  Ausstellung
für  immer  geschlossen,  verödet  liegen  die  Sondergärten,
die  Gebäude,  die  Hallen;  die  Blätter  fallen,  und  der  Nebel
verhüllt  die  langen  Perspektiven.  Der  Schönheit  ein  Tod
in  Schönheit.  Die  Ausdehnung  der  Ausstellung  bis  zum
Zeitpunkt  des  Sterbens  in  der  Natur  gewährte  einen
schmerzlosen,  den  Zuschauer  wehmütig  stimmenden  Abschluß. ­
  Seien  wir  daher  zufrieden  mit  dem  Erreichten.
Wir  wollen  nicht  denen  folgen,  die  schwärmerisch  das
Fortbestehen  der  Sondergärten  und  des  Schwarzwaldidylls ­
  verlangen  mit  großen  Geldopfern  und  unter  Preisgabe
vitaler  Interessen  der  Stadt.  Die  Ausstellung  und  ihre
Schöpfungen  unterbrachen  in  angenehmerWeise  die  Arbeit,
die  Betrachtung  des  Geleisteten  verschönerte  und  veredelte
das  Leben;  wir  möchten  aber  den  guten  Eindruck  des
Ganzen  nicht  durch  ein  künstliches  Fortvegetieren  gestört
wissen.  Bei  aller  Schönheit  sind  die  Sondergärten  doch
nur  ephemere  Kunstschöpfungen,  die  anregen,  fördern,
weiterbilden  sollen,  und  keine  Gartenkunstdenkmäler,  die
für  lange  Dauer  berechnet  sind.  Ihren  Zweck  haben  sie
in  reichem  Maße  erfüllt;  das  Gegenteil  würde  ein  Fortbestehenlassen ­
  zur  Folge  haben,  sie  würden  wohl  kaum
weiter  beachtet.  Es  ginge  wie  bei  der  Jubiläumsausschmüekung
  der  Straßen,  die  man  unbegreiflicherweise
und  unter  Opferung  des  gesamten  künstlerischen  Eindrucks ­
  ein  halbes  Jahr  lang  stehen  ließ;  erst  die  Landestrauer ­
  bewirkte  ein  anscheinend  noch  zu  frühes  Ende.
Es  war  ein  sonderbares  Milieu  für  die  nach  der  Arbeif
eilenden  und  mit  der  Uhr  in  der  Hand  kalkulierenden
Geschäfts-  und  Finanzleute,  und  recht  merkwürdig  gestaltete ­
  sich  unter  Girlanden  und  Kränzen  die  nach  altem
Brauch  im  Freien  sich  abspielende  Fruchtbörse.  Ein
Hauptmoment  beim  Zustandekommen  des  künstlerischen
Eindrucks  einer  Ausstellung  und  einer  Festdekoration
scheint  uns  die  Empfindung  der  Vergänglichkeit  zu  sein;
der  Beschauer  sieht  wehmütig  schöne  Eintagsfliegen  und
eilt,  das  Wesentliche  rasch  und  für  immer  zu  erfassen.
Veranstaltungen  und  Schöpfungen  derart  müssen  dem
Meteore  gleichen,  das  rasch  erscheint,  helleuchtend  kurze
Zeit  strahlt,  rasch  entschwindet,  aber  im  Auge  einen
nachhaltigen  Eindruck  zurückläßt.  Deshalb  scheint  uns
der  angeregte  Gedanke  ein  großer  Fehler  zu  sein.  Der
Verwirklichung  stehen  glücklicherweise  erhebliche  finanzielle ­
  Bedenken  und  die  Notwendigkeit  der  baldigen  Erschließung ­
  weiteren  Baugeländes  entgegen.
Eine  eingehende  künstlerische  Bilanz  zu  ziehen,  können
wir  unterlassen,  zumal  wir  im  Lauf  der  Darstellung
jeweils  das  Erforderliche  beifügten.  Mannheim,  das  bisher ­
  unbeachtete  Allerweltsstiefkind,  ist  auch  in  künstlerischer ­
  Hinsicht  wieder  hervorgetreten.  Die  als  materiell
und  kunstarm  verschriene  Stadt  hat  nicht  nur  die  frühere
ruhmvolle  Vergangenheit  gezeigt,  sondern  sogar  ein  neues
Blatt  ihres  Kunstalbums  beschrieben.  Die  Kunst-  und
Gartenkunstdenkmäler  haben  ihren  Eindruck  auf  viele,
hoffentlich  in  recht  nachhaltiger  Weise,  ausgeübt,  wir
möchten  nur  wünschen,  daß  die  Thesen,  die  hier  angeschlagen ­
  waren,  recht  viele  Anhänger  hier  finden
möchten.  Von  Einfachheit  und  Monumentalität,  wahrer
Schönheit  und  wahrer  Anmut,  echter  Würde  und  echter
Vornehmheit  sind  wir  hier  an  vielen  Stellen  noch  weit
entfernt.  Also  sündiget  hinfort  nicht  mehr;  folget  Plato,
der  uns  sagt,  daß  das  Einfache  das  wahrhaft  Schöne
hienieden  sei.  Dann  wird  Mannheim  eine  der  schönsten
im  Kranz  deutscher  Städte  werden  und  leuchtend  strahlen
am  Himmel  der  Kunst  wie  dereinst,  als  ein  prachtliebend ­
  Herrscherhaus  hier  Hof  hielt  und  glänzte.  Die
materiellen  Voraussetzungen  zu  einer  solchen  Stellung
sind  vorhanden.
Mit  diesen  Wünschen  sei  unsre  Betrachtung  geschlossen,
sie  wollte  stets  ins  Innere  dringen  und  das  Wesen  alles
Gebotenen  erfassen.  Sie  ward  gegeben  niemand  zulieb
und  niemand  zuleid  in  dem  Bestreben,  auch  einen  Stein
            
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