Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1907)

'm ma-r^: ■"■VM ■'' ftf ■:& *■? ■■ ’*'■: ; Vü ! ^ 
. ;»'■ 
BAUZEITUNG 
Wettbewerb Wasser- und Aussichtsturm Friedberg 
In engster Wahl Architekt A. Baur, Mainz 
liehen Burgen ist von der Treppe in das zweite Ober 
geschoß zugänglich. Diese selbst ist mit Geschick an 
gelegt, und man gelangt durch eine Aussteigöffnung mit 
nach rückwärts schlagendem Deckel zunächst auf eine 
kleine Plattform und dann in den obersten Raum, der 
zur Beobachtung diente. 
Die Mauern des Gebäudes sind in bearbeiteten Tuff 
steinen, welche in der Gegend gebrochen werden, her 
gestellt. Die Dächer waren ursprünglich mit Kupfer 
gedeckt, das aber von einem späteren Besitzer durch 
Zink ersetzt wurde, um ersteres zu verkaufen. Sämtliche 
Schreiner- und Glaserarbeiten sind sehr solid in Eichen 
holz ausgeführt. Die Läden und Türen sind geschwungen 
und mit Eisen beschlagen. Originell ist die Dekoration 
der vier vörgelegten, kugeltragenden Säulchen, welche 
in Eichenholz hergestellt sind. Um das Gebäude sind 
noch Spuren eines im Stil jener Zeit angelegten Gartens 
mit beschnittenen Buchshecken, Postamenten und einigen 
Architekturfragmenten. Die Oberamtsbeschreibung vom 
Jahre 1831 führt den Lenzischen Garten als Sehens 
würdigkeit der Stadt Urach auf. In demselben hatte sich 
der Eigentümer eine kleine Sternwarte erbaut, die mit 
schönen astronomischen Instrumenten versehen war. 
Stuttgart. B. Stahl. 
V ereinsmitteilungen 
Württ. Verein für Baukunde. Am 28. November 
besichtigte der Verein unter Führung von Bauinspektor 
Pantle die Neubauten des Städt; Gaswerks zu Gais- 
burg. Besonderes Interesse erregten die gegenwärtig in 
Ausführung begriffenen Gründungsarbeiten für das neue 
Ofenhaus. Da an dieser Stelle das Neckartal einen sehr 
ungünstigen Untergrund hat und auf große Tiefen keinen 
tragfähigen Boden darbietet, mußte in ähnlicher Weise, 
wie bei dem Schlachthausneubau im vorigen Jahr, zu 
einer besonderen Gründungsart gegriffen werden. Ur 
sprünglich wurden Versuche angestellt mit dem Dulac- 
verfahren; dieselben mußten jedoch wieder aufgegeben 
werden, da der Untergrund sich als zu wenig standfähig 
erwies und vermöge seiner Zähigkeit ein Eindringen des 
Stössels nicht gestattete. Es wurde deshalb ein neues 
Verfahren gewählt, das in München schon verschiedent 
lich zur Ausführung gekommen ist; die Gründung mit 
Simplexpfählen, worüber in der nächsten Zeit an dieser 
Stelle näher berichtet werden soll. Für das neue Reiniger 
und ührenhaus wurde eine besondere Dachkonstruktion 
verwendet: die Stephan-Dachbinder, welche die Kontrak 
tion von Eisenfachwerk in geschickter Weise in Holz nach 
ahmen, dabei aber wesentlich leichter sowie etwas billiger 
als jene und vor allem völlig rost- und säuresicher sind. 
Als Widerlager sind starke Eichenklötze, als Scheitel 
gelenke viereckige Eichenkeile angewandt, welche ein zu 
starkes Einbeißen des Holzes verhindern. Zum Schutz 
gegen Feuergefahr erhalten die Dachbinder einen be 
sonderen* feuersicheren Anstrich, im übrigen sollen sie 
nach Fertigstellung durch verschiedenfarbige Bemalung 
ein freundliches Aussehen erhalten. Neben diesem Ge 
bäude erhebt sich der gewaltige neue Gaskessel, der bei 
einer Höhe von 63 m einen Durchmesser von 54 m sowie 
einen Fassungsraum von 100000 cbm besitzt und damit 
die seitherigen Gasdome, deren größter hur 25 000 cbm 
faßt, weit hinter sich läßt. Später soll noch ein zweiter 
S
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.