Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1907)

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Grundriß des Erd-, Ober- und Dachgeschosses Architekten Prof. Böklen & Feil, Stuttgart 
Landhaus des Prof. Pr. Max Piez 
in Stuttgart 
Architekten Prof. Böklen & Feil -Stuttgart 
Das Landhaus Diez läßt das Bestreben erkennen, dem 
Aeußeren des kleinen Gebäudes einen bodenständigen 
Charakter zu verleihen. Dies wird namentlich auch er 
reicht durch den Verputz, welcher als einer der ersten 
hier in Stuttgart zur Ausführung gelangte. Auf hohem 
Berge an der Bopserwaldstraße mit schöner Fernsicht 
gegen das Neckar- und Remstal gelegen, wird das Haus 
von einem alten Bestand an Ohstbäumen umrahmt. Dem 
Wunsche des Besitzers entsprechend, enthält das Erd 
geschoß ein 35 qm großes Wohn- und Eßzimmer mit an 
stoßender verglaster Veranda sowie zwei kleinere Zimmer, 
die sämtlich von dem Vorzimmer bzw. der Diele aus zu 
gänglich sind. Holztäfer sowie ein großer Kachelofen 
verleihen dem Wohnraum die gewünschte Behaglichkeit. 
Die oberen Stockwerke enthalten Schlafräume und ein 
Bad. Die reinen Baukosten belaufen sich auf 35000 M. 
Interieur 
Architekt Christ. Schneider -Berlin 
Im Landesgewerbemuseum in Stuttgart war im Sommer 
eine Kollektion Arbeiten ausgestellt, die den Entwicklungs 
gang des genannten Architekten zur Anschauung brachten. 
Die Beiträge zur heutigen Nummer zeigen interessante 
Entwürfe zu einer Vorhalle und einem Portal, die in 
modernen Formen gehalten sind. 
Per Techniker und die Zeichnungen 
seines Chefs 
Der Maschinentechniker eines Berliner Ingenieurs (In 
haber eines technischen Bureaus) hatte aus dem Bureau 
mehrere Originalzeichnungen nach Hause genommen und 
auch von Originalzeichnungen Kopien angefertigt, die er 
in seiner Wohnung hatte. Der Chef entließ darauf den 
Maschinentechniker ohne Einhaltung der gesetzlichen 
sechswöchentlichen Kündigungsfrist. Er machte auch 
wegen dieser Vorkommnisse eine Anzeige an die Staats 
anwaltschaft. Das Schöffengericht sprach den an- 
geklagten Maschinentechniker frei. Es erblickte in den 
Handlungen des Angeklagten nicht einen Diebstahl, 
sondern nur einen groben Vertrauensbruch, weil der 
Maschinentechniker eine sehr selbständige Stellung hatte. 
In solcher Stellung kann es nach den Ausführungen des 
Schöffengerichts nicht als Diebstahl angesehen werden, 
wenn Zeichnungen aus dem Bureau mit nach Hause ge 
nommen oder von Originalzeichuungen zu Hause Kopien 
vorgefunden werden. Nun klagte der Maschinentechniker 
wegen des Gehalts auf die Kündigungszeit. Das Ge 
werbegericht betont, daß in der Mitnahme der Original 
zeichnungen und in der Anfertigung der Kopien von 
Originalen ein Grund zur sofortigen Entlassung zu finden 
ist. Wenn auch das Schöffengericht zu einem frei 
sprechenden Urteil gekommen, hat es doch hervorgehoben, 
daß das Handeln des Maschinentechnikers einen groben 
Vertrauensbruch darstellt, und dieser berechtigt den Chef 
zur sofortigen Entlassung. Str. 
Pie Baubescliränkimg des Straßen- und 
Platzlandes 
In einer Schrift, die als Dissertation von der juri 
stischen Fakultät der Universität Tübingen angenommen 
worden und im Verlag von 0. Grüninger-Stuttgart im 
Druck erschienen ist, erörtert Stadtschultheißenamts 
sekretär Rechtsanwalt G. Ludwig in Stuttgart die be 
deutsame Frage der Baubeschränkung, ln eingehender 
Weise bespricht der Verfasser die Beschränkungen der 
Baufreiheit im öffentlichen Interesse und deren Ent 
schädigung, vergleicht die Rechtsbestimmungen in Württem- 
berg mit denen in Preußen, Bayern, Sachsen, Hessen, 
Baden, um dann sich über die Notwenigkeit der Bau 
beschränkung, das Bauverbot, die Entschädigungspflicht, 
Umfang derselben und den neuen Entwurf der württem- 
bergischen Bauordnung des näheren zu verbreiten. Seine 
gründliche Darlegung faßt Rechtsanwalt Ludwig in folgen 
den Schlußfolgerungen zusammen: 
1. Die Bedeutung des Ortsbauplans ist gegen früher 
eine andre geworden. Früher war die Bestimmung der 
Baulinie eine Aufgabe der Polizei, die den Zweck hatte, 
eine geordnete Bebauung des Gemeindegebiets und eine 
genügende Zugänglichkeit der Gebäude sicherzustellen. 
Jetzt ist der Ortsbauplan das Projekt eines Gemeinde 
unternehmens, zu dessen Ausführung die Gemeinde aus 
polizeilichen Gründen gesetzlich verpflichtet ist. Früher 
war die Zuständigkeit der Polizeibehörden begründet, 
jetzt gehört die Bauplanfeststellung zur Selbstverwaltung 
der Gemeinde. 2. Die Ortsbauplanfeststellung ist das 
erste Stadium des Enteignungsverfahrens. Die vom
	        

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