Volltext : Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1907)

2.  Februar  1907

BAÜZEITUNG

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den  Richtungen  bewegen.  Beide  Wellenarten  wechseln  in
rascher  Aufeinanderfolge  miteinander  ab  und  ergeben  zusammen ­
  die  elektromagnetischen  Weilen.  Diese  durcheilen
den  Baum  mit  Lichtgeschwindigkeit,  legen  also  in  einer
Sekunde  300  000  km  zurück  oder,  umgekehrt  ausgedrückt:
die  von  dem  Draht  ausgehenden  Kräfte  sind  schon  nach
V300000  Sekunden  in  der  Entfernung  von  1  km  nachweisbar.
Die  Ermittlung  der  Länge  solcher  Wellen  erfolgt  hieraus
durch  eine  einfacheUebertragung.  Wenn  man  zum  Beispiel
(mittels  Wechselstroms)  in  einer  Sekunde  50  Schwingungen
erzeugt,  so  ergeben  sich  für  diese  Zeit  50  Wellen,  die
sich  auf  die  Entfernung  von  300  000  km  verteilen.  Somit
hat  in  diesem  Fall  eine  Welle  die  Länge  von  6000  km.
In  der  drahtlosen  Telegraphie  arbeitet  man  mit  Wellenlängen ­
  von  100—1000  m,  die  Küstenstation  des  Deutschen
Reichs  wendet  365  m  an.  Die  für  derartige  Wellenlängen ­
  erforderliche  Geschwindigkeit  der  Schwingungen
konnte  bis  vor  kurzem  bloß  mittels  elektrischen  Funkens
erreicht  werden,  daher  der  Name  „Funkentelegraphie“.
Neuerdings  ist  sie  jedoch  auch  mit  Hilfe  des  elektrischen
Lichtbogens  erzielt  worden.  Das  erstere  Verfahren  besteht ­
  in  seiner  einfachsten  Anordnung  darin,  daß  an  die
Klemmen  eines  Induktionsapparats  ein  Stromkreis  angeschlossen ­
  wird,  in  welchen  eine  Leidener  Flasche  sowie
eine  Drahtspule  eingebaut  sind.  Der  Sendedraht  für  die
Telegraphie  zweigt  von  der  Spule  aus  ab.  Sobald  zwischen
den  Klemmen  ein  Funke  überspringt,  wird  in  der  angehängten ­
  Leitung  der  Strom  geschlossen  und  somit  der
Draht  in  die  entsprechenden  Schwingungen  versetzt.  Die
Schwingungen  können  verlangsamt,  also  die  Wellenlänge
vergrößert  werden  durch  Vergrößerung  der  Kapazität
innerhalb  des  Stromkreises  (mehr  Leidener  Flaschen)
sowie  durch  Vermehrung  der  Windungen  der  Spule.  Man
kann  auch  den  Sendedraht,  statt  ihn  unmittelbar  an  die
Spule  anzuschließen,  mittels  Transformators  mit  der  Leitung
verbinden,  wobei  also  die  Einwirkung  nicht  unmittelbar,
sondern  auf  dem  Weg  der  Induktion  erfolgt;  im  übrigen
bleibt  die  Einrichtung  dieselbe.  Die  drahtlose  Telegraphie
bedarf  nun  zweier  Stationen,  einer  Sende-  und  einer  Auffangstation, ­
  beide  haben  einen  hoch  in  die  Luft  ragenden
Draht,  den  Sende-  bezw.  Auffangdraht,  der  wechselseitig
zur  Ahsendung  wie  Auffangung  der  Depeschen  dienen
kann.  Versuche  haben  ergeben,  daß  der  Sendedraht,  um
eine  bestimmte  Wellenlänge  auszusenden,  eine  Länge  von
etwa  ein  Viertel  dieses  Maßes  haben  muß,  das  heißt  für
30  m  lange  Weilen  müßte  er  7  */ 2  m  lang  sein  u.  s.  w.  Da
indes  bei  den  obengenannten  tatsächlich  erforderlichen
Wellenlängen  die  Abmessungen  des  Drahts  viel  zu  groß
würden,  bringt  man  oben  Netze  an,  die  etwa  dach-,  trichteroder
  schirmförmig  ausgebildet  sein  können  und  infolge  der
durch  diese  Anordnung  erzielten  vermehrten  Kapazität
eine  Beschränkung  der  Drahtlänge  ermöglichen.  Die  von
diesem  Sendedraht  nach  allen  Richtungen  des  Raums  ausgesandten ­
  Wellen  werden  nun  unter  anderm  auch  von
dem  Auffangdraht  der  Nachbarstation  aufgenommen;  der
letztere  kommt  jedoch  nur  dann  in  wirksame  Schwingungen,
wenn  er  auf  die  jeweilige  Wellenlänge  eingestellt  ist.
Dieses  Einstellen  oder  Abstimmen  an  der  Auffangstation
erfolgt  wieder  wie  oben  durch  Spulen  und  Kapazitäten.
Um  ferner  die  entstehenden  Schwingungen  in  der  Auffangstation ­
  zur  sinnlichen  Wahrnehmung  zu  bringen,  wird
der  „Fritter“  (Kohärer)  eingeschaltet,  welcher,  für  gewöhnlich ­
  nicht  leitend,  infolge  der  Schwingungen  leitend  wird
und  nun  einem  Batteriestrom  den  Durchgang  zu  der
Klingel  bezw.  dem  Morseapparat  gestattet.  Statt  des
Fritters  kann  auch  die  „elektrolytische  Zelle“  angewendet
werden,  die  wesentlich  empfindlicher  ist  als  jener.  Die
Zeichen  können  alsdann  nur  durch  den  Hörempfänger
(Telephon)  aufgenommen  werden.  Soll  nun  eine  noch
unbekannte  Wellenlänge  ermittelt  werden,  so  wird  mit  der
Veränderung  der  Spulen  und  Kapazitäten  so  lange  fortgefahren, ­
  bis  der  Ton  im  Telephon  einen  Höchstwert  erreicht; ­

  damit  ist  die  Wellenlänge  gegeben  und  es  kann
alsdann  in  gleicher  Weise  auch  der  Schreibempfänger
(Morseapparat)  eingestellt  werden.  Beides  kann  bei  einiger
Üebung  in  weniger  als  einer  Minute  geschehen.  Es  folgt
hieraus,  daß  eine  Geheimhaltung  der  Depeschen  nicht
möglich  ist,  da  jede  Station  auf  die  ankommende  Wellenlänge ­
  einstellen  kann;  anderseits  genügen  schon  5  °/ 0  Verschiedenheit ­
  in  der  Länge,  um  eine  gegenseitige  Störung
zu  vermeiden.  Die  Richtigkeit  dieser  Ausführungen  wurde
durch  Versuche  mit  den  aufgestellten  Apparaten  dargetan;
insbesondere  wurde  auch  gezeigt,  wie  zwei  Stationen  mit
30  und  50  m  Wellenlänge  ruhig  nebeneinander  arbeiten
können,  ohne  sich  gegenseitig  zu  beeinflussen.  Im  Anschluß ­
  an  diese  Versuche  wurden  sodann  eine  Reihe  von
Anlagen,  die  die  Gesellschaft  für  drahtlose  Telegraphie
für  militärische  und  Schiffahrtszwecke  ausgeführt  hat,
sowie  insbesondere  auch  die  Versuchsstation  in  Nauen,
unter  Vorführung  von  Lichtbildern  des  näheren  beschrieben.
Zum  Schluß  berührte  der  Redner  noch  die  drahtlose
Telephonie.  Die  Telegraphie  arbeitet  bisher  nur  mit
einzelnen  Wellenstößen,  solche  sind  aber  für  das  fortlaufende ­
  Sprechen  natürlich  nicht  verwendbar.  Dagegen
ist  es  Ende  vorigen  Jahres  nun  gelungen,  auch  ununterbrochene ­
  Wellenzüge  herzustellen,  und  auf  Grund  hiervon
wird  auch  das  drahtlose  Telephonieren  bald  praktisch  verwirklicht ­
  werden;  bis  zu  einer  Entfernung  von  40  km
(Berlin-Nauen)  ist  bereits  gesprochen  worden.  Zur  Erläuterung ­
  dieser  Vorgänge  wurden  Versuche  mit  dem
selbsttönenden  und  -sprechenden  Lichtbogen  vorgeführt,
die  allseitigen  Anklang  fanden.  Damit  schloß  der  anregende ­
  Vortrag.  Der  Vorsitzende  sprach  im  Namen  des
Vereins  dem  Vortragenden  den  herzlichsten  Dank  aus
und  schloß  noch  einige  kurze  geschäftliche  Mitteilungen
an  (Eintrittsgesuche).  Der  gemütliche  Teil  des  Abends
wurde  sodann  in  die  Räume  des  Rathauskellers  verlegt,
wohin  der  größte  Teil  der  Anwesenden  mit  ihren  Damen
übersiedelte.  —11—
Württembergischer  Baubeamten-Verein.  Die
Mitglieder  werden  hiermit  wiederholt  ersucht,  jede
Wohnungsveränderung  sofort  dem  Vorstand  Palm,
Bahnhofstraße  17,  Stuttgart,  mitzuteilen,  ebenso  etwa
gewünschte  Aenderungen,  die  beim  Neudruck  des  Mitgliederverzeichnisses ­
  berücksichtigt  werden  sollen.
Als  Mitglied  in  den  Verein  hat  sich  angemeldet:
Karl  Truckenmüller,  Bauamtswerkmeister  bei  der
K.  Domänendirektion  in  Stuttgart.
Wettbewerbe
Rathaus  in  Wiesdorf.  Der  Wettbewerb  ist  auf  die
Architekten  von  Rheinland  und  Westfalen  beschränkt.
Entwürfe  für  den  Schöneberger  Stadtpark.  Der
I.  Preis  (3000  M.)  ist  dem  Gartenbautechniker  Krüpper
in  Düsseldorf,  der  II.  (2000  M.)  dem  Gartendirektor  Encke
und  dem  ßauinspektor  Bolte  in  Köln,  der  III.  (1000  M.)
dem  Gartenbautechniker  Ulrich  in  Berlin  zuerkannt  worden.
Außerdem  wurde  ein  Entwurf  zum  Ankauf  empfohlen.
In  einem  engeren  Wettbewerbe  um  Entwürfe
zu  einem  Kreishause  in  Altena  hat  das  Preisgericht
den  Entwurf  des  Architekten  Markmann  in  Dortmund
als  den  besten  bezeichnet  und  zur  Ausführung  empfohlen.
Eingegangen  waren  außerdem  Arbeiten  von  Prof.  Pützer
in  Darmstadt,  Architekt  Lübke  in  Wilmersdorf,  Architekt
Picht  in  Hagen  und  Architekten  Steinbach  &  Lutter  in
Dortmund.
Katholische  Landkirche  in  Landquart  (Graubünden). ­
  Der  katholische  Kirchenbauverein  Landquart
eröffnet  einen  allgemeinen  Wettbewerb  zur  Erlangung  von
Plänen  für  eine  einfache  katholische  Landkirche  nebst  Pfarrwohnung,
  die  in  Landquart  (Kt.  Graubünden)  erbaut  werden
soll,  zugleich  aber  auch  als  Typus  für  Kirchen  in  kleineren
            
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