Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1907)

2. Februar 1907 
BAUZBITUNG 
39 
werde. Einer weiteren Anregung aus der Mitte des 
Kollegiums folgend, wurde beschlossen, an das Kgl. 
Ministerium des Innern die Bitte zu richten, ob nicht 
freiwillige Kurse über landwirtschaftliches 
Bauwesen für Oberamtsbautechniker in die Wege ge 
leitet werden könnten, wobei auf einen analogen Vorgang 
hingewiesen wurde, wonach die Oberamtstierärzte auch 
veranlaßt werden, Seuchenkurse mitzumachen. Ein weiterer 
Antrag des Sachverständigen für das landwirtschaftliche 
Bauwesen ging dahin, es solle bei Heranbildung von 
Handwerksmeistern auf 
die Zweckmäßigkeit der 
Verwendung von Rund 
holz zu landwirtschaft 
lichen Bauten hingewiesen 
uud auch der Direktion 
der Kgl. Baugewerke 
schule hiervon Kenntnis 
gegeben werden. Bei der 
sich an diesen Antrag an 
schließenden Debatte wur 
den von einigen Beiräten 
ihre Erfahrungen bei Ver 
wendung von Rundholz 
für landwirtschaftliche 
Bauten (Feldscheunen, 
Stadel), die recht gute 
seien, mitgeteilt, die 
Kosten seien ziemlich 
niederer als bei Verwen 
dung von Kantholz und 
auch das Aussehen sei 
nicht zu beanstanden. Die 
Zimmerleute, die auf 
Rundholz nicht mehr ein 
geschafft seien, wollten 
allerdings nicht recht an 
diese Neuerung heran 
treten. Der Direktor der 
Baugewerkeschule will 
auch diesem Punkte seine 
Aufmerksamkeit zuwen 
den. Auch dieser Antrag 
wird vom Kollegium an 
genommen und wird be 
schlossen, der Kgl. Do- 
mänendirektiou hiervon 
Kenntnis zu geben. 
ßottenburg a. N. Ein 
Zufall brachte dieser Tage 
Gewißheit über die so 
lange gesuchte Stelle des 
römischen Kastells 
am hiesigen Platze, der 
als Sumelocenna die 
Hauptstadt des Dekuma- 
tenlandes gewesen ist. 
Hinter dem Landesgefäng 
nis kam bei Gartenarbei 
ten ein beträchtliches 
Stück der talseitigen Umfassungsmauer (1,80 m stark, 
vorerst etwa 70 m lang) zum Vorschein. Durch Zinnen 
deckel, vorliegenden Graben in normalem Abstand und 
andre Umstände ist die Existenz des Kastells jetzt schon 
erwiesen. Es wird eine hochinteressante, wissenschaftlich 
sehr lohnende Aufgabe sein, dieses wichtige Kastell nach allen 
Regeln der Altertumskunde genau zu untersuchen. Spargel 
beete und Hopfenanlagen, die das ganze Areal bedecken, 
hatten die Nachgrabungen bis jetzt verhindert. Es ist 
aber zu hoffen, daß weder die Landwirtschaft noch der 
Hohenbergische Schloßbau des 13. Jahrhunderts die Ur 
anlage des Kastells und dessen Geschichte ganz ver 
wischt haben. Das Schloß stand wohl 60 m weiter dem 
Tale zu. 
Darmstadt. Prof. Dr. Reinhold Müller, Dozent 
der darstellenden Geometrie und zurzeit Rektor der Tech 
nischen Hochschule in Braunschweig, nahm einen Ruf an 
die hiesige Technische Hochschule an. 
Worms. Bis zum Frühjahr dieses Jahres sollen die 
Vorarbeiten für die Anlage eines neuen Schlacht 
hauses so weit gefördert sein, daß die Vorlage an die 
Stadtverordnetenversammlung gebracht werden kann. In 
Aussicht steht die Aus 
führung der Korrek 
tions arbeiten an den 
beiden Rheinufern; mit 
ihnen werden größere Un 
ternehmungen der Stadt 
gemeinde (vielleicht die 
Anlage eines Wäldchens 
am Rhein) verbunden sein. 
Ein andres wichtiges Pro 
jekt, mit dem sich die 
Stadtverwaltung beschäf 
tigt, ist die Ableitung 
derFäkalien in den Rhein. 
Zu den begonnenen Er 
weiterungsbauten werden 
im Laufe des neuen Jahres 
hinzutreten diejenigen an 
der Oberrealschule und 
am Festhause, während 
die Arbeiten am neuen 
Bahnhofe hoffentlich be 
endet werden können. 
Mainz. Für die W i e - 
derherstellung des 
kurfürstl. Schlosses 
sind in der ersten Bau 
periode 353 067 M. auf 
gewendet. Die Bauleitung 
des Schlosses veranschlagt 
die Ausgaben der zweiten 
Bauperiode auf265 949M. 
Die Renovationskosten 
werden teils vom Reich, 
teils vom hessischen 
Staate und der Stadt 
Mainz bestritten. 
Frankfurt a.M. Nach 
fast zehnjährigen Ver 
handlungen ist, wie man 
der „Frkf. Ztg.“ aus Kon 
stantinopel meldet, das 
definitive Irade bezüglich 
des Neubaues der 
Brücke übers Gol 
dene Horn erlassen 
worden. Der Bau wurde 
der Brückenbauanstalt 
Gustavsburg für 200 000 
Pfund zugesprochen. Die 
Brücke muß zwanzig Monate nach Genehmigung der 
Pläne dem Verkehr übergeben werden. Die Finanzierung 
des Geschäfts übernimmt in Uebereinstimmung mit der 
Pforte die Deutsche Bank. 
Ausstellung „München 1908“. Nach mehrmona 
tigen Vorverhandlungen wurde den „M. N. N.“ zufolge 
in einer Besprechung von Vertretern der Stadtverwaltung, 
der Industrie, des Handels, der Kunst und der Hoch 
finanz der endgültige Beschluß gefaßt, im Jahre 1908 auf 
dem neu geschaffenen Ausstellungsgelände der Stadt auf 
der Therbsienhöhe eine erste große Ausstellung zu ver 
anstalten mit dem Programm: „München 1908“. Die- 
Vom alten Schlachthaus in Heilbrönn
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.