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BAUZEITUNG
Nr. 19
der Weise, daß Preise von je 1000 M. für die besten
innerhalb des letzten Jahres erstellten Passaden ausgesetzt
werden. Zur Teilnahme an dem Wettbewerb werden
laut „Städtebau“ die Hausbesitzer unter Angabe ihres
Architekten aufgefordert; das Preisgericht wird durch
die Hochbaudeputation gebildet. Verzichtet ein Sieger
auf den Geldpreis, so erhält er eine künstlerische Plakette,
während der Geldbetrag dem städtischen Kunstfonds zufließt,
aus dem öffentliche Plätze und Straßen mit Standbildern
und Brunnen geschmückt werden sollen.
Fassadenentwürfe für die Keramische Ausstellung
in Berlin. Das Preisausschreiben für die Ausstellung,
die im Jahre 1910 stattfindet, hat 37 Entwürfe
ergeben. Das Preisgericht, dem u. a, Regierungs- und
Baurat Fürstenau, Landbauinspektor Kickton und Professor
Stiel angehörten, verteilte den I. Preis dem Architekten
O. Ziegler-Schöneberg, den II. Preis dem Stadtbauinspektor
Kanold-Frankfurt a. M., den III. Preis dem
Architekten Burain-Berlin. Außerdem empfahl das Preisgericht
noch andre Arbeiten der Ausstellungsleitung zum
Ankauf.
Rathaus in Gleiwitz. Ein Wettbewerb um Entwürfe
wird unter Architekten deutscher Reichsangehörigkeit
bis zum 15. September ausgeschrieben. Die Baukosten
sollen 1500 000 M. nicht übersteigen. Drei Preise
von 8000, 5000 und 3000 M. sind ausgesetzt. Der Ankauf
weiterer Entwürfe für je 500 M. bleibt Vorbehalten.
Dem neuugliedrigen Preisgericht gehören unter andern
an die Stadtbauräte Geh. Baurat Dr. Hoffmann-Berlin,
Oehlmann-Liegnitz, Brugger-Beuthen und Kranz-Gleiwitz,
ferner Architekt Gaerte und Oberingenieur Schroeder-Gleiwitz.
Die Bedingungen und sonstigen Unterlagen für
den Wettbewerb sind vom Magistrat Gleiwitz gegen Einsendung
von 5 M. zu beziehen.
Friedhofanlage in Bielitz. Zu einem Wettbewerb
für Pläne zu einer Friedhofanlage der evangelischen
Pfarrgemeinde in Bielitz (Oesterr.-Schlesien) werden die
deutschen Architekten, Ingenieure und Baumeister mit
Frist bis 16. Juni d. J. eingeladen. Das Preisrichteramt
haben übernommen; Landesoberbaurat Architekt A.Müller
in Troppau, k. k. Baurat Ingenieur F. Srb in Teschen
und städt. Baurat Ingenieur R. Friedei in Bielitz. Es
kommen zwei Preise von 1000 und 600 K zur Verteilung.
Die Unterlagen für den Wettbewerb sind vom
Presbyterium der evangelischen Pfarrgemeinde in Bielitz
gegen Einsendung von 3 K zu erhalten.
Deutsches Theater in Dorpat. In dem Wettbewerb
für Entwürfe zu einem deutschen Theater in
Dorpat, der vom dortigen Handwerker verein ausgeschrieben
war, waren 52 Entwürfe eingegangen. Das Preisgericht
beschloß, die zur Verfügung stehende Summe von 1000 Rubel
in einen I. Preis von 450 Rubel, einen II. Preis von
300 Rubel und einen III. von 250 Rubel zu teilen, und
erkannte zu: den 1. Preis den Architekten E. Hoffmann
und F. Schultze-Berlin, den II. Preis dem Zivilingenieur
F. Bubuir und W. Wassiljew-St.-Petersburg, den III. Preis
dem Architekten H. A. Hartmann-Riga. Zum Ankauf
empfohlen wurden die Entwürfe „16811,48 Kubikmeter
umbauter Raum“ und „Faust“.
Rathaus in San Franzisko. Ein internationaler
Wettbewerb um Pläne für das neue Rathaus in San
Franzisko soll, wie der „Architect and Engineer of California“
mitteilt, von der Stadtverwaltung ausgeschrieben
werden. Das bereits genehmigte Programm sieht drei
Preise von 2600, 1500 und 1000 Dollar (1 Dollar = 4,2 M.)
vor. Außerdem sollen zehn Architekten oder Firmen besonders
eingeladen werden, die ein Honorar von je
1000 Dollar erhalten, aber keinen Anspruch auf weitere
Preise haben sollen. Der Entwurf kann entweder eine
größere Gebäudegruppe von vielleicht fünf Stockwerken
oder einen einheitlichen Bau mit einem 20 Stock hohen
Mittelbau (und selbstverständlich innerem tragenden
Stahlgerüst) behandeln. Die Kosten des mit einheimischem
Werkstein zu verkleidenden Baues sind auf 3,6 Millionen
Dollar geschätzt.
Kleine Mitteilungen
Württ. Kunstverein Stuttgart. Neu ausgestellt:
Vier Porträte von 0.Michaelis; Kuhgespann vonV. Weishaupt
j-; Pferdemarkt von W. Velten; Junimorgen von
R. Sieck; Im Vorzimmer von A. F. Franke; Am Chiemsee
von K. Raupp; Kasperltheater von Th. Kleehaas;
Rosen von Anna Peters; Damenporträt, Winter in den
Anlagen, Tauwetter, Abend von G. Koschewa; Frühlingslandschaft,
zwei Stilleben von Herrn. Werner; Vor
dem Spiegel von H. Grom-Rottmeyer; zwei Zeichnungen
von Otto Palmer u. s. w.
Baudirektor y. Schaal f. Bei den Lesern unsrer
Zeitschrift wird die Kunde von dem am 3. Mai erfolgten
Ableben des Vorstands der K. Ministerialabteilung für
den Straßen- und Wasserbau, des Baudirektors Friedrich
Wilhelm v. Schaal in Stuttgart, aufrichtige Teilnahme
erwecken, war doch der Verstorbene ein hochverdienter
Staatsbeamter, der sich allgemeiner Wertschätzung und
Sympathie erfreute. Eine tückische Krankheit riß den
noch rüstigen und geistig frischen Mann mitten aus seiner
erfolgreichen Tätigkeit. Schaal, am 4. September 1842
in Ludwigsburg geboren, besuchte die dortige Real- und
Oberrealschule, studierte 1858 bis 1863 an der Polytechnischen
Schule in Stuttgart und erstand die beiden höheren
Staatsprüfungen im Bauingenieurfach in den Jahren 1863
und 1869. Von 1863 bis 1876 war er als Bauführer, bauleitender
Ingenieur und Bauamtsvorstand beim württ.
Eisenbahnbau tätig und u. a. mit Trassierung der Bahnlinie
Pforzheim—Horb—Freudenstadt und Waiblingen—Murrhardt,
mit Ausführung der Tunnels bei Sulzau, Sulz und
Hochdorf und von 1874 bis 1876 mit den Geschäften des
Vorstands des Bahnhofbauamts Ulm betraut. Im Jahr
1876 trat er in Heilbronn als Straßenbauinspektor in die
Dienste der K. Straßen-und Wasserbauverwaltung. 1891
wurde er als Baurat in das Kollegium der Ministerialabteilung
für den Straßen- und Wasserbau berufen;
1896 erfolgte seine Ernennung zum Oberbaurat und 1908
zum Vorstand dieser Abteilung mit der Dienststellung
eines Baudirektors. Ein ehrendes Denkmal seines Schaffens
ist der Bau der König-Karls-Brücke über den Neckar
zwischen Stuttgart und Cannstatt, dessen oberste Leitung
ihm in den Jahren 1892/93 übertragen wurde. Neben
diesem hervorragenden Bauwesen gibt eine Reihe weiterer,
unter ihm entworfener und ausgeführter Bauten, u. a. die
Neckarbrücken von Plochingen, Hochberg, Gemmrigheim
und Neckargartach sowie zahlreiche Straßenbauten im
Neckarkreise und viele Flußlaufverbesserungen ander Murr,
der Enz, dem Kocher und der Jagst, beredtes Zeugnis von
seiner großen Umsicht und seinem gründlichen, vielseitigen
Wissen und Können. Als Vorstand des Hydrographischen
Bureaus nahm er an den Schiffahrtsbestrebungen des
Landes, an den Fragen der Donauversinkung und der
Verbesserung der Hochwasserverhältnisse an einer Reihe
von Flüssen hervorragenden Anteil, und als Mitglied der
von den drei NeckaruferStaaten aufgestellten ständigen
technischen Kommission für die Herstellung eines Großschiffahrtswegs
von Mannheim bis Heilbronn hatte er
Gelegenheit, seine reichen Kenntnisse und praktischen
Erfahrungen zu betätigen. Vielseitigen Dank und Anerkennung
hat sich Schaal als Berater der Gemeinden
bei Eisenbahn-, Straßen-, Brücken- und Uferbauten erworben.
Die Gemeinde Neckargartach und seine Vaterstadt
Ludwigsburg ernannten ihn zum Ehrenbürger. Die
Angehörigen der Straßen- und Wasserbauverwaltung betrauern
in dem frühen Hingang des Entschlafenen, der
ein leuchtendes Beispiel größter Pflichttreue war, den
Verlust eines wohlwollenden Vorgesetzten,