8. Mai 1909
BAUZB1TÜNG
151
Hebungen im Städtebau. Im letzten Jahr wußte
die Presse von einigen auswärtigen Technischen Hochschulen
zu berichten, daß an diesen Unterrichtseinrichtungen
auf dem Gebiet des Städtebaus (Seminar für
Städtebau, städtebaulicher Vortragszyklus, Informationskurs
für Städtebau) ins Leben gerufen worden sind.
Hierzu wird aus den Kreisen der Technischen Hochschule
in Stuttgart über eine entsprechende Einrichtung
im Lehrplan geschrieben: Prof. Theodor Fischer
hatte bei seiner Berufung nicht nur den Lehrauftrag
seines Ämtsvorgängers für Entwerfen, sondern den erweiterten
Auftrag für Entwerfen und Städteanlage übernommen,
und er hat vom Winter 1902/03 an ein besonderes
Kolleg — Uebungen im Städtebau — unter starker
Beteiligung bis zu seinem Weggang von der Hochschule
gehalten. Sein Nachfolger, Prof. Bonatz, führt diese
Uebungen seit Winter 1908/09 in gleicher Weise weiter.
Die Einrichtung hat sich eine größere Anzahl im praktischen
Leben stehender Architekten, Ingenieure, Geometer
(durch den Besuch als Hospitant) zunutze gemacht.
1907/09 wurde die Einrichtung durch ein von
dem Professor für Wasserbau, Dr.-Ing. R. Weyrauch,
übernommenes Kolleg (Vortrag mit Uebungen) über Bebauungspläne
ergänzt und erweitert mit dem Uebereinkommen,
daß Prof. Fischer, jetzt Bonatz, seine Uebungen
im Winter, Prof. Weyrauch im Sommer halten soll. Es
bestand die Auffassung, daß es dem Architekten und
ebenso dem Ingenieur nützlich sei, wenn jeder beide
Kollege besuche, es schütze sie vor einseitiger fachlicher
Behandlung des Städtebaus. Auch das Weyrauchsche
Kolleg fand bereits bei den in der Praxis stehenden
Technikern Beachtung. Neben dieser Gelegenheit hat
sich das Bedürfnis zur Abhaltung eines in der Dauer
kürzeren Unterweisungskurses im Städtebau, insbesondere
für im praktischen Leben stehende Verwaltungsbeamte,
Architekten, Ingenieure u. a., an der Technischen Hochschule
bis jetzt nicht geltend gemacht.
Oberndorf. Die bürgerlichen Kollegien haben für
das neu zu erbauende Krankenhaus den von dem
Direktor Schmohl-Stuttgart empfohlenen (als einzigen
vom Standpunkt des Technikers geeigneten) Dieselbachplatz
am Ende der Mauserstraße gewählt. Die Entscheidung
wurde den Kollegien um so leichter, als die
Amtsversammlung den zugesicherten Beitrag von 60000 M.
nur für dieses Projekt leisten will. Des weiteren wurde
der sofortige Ankauf des nötigen Geländes von der Staatsverwaltung
und den Kratzschen Erben beschlossen. Zur
Erlangung von Entwürfen für das Krankenhaus soll ein
Preisausschreiben in beschränktem Umfang erlassen
werden.
Verantwortlichkeit für Haftpflichtschäden. In
dem Prozeß der Wtirtt. Bäugewerksb eruf sgenossenschaft
gegen die Stadtgemeinde Nagold bzw. gegen
den Allgem. Deutschen Versicherungsverein, bei welchem
die Stadtgemeinde gegen Haftpflichtschäden versichert
war, ist folgender Vergleich zustande gekommen: „Der
Allgem. Deutsche Versicherungsverein bezahlt an die Baugewerksberufsgenossenschaft
zur Abfindung aller Ansprüche,
welche aus dem Unfall vom 5. April 1906, dem
Einsturz 'des Gasthauses zum Hirsch in Nagold, klägerischerseits
begründet worden sind und begründet werden
können, bar 30000 M., die Kosten werden verglichen.“
Es handelte sich hierbei um die Frage, ob und inwieweit
die Gemeinden für fahrlässiges Verschulden ihrer
Beamten u. s. w. verantwortlich gemacht werden können.
Karlsruhe. Dieser Tage hat die Vereinigung technischer
Vereine sich wieder mit der Frage der Stellung
des Technikers im öffentlichen Leben beschäftigt.
Unter dem Vorsitz von Geh. Baurat Prof. Rehbock
betonte der Referent des Abends, Fabrikinspektor Dr.-Ing.
Ritzmann, in keinem andern Kulturlande werde in öffentlichen
Stellungen der Techniker so sehr als Eindringling betrachtet
wie in Deutschland. Besonders in England finde
man zahlreiche Techniker in den leitenden Staats- und
Gemeindestellungen. Der Redner fordert die technischen
Vereine auf, aufklärend unter den Laien zu wirken, es
müsse den Technikern mehr als bisher Gelegenheit gegeben
werden zur Betätigung in beschlußfassenden Körperschaften.
Diese Betätigung als ihr Recht zu fordern,
sei Pflicht der Techniker. In der Besprechung trat
Rechtsanwalt Frey dafür ein, daß hei der Besetzung der
Bürgermeister stellen auch Techniker, Kaufleute
oder Bankiers mehr berücksichtigt werden sollten. Die
weiteren Redner, darunter auch Geh. Oberbaurat Baumeister,
sprachen den Wunsch aus, daß bei der bevorstehenden
Schaffung der vierten Bürgermeisterstelle in
Karlsruhe die Bestrebungen der Techniker von Erfolg
begleitet sein mögen.
Gartenstadt Karlsruhe. Aus dem Geschäftsbericht,
den der Vorsitzende, Generalsekretär Hans
Kampffmeyer auf der jüngsten Generalversammlung der
Gesellschaft erstattete, geht hervor, daß die Bewegung
in Karlsruhe Fortschritte gemacht hat. Es steht zu erwarten,
daß schon in nächster Zeit ein gut gelegenes
Gelände von 27 ha von der Stadtgemeinde Dur lach
erworben werden kann. Das Gelände liegt nordwärts
der Durlacher Landstraße zwischen der strategischen
Bahn, dem Elfmorgenbruch und dem Durlacher Bahnhofgelände
und bietet Raum für 400 bis 500 Häuser. An
der Hand von vortrefflichen Entwürfen, die für die
Gartenstadt Hellerau ausgearbeitet sind, und auf Grund
an gestellter Berechnungen stellt der Redner in Aussicht,
daß bereits für einen Baukostenpreis von 4000 M. aufwärts
ein Einfamilienhaus würde erstellt werden
können.
Mannheim. Am 16. April fand die Eröffnung der
von der Ortsgruppe des Bundes deutscher Architekten
veranstalteten Bankunstausstellung in Anwesenheit
von Staats- und Stadtbehörden statt. Zu der Ausstellung,
die im westlichen Anbau und im Oberlichtsaal der Kunsthalle
untergebracht ist, sind nur in Mannheim ansässige
Privatarchitekten und Bildhauer zugelassen worden. Es
sind etwa 24 Architekten und einige Bildhauer mit
Schöpfungen vertreten. Die Aussteller treten mit Entwürfen
teils ausgeführter, teils nur geplanter Architekturwerke
vor die Oeffentlichkeit. Das an den Tag gelegte
Können läßt einen lebhaften Besuch der vielgestaltigen
Ausstellung seitens weiterer Kreise sehr wünschenswert
erscheinen, beweist dieselbe doch, daß die Mannheimer
Privatarchitekten und Bildhauer die Befähigung besitzen,
den wachsenden Bedürfnissen unsrer Zeit in jeder Hinsicht
zu genügen. Der Entwurf des Haupteingangsportals
stammt von Architekt R. Tillessen, der des Plakates
und der Umschlagseite des Kataloges von Architekt
E. Plattner. Das Plakat war das Ergebnis eines
engeren Wettbewerbes.
Dortmund. Mit dem Plan der Errichtung einer
Technischen Hochschule fürWestfalen am hiesigen
Platze ist es vorerst nichts. Der Minister hat auf die
betreffende Eingabe der hiesigen Handelskammer geantwortet,
daß er zu seinem größten Bedauern der Anregung
für die nächste Zeit keine Folge geben könne.
Zunächst müsse die Eröffnung der Technischen Hochschule
in Breslau sowie der Ausbau der drei älteren
Hochschulen abgewartet werden. Dann werde sich übersehen
lassen, ob das Bedürfnis für eine sechste Technische
Hochschule vorliege.
Berlin. Am 22. März d. J. waren es 25 Jahre, daß
die Bauräte Erd mann und Spindler als junge Architekten
sich zu gemeinsamem Schaffen verbanden, das sich
nach reichlichen Erfolgen bei öffentlichen Wettbewerben,
von Berlin ausgehend, in kurzer Zeit über ganz Preußen
und die thüringischen Staaten ausdebnte und eine lange
Reihe nennenswerter Bauten zeitigte. Diese reiche Tätig-