Volltext : Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1909)

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BAUZEITUNG

Nr.  20

umschwebt,  mildern.  Am  unteren  Ende  ist  noch  eine
Seite  freigeblieben,  auf  welcher  eine  Sitzbank  zum  Verweilen ­
  aufgestellt  ist.
Die  ganze  Anlage  wirkt  vor  allem  durch  die  einheitliche ­
  Durchführung  einer  Gesamtidee.  Die  ganze  Ausführung, ­
  welche  durch  das  Stadtbauamt,  leider  ohne
weitere  Beiziehung  des  Architekten,  besorgt  wurde,  kam
auf  etwa  2000  M.  Es  fehlt  jetzt  allerdings  noch  eine
einfache,  würdige  Ausmalung  des  Innenraums,  für  welche
seinerzeit  die  Gelder  nicht  mehr  reichten.  Hoffentlich ­
  wird  dies  zur  Vollendung  des  Ganzen  bald  noch
hinzukommeu.  Die  Abbildungen  des  Heftes  möchten
ein  Bild  geben,  wie  der  Verfertiger  des  Entwurfs  sich
das  Ganze  gedacht  hatte.  B.

Zum  Wettbewerb  Lutlierhaus  der

Paulusgemeinde  in  Stuttgart

Abb.  3

Rathaus  mit  Brunnen  in  Nagold

Sicherung  der  Bauforderungen
Der  Gesetzentwurf  über  die  Sicherung  der
Bauforderungen  ist  vom  Reichstag  in  zweiter
Lesung  beraten  und  im  wesentlichen  in  der
Fassung  der  XIII.  Kommission  angenommen
worden.  Das  Plenum  erweiterte  im  §  1,  der
den  Geltungsbereich  der  dinglichen  Sicherung
der  Bauforderungen  festsetzt,  die  Forderung,
daß  vor  Erlassung  der  landesherrlichen  Verordnung ­
  die  Gemeinde  und  die  Handwerkskammer
des  Bezirkes  zu  hören  sind,  dahin,  daß  auch  die
Handelskammern  (nach  Antrag  Dove)  und
die  gesetzliche  Arbeitervertretung
(sozialdemokratischer  Antrag)  zu  hören  sind.

Abb.  2  Altes  Fachwerkhaus  in  Nagold
Den  Hintergrund  des  rundgewölbten  Innenraums  bildet
eine  große  Steinplatte  (A),  auf  welcher  in  zwei  langen
Reihen  die  Namen  sämtlicher  62  Opfer  der  Katastrophe
von  Nagold  und  von  auswärts  eingemeißelt  sind.  An
der  rückwärtigen  Giebelseite  befindet  sich  eine  Nische
mit  einer  Tafel,  auf  der  ein  Bibeltrostwort  eingegraben
ist.  Der  Bau  wurde,  um  mit  der  alten  Kirche  harmonisch ­
  zusammenzugehen,  mit  alten  Dachplatten  eingedeckt.
Vier  kleine  Bäume  an  den  Ecken,  Birken  und  Trauerweiden, ­
  sollen  den  Ernst  des  Todes,  der  diese  Stätte

In  Nr.  12  und  13  der  „Bauzeitung“  veröffentlichten
wir  die  Entwürfe  der  preisgekrönten  Bewerber.  Um
das  Bild  dieses  Wettbewerbes  zu  vervollständigen,  ist  es
nötig,  auf  einen  Entwurf  zurückzugreifen,  der  in  die
engere  Wahl  gekommen  war  und  mit  den  bereits  bekanntgegebenen ­
  Siegern  zu  konkurrieren  hatte.  Es  ist
dies  der  Entwurf  mit  dem  Kennwort  der  Architektenfirma ­
  Th.  Dolmetsch  und  Prof.  F.  Schuster  in
Stuttgart.  Das  Urteil  über  die  Arbeit,  die  noch  in  einer
Variante  vorlag,  lautet  wie  folgt:
Bei  diesem  Entwurf  steht  der  Saalbau  mit  seiner
Achse  winkelrecht  zur  Vogelsangstraße.  Gegen  Osten
reiht  sich  das  Vereins-  und  Wohnhaus  an.  Die  Kinderpflege ­
  mit  den  zwei  zweizimmerigen  Wohnungen  hat  in
einem  der  Arndtstraße  sich  anpassenden,  besonderen
Bauteil  Raum  gefunden.  Die  Fläche  des  Saals  ist  ausreichend ­
  bemessen,  ebenso  die  Treppen  und  Korridore;
dagegen  ist  der  Eingang  zum  Saalbau  von  der  Vogelsangstraße ­
  her  zu  unbedeutend.  Zu  beanstanden  ist  die
große  Breite  der  Südempore  bzw.  ihr  großer  Vorsprung
in  den  Saal,  was  allerdings  durch  die  Programmbestimmung ­
  über  die  Abtrennung  von  zwei  Sälen  in  bestimmter
Größe  vom  Hauptsaal  veranlaßt  ist.  Zu  bemängeln  ist
auch  Form  und  Beleuchtung  des  Vereinszimmers  im  Erdgeschoß ­
  bei  der  Kinderpflege.  Die  Wirtschaftszimmer
sind  in  der  Hauptsache  günstig  gelegen.  Die
Beleuchtung  des  größten,  an  der  Nebenseite
liegenden  kann  bei  6  m  Grenzabstand  noch  genügen. ­
  Den  Pfarrwohnungen  gebricht  es  an
den  im  Programm  verlangten  wirklich  großen
Zimmern;  auch  die  Höhe  ist  etwas  knapp,  was
wohl  auf  dem  Bestreben  beruht,  die  Höhe  des
Gebäudes  möglichst  zu  beschränken.  Bei  der
Gestaltung  des  Aeußeren,  die  vieles  Lobenswerte
zeigt,  verdient  der  erste  Vorschlag  den  Vorzug
vor  der  Variante.
            
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