Title:
Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen
Shelfmark:
XIX/1085.4-6,1909
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1499766280559_1909/167/
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BAUZBITUNG 
Nr. 20 
nannt. — Man beschließt, bis zu dem im Juli stattfinden 
den Stiftungsfeste noch zwei Studienhefte erscheinen zu 
lassen, die vornehmlich zeichnerische Aufnahmen der 
Vereinsmitglieder bringen sollen. Fernerhin übernimmt 
es der Verein, von nun an regelmäßig an den Samstag- 
nacbmittagen und Sonntagen Aufnahmen von hessischen 
Bürgerhäusern zu machen, die später dem Werke; „Das 
deutsche Bürgerhaus“ zur Verfügung gestellt werden 
sollen. — Am Montag, den 10. Mai, besichtigte der Ver 
ein zum zweitenmal das seiner Vollendung entgegen 
sehende städtische Schwimmbad; die Führung lag wieder 
in den Händen des Erbauers, unsers A.H., Stadtbau 
inspektor Buxbaum. M. 
Kleine Mitteilungen 
Württ. Kunstverein Stuttgart. Neu ausgestellt: 
Eine Kollektion Landschaften von Felix Hollenberg; 
Stilleben, Blumen von J. Eberz; Porträte, Studienköpfe, 
Blumen, Stilleben, Landschaften von M. Lautenschlager; 
Kasperltheater von Th. Kleehaas; Porträt von H. Beiß; 
Ruhende Pferde, Zeichnungen von Hugo Naumann; 
Schilfpartie am Bodensee von S. Wiest; Sommer, An der 
Amper von C. Heinisch; Heimkehr von O. Strützel; 
Hohlweg bei Klosters von J. Reiser; Originalholzschnitte, 
Radierungen von H. Neumann u. s. w. 
Zur Altstadtsanierung in Stuttgart. Das Alt 
stadtviertel bietet in seiner Erneuerung ein interessantes 
und wohltuendes Bild. Wo vorher alte, baufällige, ge 
sundheitswidrige Häuser standen, ist jetzt ein schmuckes, 
luftiges Quartier erstanden, das mit seinen charakteristi 
schen Bauten und seinen wohlgegliederten Straßen einen 
vorzüglichen Eindruck macht. Eine bemerkenswerte 
Zierde hat der Geißplatz durch eine originelle, vom Verein 
zur Förderung der Kunst gestiftete Brunnenanlage er 
halten, die am 12. d. M. im Beisein des Stadtvorstands 
und der Mitglieder der bürgerlichen Kollegien eingeweiht 
und der Oeffentlichkeit übergeben wurde. Der Brunnen, 
der eine glückliche plastische Darstellung des Märchens 
Hans im Glück von Bildhauer J. Zeitler, von dem auch 
der bildnerische Schmuck der Häuser am Geißplatz her 
rührt, zeigt, wurde von dem Vorstand des Vereins zur För 
derung der Kunst Oberst z. D. v. Bieber dem Oberbürger 
meister v. Gauß in Hut der Stadt übergeben. 
Der Verband Deutscher Kunstgewerbevereine, 
der zurzeit fast 18 000 Mitglieder zählt, unternimmt am 
17. Juni eine gemeinsame Fahrt nach Stockholm zum 
Besuche der schwedischen Ausstellung. Die Reise ist 
auf eine Dauer von acht Tagen berechnet. Sie führt 
nicht nur nach Stockholm, seiner Ausstellung und seinen 
Sehenswürdigkeiten, sondern auch nach Upsala, Goten 
burg, Trollhättau u. s. w. Die Führung liegt in den 
Händen des Vorortes, des Vereins für Deutsches Kunst 
gewerbe zu Berlin. 
Bauteclmisclie Bundscliau 
Neues Preßputzverfahren. Die Kunst-Plastik- 
Gesellschaft m. b. H., Frankfurt a. M., Zweigniederlassung 
Offenbach a. M., Strahlenbergerslraße 32, veranstaltet in 
ihren Geschäftsräumen daselbst eine Ausstellung der auf 
Grund eines erlassenen Preisausschreibens eingegangenen 
Arbeiten zur Erlangung künstlerischer Entwürfe für die An 
wendung ihrer neuen Erfindung, das „Preßputzverfahren“. 
Die Ausstellung dauert bis 29. Mai. Ueber das Ver 
fahren selbst ist zu sagen, daß die „Preßputzmasse“ wie 
jede andre Verputzmasse auf jeden vorhandenen ünter- 
grundputz aufgetragen werden und vielseitige Verwendung 
sowohl als glatte Wandfläche wie auch als dekorativ 
wirkende Relieffläche nach jedem beliebigen Muster fin 
den kann. In der Ausstellung für Handwerk und Ge 
werbe, Kunst- und Gartenbau in Wiesbaden sind Preß- 
putzarbeiten ausgeführt in der Künstlerkneipe und dem 
Fürstenzimmer des großen Restaurants, in der Ausstel 
lungshalle für kirchliche Kunst, im Gartenpavillon des 
Architekten Hoppe, in der Pumpstation der Ausstellung 
sowie in verschiedenen Privatbauten. —er. 
Bücher 
/opf und Empire von der Wasserkante. Herausgegeben von 
Architekt Karl Zetzsche in Berlin. Verlag von .1. Engelhorn-Stutt- 
gart. 40 Tafeln in Lichtdruck. In Mappe 24 M. Je mehr unsre heutige 
Baukunst sich des Vorherrschens des bürgerlichen Elementes bewußt 
wird, je mehr sie erkennt, daß die Aufgaben unsers Wohnungsbaus 
nicht in der Pormensprache der Palastarchitektur zu lösen sind, desto 
mehr schließt sie sich an die schlichte bürgerliche Kunstweise an, die 
sich um die Wende des achtzehnten Jahrhunderts bereits bei uns 
entwickelt hatte. Sicheres Empfinden für gute Verhältnisse und 
reizvolle Farben, verständnisvolle Wertschätzung handwerklich-tüch 
tiger Ausführung und Freude an maßvollem Zierat ergaben eine 
harmonische Gesamtwirkung, die wir heute mit so viel mehr Mitteln 
nur zu oft vergeblich anstreben. Darin also — ganz abgesehen von 
der äußeren Einzelform — kann die Kunst jener Zeit uns lehrreich 
und vorbildlich sein, und sie wird es bleiben auch in der ungesuchten 
Art, wie sie einfachen Lösungen und bescheidenen Verhältnissen 
doch eine gewisse vornehme Größe zu verleihen wußte. Deshalb 
ist der Versuch, die bürgerlichen Bauten jener Zeit im Zusammen 
hänge zu zeigen und selbständige volkstümliche Betätigungen daran 
nachzuweisen, nicht nur kunstgeschichtlich — mit Rücksicht auf 
die rasch fortschreitende Zerstörung — wertvoll, sondern auch für 
das unsern Bedürfnissen entsprechende Neuschaffen im besten Sinne 
anregend und vorbildlich. — Nach der außerordentlich günstigen 
Aufnahme, welche C. Zetzsches erste, nach diesen Gesichtspunkten 
ausgewählte Sammlung „Zopf und Empire“ aus einigen Städten 
Nord- und Mitteldeutschlands überall gefunden hat, dürfte daher 
die vorliegende neue Folge um so zeitgemäßer und willkommener 
erscheinen, als sie in den überaus mannigfachen Motiven aus Schleswig- 
Holstein und Dänemark durchaus eigenartige und noch nirgends 
veröffentlichte reizvolle Schöpfungen der verschiedensten Art zu 
einem anziehenden und lehrreichen Kulturbilde jener Zeit zusammen 
faßt, das den Geist und den inneren Zusammenhang der Arbeiten 
erkennen läßt. 
Briefkasten 
Antwort auf Anfrage H. W. Bei Einwirkung von Essigsäure 
auf Mauerwerk wird sich bewähren, einen Zementputz aufzubriugen 
mit kräftigem Zusatz Wunnersoher Bitumen-Emulsion, welche gegen 
Essigsäure absolut unempfindlich ist. Eisenträger oder sonstige 
Metallkonstruktion des Gärraumes streichen Sie am zweckmäßigsten 
mit Rubel oder Ruberinemasse, beides säure- und witterungs 
beständige Isolierfabrikate. Die Firma Stephan Vomberg-Stuttgart 
wird Ihnen gerne mit ihrer Erfahrung auf diesem Gebiet dienen. 
Antwort auf Anfrage H. W. Den Gärraum der Essigfabrik 
würden wir Ihnen empfehlen, mit schwarzerSiderosten-Lubrose 
zu streichen, die sich für diesen Zweck vorzüglich bewährt hat. 
Gutachten einer Essigfabrik steht zur Verfügung. 
Gebrüder Simon-Stuttgart. 
Antw r ort auf Anfrage S.-d. Bezeichneter Mißstand zeigt sich 
viel. Bei Außenputz tritt er gerne im Winter oder Frühjahr auf. 
Schuld daran wird wohl sein, daß der zur Verwendung gelangte 
Kalk entweder Kalktonerdesilikate (von verschlacktem Kalk stam 
mend) oder totgelöschte Kalkteilchen enthielt. Ersteres kommt 
mehr bei Schwarzkalk, letzteres mehr bei Weißkalk vor. Wenn 
sich nun auch beim Gipsmörtel der gleiche Uebelstand zeigt, so 
dürfte dies daher kommen, daß zum Rauhweißen Kalkmörtel ver 
wendet , dem erst bei direkter Verarbeitung Gips zugesetzt wurde. 
G. H. 
Anfrage. Sind Lehmböden für Pferdeställe geeignet und wasser 
dicht? Wie werden solche hergestellt und wo sind solche zu 
sehen? L. M. 
Verantwortliche Schriftleitung: Chefredakteur und Herausgeber Adolf Fausel. 
Architekt W, Klatte, beide in Stuttgart, Druck : Deutscheverlags-Anstalt in Stuttgart.
        

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