Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1909)

12. Juni 1909 
BAUZEITUNG 
187 
Erolzheim Alte Kirche 
Verhältnisse abzielen und vorhandene Mißstände beseitigen, 
allerseits lebhafte Zustimmung finden. Insbeson 
dere sind solche Ratschläge, die den Bewohnern sanitäre 
Vorteile bieten, gewiß jedem willkommen, dem das all 
gemeine Wohl am Herzen liegt. 
Es sei mir gestattet, hier nur auf einige Mißstände 
hinzuweisen, die uns fast täglich begegnen und deren 
Beseitigung einer Wohnungsinspektion entweder durch 
Aufklärung oder durch zeitgemäße Anordnungen nicht 
schwerfallen dürfte. 
1. Eine Belästigung, die hier in den meisten Wohn 
häusern an bestimmten Tagen schon beim Eintritt in 
dieselben uns unangenehm auffällt, ist der Waschküchen 
dampf, der, in der Kegel durch das Treppenhaus auf 
steigend, sich in allen übereinander liegenden Wohnungen 
fühlbar macht, aber auch in den verkehrsreichsten Straßen 
der Stadt tritt uns dieser widerliche Wäschegeruch häufig 
entgegen. Daß eine solche mangelhafte Einrichtung ge 
duldet wird, ist zu bedauern, merkwürdig ist aber, daß mit 
Rücksicht auf die Gebäude selbst nicht für eine ge 
nügende Waschküchenventilation gesorgt wird, weil doch 
der in einer Waschküche sich entwickelnde Wasserdampf 
nicht nur für die Bewohner ekelhaft, sondern ganz be 
sonders für die Souterrainräume, den Decken- und Wand 
putz, für die Eisenträger und Fensterrahmen direkt 
schädlich ist. Bei einer guten Ventilation dagegen, deren 
Kosten nur wenige Mark betragen, kannein Raum 
von ca. 60 cbm innerhalb 6—8 Minuten ohne irgend 
welchen sonstigen Nachteil entlüftet werden. 
2. Schon häufig hat man in den Tagesblättern ver 
schiedene Ansichten über Behandlung unsrer Dienstboten 
gelesen. Ein wenn auch sehr naheliegender Punkt ist 
aber hierbei nicht zur Sprache gekommen, nämlich die 
Schlaf räume unsrer Dienstboten unter Dach. Die 
Größe derselben beschränkt sich in den meisten Fällen 
auf ein Minimum, in neueren Häusern beträgt deren 
Breite 1,85—1,90 m bei der üblichen Tiefe von 3—4,5 m. 
Was aber die Beleuchtung und Lüftung dieser Schlaf 
kammern betrifft, so ist die letztere bei der häufigen 
Verwendung von liegenden Dachfenstern, die bei 
Regenwetter ein Lüften überhaupt ausschließen, un 
genügend; daß aber dadurch das Ungeziefer geradezu 
gezüchtet wird, ist leicht einzusehen. Wenn nun auch 
bei gutem Wetter dieses Klappfenster aufgestellt 
werden kann, so ist ein regelrechter Durchzug nicht 
möglich, weil die Zugangstüre geschlossen sein muß. Ist 
aber eine solche Kammer nach Süden gelegen, so daß 
den ganzen Tag die Sonne nahezu senkrecht auf das 
Fenster bzw. in die Kammer einwirken kann, dann 
wird sich in derselben bis zum Abend eine Hitze ent 
wickeln, die ein richtiges Ausruhen und Schlafen un 
möglich macht. 
Nach der Münchner Bauordnung (§45) sind 
diese Räume sowohl in den Umfassungswän 
den als auch in der Deckenfläche gegen die 
Einflüsse der Außentemparatur zu isolieren. 
Was also die Fenster betrifft, so sollten in neu zu er 
stellenden Bauten für alle Schlafräume unter 
Dach nur aufrechte Fenster zugelassen, und in bereits 
bestehenden Häusern die Ausführung von Dachläden mit 
senkrechten Fenstern veranlaßt werden. Vor 
bildlich hierzu sind nicht nur die neuesten Ausführungen, 
welche gerade durch diese Dachläden ein malerisches 
Aussehen erhielten, sondern Beispiele haben wir eine 
Menge an den alten und ältesten Gebäuden der Stadt, 
an denen nur aufrechtstehende Dachfenster 
anzutreffen sind. 
3. Bei warmer Witterung oder auch bei Wetterver- 
änderung kommt es häufig vor, daß beim Anheizen des 
Herdes, des Bügelofens oder des Waschkessels die Küche 
und die Wohnung mit Rauch angefüllt werden, ja daß 
mitunter in den sämtlichen übereinander liegenden Woh 
nungen aus den Heizrohren Rauch in die Zimmer ein 
strömt und den Aufenthalt darin zeitweise unmöglich 
macht. Fragt man nach der Ursache, so erhält man 
sogar von technischer Seite die mindestens unerfreuliche 
Antwort; „Da ist nichts zu machen, die Sonne scheint 
in den Kamin!“ Man läßt sich also diese sehr häufige 
Belästigung gefallen, weil man nicht weiß, daß nur dann 
ein regelrechter Abzug der Heizgase nach oben ein- 
treten kann, wenn zuvor die im Kamin befind 
liche, der Außenluft gegenüber kältere und schwe 
rere Luft nach unten abgezogen ist. 
Zur Vermeidung dieses Uebelstandes wäre es zweck 
mäßig, anstatt nur eines großen Kamines mehrere 
kleinere mit verhältnismäßig geringerem Querschnitt 
auszuführen, wie dies in vielen andern großen Städten 
üblich ist.
	        

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