Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1909)

Mauerturm mit Harmonie 
Was die Baukosten dieser Kamine betrifft, so ist zu 
bemerken, daß zum Beispiel für sechs übereinanderliegende 
Küchenfeuerungen 1500 qcm Kaminquerscbnitt nötig 
sind. Will mau hieftir nur 1 Kamin ausfübren, so muß 
derselbe 35/45 cm Licbtweite haben, für 2 Kamine sind 
25/30 cm und für 3 Kamine je 20/25 cm Lichtweite 
bezüglichen Kosten auf 215, 240 und 270 M. berechnen, 
so beträgt die Differenz nicht über 3 6 bzw. 66 M. 
Diese geringen Mehrkosten dürften einer zweckmäßigeren 
Kaminverteilung gegenüber kaum in Betracht kommen. 
In der Münchner Bauordnung § 24 heißt es be 
züglich der Weite bei unbesteigbaren Kaminen; „Solche 
Kamine müssen im Querschnitt mit einer Lichtweite 
von 0,18, 0,22 oder 0,30 m hergestellt werden, und es 
dürfen in diese nicht mehr wie 2, 3 bzw. 5 Feuerrohre 
einmünden. “ 
Yon Feuerungen in Untergeschossen, die zu jeder 
Jahreszeit benutzt werden müssen, wie inWerkstätten, 
Bügelzimmern u. s. w., sollten die Heizgase niemals 
in Kamine eingeleitet werden dürfen, die sonst 
ausschließlich für die Zimmerheizung dienen, 
weil bei schlechtem Zug und unrichtiger Be 
handlung der Bauch in die darüber befindlichen Woh 
nungen eindringen kann. Auch sollten Kamine von 
größerem Querschnitt einen den Zug befördernden Ka 
minabschluß erhalten. 
4. Eine besonders schwere Belästigung, die aber 
auch nur zeitweise und hauptsächlich in den Unter 
geschossen auftritt, hat ihre Ursache in den nicht- 
ventilierten Senkgruben. Vielfach hört man 
darüber klagen, daß die Grubengase in 
die Wohnungen eindringen, dieselben 
verpesten, die Gesundheit der Bewohner 
schädigen und den Aufenthalt in diesen 
Bäumen erschweren oder nahezu unmöglich 
machen. 
Hilfesuchende werden damit getröstet, 
daß eine Verbesserung nicht möglich sei und 
daß die Erscheinung mit der Witterung 
Zusammenhänge. Vor nicht langer Zeit wurde 
im Briefkasten einer Tageszeitung auf eine 
diesbezügliche Anfrage „peinliche Beinlich- 
keit“ empfohlen, und doch wie einfach wäre 
hier invielenFällen ganz oder teilweise 
abzuhelfen! 
Man sollte glauben, daß in einer großen 
Stadt, deren Luft häufig durch Staub, 
Bauch u. s. w. schon genügend verdorben ist, 
alle Mittel versucht würden, die Woh 
nungen vor dem Eindringen solch 
giftiger Gase zu schützen. Hier ist 
dringende Abhilfe nötig. 
Im Ortsbaustatut (§ 31—41) sind Vor 
schriften über Dunstrohren aus Metall- 
blech, Yentilationsklappen und 
andre den Zug befördernde Ein 
richtungen enthalten. Nur schade, daß 
dieselben gerade dann versagen, wenn sie 
in Tätigkeit treten sollen. Hier sollte aus 
sanitären Bücksichten wenigstens eine zeit 
weilige wirksame Grubenentlüftung 
eintreten können, damit die Gase nicht mehr 
in die Wohnungen hineingepreßt werden. 
Eine in dieser Beziehung sicher wirkende 
Einrichtung sollte in alten, neuen und 
neu zu erbauenden Wohnhäusern von 
maßgebender Seite angestrebt werden; denn 
wollte man zuwarten, bis in sämtlichen Bauten 
die Kläranlagen durchgeführt wären, so 
hätte die jetzige Generation wohl wenig 
Vorteil davon. 
Wenn bei Ausarbeitung des neuen Ortsbaustatuts 
vorstehende Punkte in Erwägung gezogen würden, wenn 
insbesondere der Landeswohnungsinspektor auf die Aus 
führung dieser Vorschläge dringen würde, so wäre der 
Zweck dieser Zeilen erfüllt. 
Stuttgart, den 1. Juni 1909. 
Die Neue Bauordnung in der Ersten 
Kammer 
(Schluß aus Nr. 23.) 
Art. 29 f. 
(Abs. 1.) „Auf Einzelwohnsitze und solche ländliche 
Orte (Art. 84 a), wo durch die herkömmliche oder durch 
Ortsbausatzung vorgeschriebene weiträumige Bauweise 
Gewähr für genügenden Licht- und Luftzutritt besteht, 
finden die Vorschriften der Art. 29 b bis e, insoweit es 
sich um Gebäude handelt, die vorwiegend landwirtschaft 
lichen Zwecken dienen, keine Anwendung. 
(Abs. 2.) In Ortsteilen, die vorzugsweise für An 
lagen der in den §§ 16, 24 und 27 der Gewerbeordnung 
erwähnten Art dienen sollen (Industrievierteln) sowie für 
Gebäude, die vorwiegend geschäftlichen Zwecken dienen, 
können durch Ortsbausatzung und, soweit eine solche 
nicht besteht, von der Baupolizeibehörde (vgl. auch 
Art. 71), auch wenn die Voraussetzungen der Abs. 1 
und 2 des Art. 29 e nicht zutreffen, Milderungen der in 
Art. 29 b, c und d erteilten Vorschriften im einzelnen 
Fall insoweit zugelassen werden, als dies durch die Eigen 
art der gewerblichen Anlagen geboten und mit der Wah-
	        

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