Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1909)

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BAÜZBITUNÖ 
Nr. 25 
man am besten einen trockenen Stroh- oder Hobelspan- 
wiscb an und legt denselben in die Putzöffnung. 
ad 4. Was die Verpestung durch Grubengase be 
trifft, so möchte ich dafür bei der jetzigen Gelegenheit 
dem Wohnungsinspektor empfehlen, für eine gründliche 
Wasserversorgung zu sorgen, damit Stuttgart endlich 
Wasserklosette erhält und das Wasser nicht mehr als 
Luxusartikel angesehen wird, sondern in Hülle und Fülle 
vorhanden ist. Die Grubenventilation ist längst vor 
handen, und was die vorgeschlagene zeitweilig wir 
kende Grubenentlüftung bezwecken soll, ist unverständlich. 
Also auch hierfür brauchen die Stuttgarter Architekten 
und Werkmeister, ebenso wie die Hausbesitzer keine Rat 
schläge eines Wohnungsinspektors. 
Wenn ein solcher in dieser vorgeschlagenen Weise 
arbeiten sollte, dann könnte einem der Hausbesitz noch 
mehr entleiden. Es kauft ja heute schon niemand mehr 
ein Haus, wenn er nicht muß. G. R. 
Die Neue Bauordnung in der Ersten 
Kammer 
IV. 
ZumAbschnitt über die polizeilichen Bestim 
mungen für die einzelnen Bauten. 
Beim ersten Kapitel soll der Art. 17 erwähnt 
werden; nachdem die Bauordnung auch ästhetische Inter 
essen zu wahren hat, erscheint es angezeigt, ausdrücklich 
festzustellen, daß Terrainveränderungen, soweit dieselben 
nicht durch die Anlegung von Verkehrswegen nötig sind, 
als Bauten im Sinne des Gesetzes gelten. Ebenso gelten 
sollten Gasbehälter und ähnliche dominierende Bauwesen; 
es könnte sonst der Art. 63 in praxi gerade da versagen, 
wo er am nötigsten angewendet werden sollte. 
Das zweite und für den Techniker das wichtigste 
Kapitel handelt von der Stellung und Lage der Bauten 
und von ihrem Verhältnis zu den Straßen und benach 
barten Gebäuden und Grundstücken. 
Als beim Bekanutwerden des Regierungsentwurfes 
die Frage auftauchte, ob eine Trennung zwischen Stadt 
und Land angezeigt wäre, wurde dieselbe allgemein ver 
neint. Und weshalb? Weil der Regierungsentwurf den 
beim Unterschied zwischen Stadt und Land in Betracht 
kommenden Vorschriften die größtmögliche Freiheit über 
läßt. Die wichtige Fi'age der Regelung der Baudichte 
soll nach demselben der Verordnung und den Orts 
satzungen zukommen, mit allgemeinen, für alle Zeiten 
geltenden Bedingungen. Dieser Weg der Regierung fand 
in maßgebenden Kreisen fast ungeteilte Billigung. Nun 
aber ist bereits die Zweite Kammer von demselben ab 
gewichen, und die diesbezüglichen Beschlüsse der Ersten 
Kammer bedeuten gerade das Gegenteil, denn dieselben 
stellen detaillierte, einheitliche Vorschriften über die Bau 
dichtigkeit auf. Nach diesen darf das entlegenste Fleck 
chen Erde in Oberschwaben oder auf der Alb ebenso 
bebaut werden wie die großen Städte. Und da den Orts 
satzungen bezüglich der Baudichtigkeit nur Verschärfungen 
erlaubt sind, Satzungen aber naturgemäß nur in größeren 
Städten und Gemeinden aufgestellt werden, so ergibt 
sich wieder der gleiche beklagenswerte Zustand wie bei 
der alten Bauordnung: es darf eben dort, wo eine weit 
räumige Bauweise aus ästhetischen, sittlichen und wirt 
schaftlichen Gründen angezeigt ist, enger und höher ge 
baut werden als da, wo das öffentliche Verwaltungs 
system und die vielseitigen Bedürfnisse überhaupt für 
eine engere Bauweise sprechen. 
Die Frage, ob die Bauordnung die Baudichtigkeit 
grundsätzlich regeln muß, soll nicht verneint werden; 
keinesfalls aber darf dieselbe bezüglich der Maßbestim 
mung den in dieser Beziehung überaus wichtigen Orts 
satzungen hemmende Beschränkungen auferlegen, denn 
die Satzungen erst werden die Baudichtigkeit entsprechend 
dem Regierungsentwurf in gerechter Weise regeln können. 
Bei diesen erst kann „auf die verschiedenartigen ört 
lichen Verhältnisse, auf den Unterschied zwischen Stadt und 
Land, zwischen alten, eng bebauten und neuen Orts 
teilen, auf die Bedürfnisse von Landwirtschaft und Ge 
werbe, auf das Wohnungsbedürfnis, insbesondere der 
Minderbemittelten, und auf die Wertverhältnisse der Bau 
grundstücke angemessene Rücksicht genommen werden“. 
Es entspricht einem natürlichen Bedürfnis, daß an 
den Knotenpunkten des Verkehrs und dort, wo In 
dustrie sich entwickeln kann, enger gebaut wird als auf 
dem flachen Lande. Es wäre geradezu widernatürlich, 
dort die Möglichkeit zu nehmen, hohe Häuser zu bauen, 
zumal unsre Technik gerade in den bahnbrechenden 
Ländern den vertikalen Verkehrswegen die allergrößte 
Bedeutung beimißt, und zwar nicht allein aus wirtschaft 
lichen Gründen. Umgekehrt ist es aber auch nicht 
wünschenswert, daß in den äußeren Bauquartieren und 
auf dem Lande überhaupt die Mietskasernen geradezu 
gezüchtet werden, wie dies bei Aufstellung gleicher, all 
gemein geltender Vorschriften, dem rühmlich sich be 
währten Nachahmungstriebe gehorchend, nicht anders zu 
erwarten ist. Aufgabe einer Bauordnung wird es des 
halb sein, die ßaudichte nicht nach einem allgemeinen 
Schema zu regeln, sondern die Vorschriften staffelartig, 
entsprechend dem Ansiedelungsbedürfnis aufzustellen. 
Ob es dabei richtiger ist, kurzweg entsprechende Ver 
hältnisse zwischen Bauvolumen und lichtgebender Fläche 
aufzustellen oder aber ganz detaillierte Abstandsraaße 
zu geben, ist eine Frage, die heute nicht beantwortet 
werden soll. 
In den nächsten Nummern werden die für die Bau 
dichtigkeit besonders wichtigen Art. 25 und 29 im 
besonderen behandelt. Max Mueller. 
Y ereinsuütteilungen 
Wiirtt. Baubeamten-Verein. Einladung des Aus 
schusses zu einer Sitzung am Sonntag, 4. Juli d. J., 
vormittags 10 Uhr, im Vereinszimmer, Gesellschaftsbaus 
der „Bauhütte“, Büchsenstraße 53, I. Stock, in Stuttgart. 
Um 12 1 / 2 Uhr findet ein gemeinschaftliches Mittagessen 
statt, dem sich die Besichtigung einiger Neubauten an 
schließt, wozu auch die übrigen Vereinsmitglieder herz 
lich eingeladen sind. 
Wettbewerbe 
Baulinieuplau des Stadtbezirks St. Nikola- 
Passau. Ein Wettbewerb um Entwürfe wird mit Frist 
zum 1. September d. J. ausgeschrieben. Drei Preise 
von 1200, 800 und 500 M. sind ausgesetzt. Dem neun- 
gliedrigen Preisgericht gehören an: Städt. Bauamtmann 
Bertsch-Mtinchen, Städt. Baurat Flintsch-Passau, Städt. 
Baurat Grässel-München, Kgl. Professor Hocheder-Mün- 
chen und Städt. Oberbaurat Weber-Nürnberg. Die Unter 
lagen für den Wettbewerb sind vom Stadtbauamte in 
Passau gegen postfreie Einsendung von 4 M. zu beziehen, 
welcher Betrag bei Einsendung eines Entwurfs rückver 
gütet wird. 
Kleine Mitteilungen 
Württ. Kunstverein Stuttgart. Neu ausgestellt: 
Düsterer Abend, Sommer, Reifmorgen, Nachtanfang, 
Mondsichel, Stilleben von Gust. Kampmann; fünf Por 
träte , ein Blumenstück von S. Probst; Seidenpinscher, 
Zwergpinscher von H. Rau - Grünzweig; Wiesenbach, 
Torweg (farbige Zeichnungen) von G. Schäfer; Es ist 
vollbracht! (Cbristusbüste in Untersberger Marmor) von 
Fritz P. Zimmer u. s. w.
	        

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