Title:
Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen
Shelfmark:
XIX/1085.4-6,1909
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1499766280559_1909/207/
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BAUZEITUNG 
Nr. 25 
Grad eines Diplom-Ingenieurs erlangt; er hat seine tech 
nische Ausbildung vielmehr auf dem Technikum Winter 
thur und dem Privattechnikum Mittweida erhalten. Auf 
Grund dieser Vorbildung hat der Angeklagte in Reklamen, 
Briefumschlägen und Briefköpfen, die er an weitere 
Personenkreise versandt hat, seiner Firma den Zusatz: 
Diplom-Ingenieur“ beigefügt. In der Verhandlung be 
hauptete nun der Angeklagte unwidersprochen, die Be 
zeichnung ,Diplom-Ingenieur“ sei ohne sein Wissen und 
seinen Willen durch Versehen des Druckers für den im 
Konzept enthaltenen Ausdruck ,Diplom. Ingenieur“, das 
die Abkürzung von ,diplomierter Ingenieur“ bedeute, ge 
setzt worden. Er habe den Irrtum später bemerkt und 
den Auftrag zurückgezogen. Trotz dieser ,Aufklärung“ 
betrachtete das Gericht den Tatbestand für die Anwen 
dung des § 4 des Gesetzes über den unlauteren Wett 
bewerb vom 27. Mai 1896 als gegeben und betrachtete 
die Handlung des Angeklagten als eine wissentlich un 
wahre und zur Irreführung geeignete Angabe tatsäch 
licher Art über den Besitz von Auszeichnungen. Der 
Angeklagte mußte demgemäß bestraft werden.“ So kann 
man mit Sicherheit erwarten, daß durch die Kölner Ent 
scheidung auch in den Kreisen der zunächst Interessierten 
die Erkenntnis von Inhalt und Umfang des Schutzes der 
Bezeichnung „Diplom-Ingenieur“ (Dipl. Ing.) um sich 
greift. Strafe trifft aber nicht nur den unbefugten 
Träger einer täuschenden Bezeichnung; strafbar machen 
sich darüber hinaus auch diejenigen, die den Betreffen 
den zur Führung einer solchen Bezeichnung aufmuntern 
oder dessen Namen mit der täuschenden Bezeichnung 
verbreiten. Hierfür kämen in Betracht einerseits die In 
haber privater technischer Fachschulen, deren Zeugnisse 
derartige Irrtümer ermöglichen, und anderseits die Drucker 
oder Verbreiter von Anzeigen, Zirkularen und ähnlichen 
Erzeugnissen der Presse, in denen eine Person, die nicht 
Diplom-Ingenieur ist, sich als solche bezeichnet, sofern 
die Genannten den Druck oder die Verbreitung der An 
zeigen, „Mitgliederverzeichnisse“ u. s. w. in Kenntnis des 
wahren Sachverhalts vorgenommen, veranlaßt oder be 
fördert haben. 
Personalien 
Württemberg. Erteilt: der Grad eines Diplom-Inge 
nieurs auf Grund der mit Erfolg an der K. Technischen Hoch 
schule abgelegten Diplomhauptprüfung den nachgenannten Kandi 
daten: 1. für Architekt en: P. Amstein-Wigoltingen, Schweiz, 
O. Bengel-Bietigheim a. E., R. Bostel-Göppingen, 0. Bruder-Heims- 
heim, A. Daiber-Böhlingen, E. Eger-Stuttgart, E. Ehmann-Stuttgart, 
K. Emmerling-Leipzig, W. Eyohmüller-Ulm, G. Feßler-Aulendorf, 
P. Fischer-Colmar i. B., G. Gonser-Onstmettingen, H. Hieber-Stutt- 
gart, Th. Holtzschue-Stuttgart, K. Jacoby-Salzwedel, Prov. Sachsen, 
R. Ihle-Stuttgart, H. Keuerleber-Stuttgart, P. Klein-Odessa, A. Kör 
ner-Stuttgart, K. Lederer-Hall, R. Lempp-Oberiflingen, H. Melber- 
Eßlingen, K. Menzel - Ludwigsburg, F. Moosbrugger - Heilbronn, 
E. Ookert-Stuttgart, 0. Oßwald-Münsingen, H. Riethmüller-Dürr 
wangen, W. Rist-Stuttgart, Th. Roth-Stuttgart-Berg, P. Schäfer- 
Zuffenhausen, B. Sohäffer-Schwäb. Gmünd, B. Sohnell-Biberach a. R., 
G. Schönweiler-Riedlingen, K. Schröder-Heidelberg, H. Schubert- 
Stuttgart, A. Seifried-Deizisau, E. Sontheimer-Tübingen, W. Stieglitz- 
Stuttgart, Th. Streich-Eßlingen, K. Vogl-Kempten, K. Weiß-Stutt 
gart, F. Wibel-Leutkirch; 2. für Bauin ge n i eure: K. Allinger- 
Göppingen, B. Daur-Münsingen, O. Dorner-Merklingen, 0. Eitel- 
Plochingen, R. Friederioh-Ebingen, Th. Golder-Stuttgart, B. Götz- 
Rottweil, H. Habermaas-Stuttgart, 0. Hoffmann-Zeitz, B. Klett- 
Cannstatt, A. Kugler-Wittershausen, OA. Sulz, R. Kurz-Möglingen, 
F. Lohe-Ulm, K. Neunhöffer-Künzelsau, E. Schmid- Ofterdingen, 
F. Schmid - Helfenberg, H. Schöner - Gelnhausen , Reg.-Bez. Kassel, 
F. Schweizer-Eßlingen, G. Seibold-Geradstetten , A. Sihler-Neckar- 
sulm, 0. Staudenmeyer-Calw, 0. Stäbler-Eningen, A. Strobel-Heiden 
heim, G. v. Timroth-Helsingfors, G. Traub-Stuttgart, P. Waldmann- 
Tiefenbaoh, OA. Crailsheim, F. Weinbrenner-Nürtingen, M. Weit 
brecht-Unterregenbaoh, OA. Gerabronn , F. Wolfinger-Eßlingen, 
E. Zaiser-Stuttgart, G. Zinser-Süßen. 
Baden. Versetzt: der Regierungsbaumeister J. Sch m i 11 
bei der Maschineninspektion Freiburg zur Maschineninspektion 
Mannheim. 
Hessen. Verliehen: dem Architekten J. Harre s-Darmstadt 
das Ritterkreuz zweiter Klasse des Verdienstordens Philipps des 
Großmütigen. 
Elsaß-Lothringen. Uebertragen: dem Ober- und Geheimen 
Baurat v. B o s e die Stelle eines Ahteilungsvorstandes in der Ge 
neraldirektion der Eisenbahnen in Elsaß-Lothringen in Straßburg. 
Ernannt: der Eisenbahn-Bau- und Betriebsinspektor Reiffen 
in Straßburg zum Regierungs- und Baurat und Mitglied der General 
direktion. 
Bücher 
Dr. Fritz Schider, Plastisch - anatomischer Handatlas, für 
Akademien, Kunstschulen und zum Selbstunterricht, 117 Tafeln und 
Text, dritte Auflage. Herausgeber Dr. Max Auerbach, Kustos 
am Großh. Naturalienkabinett und Privatdozent an der Technischen 
Hochschule in Karlsruhe, Mitarbeiter Prof. Dr. Franz v. Stuck in 
München. Leipzig 1909, Verlag Seemann & Co. Preis geh. 16 M. 
Die einwandfreie Darstellung des nackten menschlichen Körpers 
ist und bleibt eine der schwierigen Aufgaben jedes Künstlers. Da 
durch wird auch eine große Zahl von Werken verständlich, die be 
strebt sind, mit einem typischen Anschauungsmaterial die Hebungen 
am Aktmodell zu unterstützen. Wenige dieser Veröffentlichungen 
dürfen auf einen Erfolg zurüokhlicken, wie er dem plastisch-anato 
mischen Handatlas Schiders vergönnt war: erscheint doch jetzt bereits 
eine dritte Auflage. Zuerst in großem Maßstabe als Plastisch-anato 
mische Studien veröffentlicht, trugen die Tafeln dem Verfasser den 
Ehrendoktortitel der Universität Basel ein; ihr Erfolg steigerte 
sich in ungeahnter Weise, als die Arbeit in handlichem Formate zu 
mäßigem Preise der Allgemeinheit übergeben werden konnte. An 
Stelle des nunmehr verstorbenen Verfassers hat einer seiner früheren 
Schüler, Privatdozent Dr. Max Auerbach, das Werk für die dritte, 
neue Auflage umgearheitet, wodurch in erster Linie die Anatomie des 
Weibes und des Kindes die gebührende Berücksichtigung gefunden 
hat. Außerdem steuerte der bekannte Münchner Maler Franz 
v. Stuck eine Anzahl seiner Originalaktstudien hei. Damit dürfte 
das Werk eine einzigartige Bereicherung erfahren haben, die es 
neben dem kurzen klaren, nur das Nötigste berücksichtigenden Texte 
und der Auswahl des stofflichen Inhalts, der nur das plastisch 
anatomisch Wichtige hervorhebt, aufs vorteilhafteste von allen ähn 
lichen Veröffentlichungen unterscheidet. Daneben weist aber auch 
die neue, dritte Auflage seihst gegenüber ihren Vorgängerinnen 
manche Veränderung auf. Der weiblichen und der Kindesanatomie 
wurde bereits gedacht, doch verdient auch die eingehende Darstel 
lung der Proportionslehre sowie die sinngemäße Zusammenlegung 
der Tafeln hervorgehoben zu werden. Durch die Verwendung ein 
wandfreier Photographien überall da, wo es sich um objektive Wieder 
gabe des Körpers, seiner einzelnen Teile und der Körperflächen 
handelt, weiter durch Umzeiohnung einer großen Zahl von Be 
wegungsstudien der Muskulatur sowie durch die Nebeneinander- 
Stellung von Aufnahmen männlicher und weiblicher Körper in ver 
schiedenen Ansichten zum direkten Vergleich war der neue Heraus 
geber bestrebt, den Inhalt des „Schider“ für seine Zwecke noch 
brauchbarer und anregender zu gestalten. Die Künstlerwelt wird 
ihm hierfür Dank wissen, denn ihr ist wieder ein Werk in die 
Hand gegeben worden, das sich tatsächlich jedem bildenden Künstler 
unentbehrlich machen wird. Der Preis von 16 M. ist im Hinblick 
auf die durchgreifende Umgestaltung des Atlas und seine prächtige 
Ausstattung ein sehr wohlfeiler, er wird der neuen Auflage des be 
währten Buches auch in den Kreisen der Studierenden wieder den 
Weg zum Erfolg ebnen. 
Briefkasten 
Anfrage. Wie kann der Dampfabzug bei einer Waschküche, 
die nur auf einer Seite Fenster hat, gefördert werden? W.Z. 
Verantwortliche Schriftleitung: Chefredakteur und Herausgeber Adolf Fausel. 
Architekt W. Klatte, beide in Stuttgart. Druck : DeutscheVerlags-Anstalt in Stuttgart.
        

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