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26. Juni 1909
BAUZBITONG
Motto:
beträgt jetzt 1309 362 M. Der nächste Punkt
der Tagesordnung betraf die Verleihung der
goldenen Grashof-Denkmünze. Der Vorsitzende
machte die Mitteilung, daß der Vorstand des
Vereins im Einvernehmen mit dem Inhaber
beschlossen habe, diese höchste Auszeichnung
des Vereins dem durch seine Strahlapparaterfindung
wohlbekannten Dr.-Ing. Ernst Körting-Hannover
als Auszeichnung für seine
hervorragenden Verdienste um die Förderung
der Technik zu verleihen. Die Versammlung
gab ihrer Zustimmung zu diesem Beschluß
durch lebhafte Beifallskundgebungen Ausdruck.
Es folgten nun Vorträge des Geb. Regierungsrats
Dr.-Ing. H. Muthesius-Berlin und des Bahninspektors
Dr.-Ing. H. Jordan-Straßburg i. E.
über die ästhetische Ausbildung von Ingenieurbauten.
Wir werden auf die bemerkenswerten
Ausführungen des näheren zurückkommen.
Der zweite Sitzungstag war vormittags der Erledigung
geschäftlicher Arbeiten gewidmet. Da nach dem Bericht
des Vorstandes keine Möglichkeit mehr vorliegt, das
früher mit großen finanziellen Opfern begonnene Werk
des Technolexikons zu vollenden, so werden die Arbeiten
vollständig eingestellt. Eine von dem verstorbenen
Vereinsdirektor begonnene Geschichte des Vereins deutscher
Ingenieure soll im Druck herausgegeben werden. Die
Hochschulvorträge und Uebungskurse für Ingenieure der
Praxis und Lehrer technischer Mittelschulen wird man
im Frühjahr 1910 an der Technischen Hochschule in
Braunschweig wiederholen und diese Kurse auch an
andern Hochschulen einzuführen bemüht sein. Von allgemeinem
Interesse ist die vom Verein beschlossene
Herausgabe eines Jahrbuches für die Geschichte der
Technik -und Industrie. Seine besondere Aufmerksamkeit
widmet der Verein schon seit Jahren der Ausbildung
von Ingenieuren für den höheren Verwaltungsdienst.
Es soll insbesondere allen Studierenden der
technischen Hochschulen die Möglichkeit geboten werden,
ein gewisses Maß staatswissenschaftlicher und verwaltungstechnischer
Kenntnisse ohne Verlängerung ihrer Studienzeit
zu erwerben. Der Verein will zur Erschließung der
Verwaltungslaufbahn für entsprechend vorgebildete Ingenieure
begründete Eingaben an die zuständigen Behörden
richten und namentlich auch auf eine aus der
Mitte der Hauptversammlung gegebene Anregung hin an
den vor kurzem für die Beratung der Verwaltungsreform
in Preußen berufenen Ausschuß herantreten und die maßgebende
Presse für seine Bestrebungen interessieren. Für
die Hilfskasse für deutsche Ingenieure sind
infolge eines Aufrufs über 12 000 M. neu eingegangen.
Im Anschluß an die Verhandlungen
fand am Nachmittag in der Stadthalle zu
Mainz ein Festmahl statt.
Die dritte Sitzung fand in Mainz statt.
Aus den Beschlüssen ist folgendes hervorzuheben.
Für die Errichtung einer Geschäftsstelle
des Vereins auf der Weltausteilung
in Brüssel 1910 und die geplante Ausstellung
von Ingenieurwerken wurde ein Betrag
bis zu 30 000 M. bewilligt. Die nächstjährige
Hauptversammlung soll in Danzig
abgehalten werden, zugleich wurde beschlossen,
daß der Verein einen korporativen Ausflug
nach der Brüsseler Weltausstellung im Sommer
nächsten Jahres veranstaltet. Für die vom
Verein zu errichtende Geschäftsstelle wurden
15000 M. bewilligt. Dem Internationalen
Institut für Technobibliographie wird ein jährlicher
Zuschuß von 3000 M. gewährt und der
Göttinger Vereinigung für angewandte Physik
ein Jahresbeitrag von 1000 M. Schließlich
,Traumulus“ III. Preis
Architekten Ad, Mössinger und Otto Häcker-Stuttgart
wurde der Haushaltsplan für 1909 genehmigt, der rechnungsmäßig
einen Ueberschuß von 26 000 M. ergibt. Den
ersten Vortrag des heutigen Tages hielt Prof. Dr. Prandtl-Göttingen
über Modellversuche für die Zwecke der
Luftschiffahrt und Plugtechnik. Die Modellversuche
sind von großer Wichtigkeit für die Bestimmung
des Widerstandes von Luftschiff körpern und für die
günstigste Formgebung, für die Ermittlung der Tragfähigkeit
von Flächen und Flächensystemen sowie für das Studium
der Antriebsvorrichtungen und der Steuerungsmitte].
Redner erklärte an der Hand zahlreicher Lichtbilder die
Einrichtungen der aus Mitteln der Motorluftschiff-Studiengesellschaft
in Göttingen erbauten Versuchsanstalt. Der
zweite Vortrag über Pahrzeugmaschinen für flüssigen
Brennstoff wurde von Ingenieur Heller-Berlin
gehalten. Redner führte an der Gegenüberstellung von alten
und neuen Typen von Automobilen und Fahrrädern den
Nachweis, daß der größte Teil des für den Entwurf einer
modernen Fahrzeugmaschine notwendigen Materials auf
die im Sport gesammelten Erfahrungen zurückzuführen ist.
Zum Schluß feierte Redner unter dem Beifall der Versammlung
das Andenken Gottlieb Daimlers.
Die übrige Zeit der Tagung war Besuchen von technischen
Anlagen und Industriewerken sowie Ausflügen
gewidmet. Am Donnerstag unternahm der Verein eine
Pestfahrt auf dem Rhein zur Lorelei, am Freitag wurde
die Technische Hochschule in Darmstadt besichtigt und
am Samstag schloß ein Besuch der Hüttenwerke in Neunkirchen,
Burbach und Völklingen die an neuen und bedeutsamen
Anregungen reiche Hauptversammlung. —1.