Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1909)

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Nr. 27 
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satze des daraus entstehenden Schadens verpflichtet. “ 
Ferner sei hier auch § 367 des Beichsstrafgesetzbuches 
heranzuziehen, nach welchem mit Geldstrafe bis 150 M. 
oder mit Haft derjenige bestraft wird, der Bauten oder 
Ausbesserungen von Gebäuden, Brunnen, Brücken, Schleu 
sen oder andern Bauwerken vornimmt, ohne die von der 
Polizei angeordneten oder sonst erforderlichen Sicherungs 
maßregeln zu treffen. Im Sinne dieser Vorschrift sei auch 
der Abbruch eines Gebäudes als Bauausführung zu be 
trachten; und diese Bestimmungen des Gesetzes bezeichnen 
nicht nur den Schutz des Publikums, sondern auch den 
Schutz des Eigentums gegen die durch die Arbeiten ent 
stehenden Gefahren. Ha nun der Beklagte schon jetzt 
erklärt habe, daß er Schutzmaßregeln nicht treffen wolle, 
so sei der Kläger berechtigt, vom Gericht die Feststellung 
zu verlangen, daß der Beklagte die erforderlichen Schutz 
maßregeln treffen müsse. Die Zurückweisung der Klage 
an die Vorinstanz erfolge nun zu dem Zwecke, dem 
Kläger Gelegenheit zu geben, seine bezüglichen Anträge 
zu formulieren. 
Aus dieser Beichsgerichtsentscheidung kann man nur 
entnehmen, daß sich die Bechtsprechung hei Errichtung 
eines Gebäudes auf zwei Grundstücken genau so verhält 
wie hei zwei selbständigen, aber aneinander stoßenden 
Gebäuden. Das Reichsgericht betrachtet die beiden Ge 
bäudeteile als selbständige Gebäude, denn was es im 
übrigen hinsichtlich der Vorsichtsmaßregeln gegen Be 
schädigungen des Nachbarn anführt, das gilt auch von 
zwei mit ihren Giebeln zusammenstoßenden Nachbar 
gebäuden, die gemeinsame Bauteile überhaupt nicht be 
sitzen. Auch in diesem Falle muß jeder Eigentümer A, 
wenn er sein Gebäude abbricht, die nötigen Schutzmaß 
regeln treffen, damit das Eigentum des B nicht gefährdet 
wird. F. Hd. 
Y eremsmitteilungen 
Wiirtt. Baubeainteu-Verein. Dienstag, 
den 6. Juli d. J., treffen sich unsre Mitglieder 
von abends 8 Uhr ab imVereinslokal, ersten Stock 
des Gesellschaftshauses „Bauhütte“, Büchsen 
straße 36, in Stuttgart. — Der Gesellige Lieder 
kranz der Kgl. Baugewerkschule Stuttgart ladet 
die Vereinsmitglieder mit ihren Angehörigen zu 
seiner am Samstag, den 10. Juli d. J., abends 
l li8 Uhr, im Konzertsaal der Liederhalle hier 
stattfindenden Semesterschlußfeier mit nach 
folgendem Balle ein. Die verehrl. Mitglieder 
werden ersucht, von dieser Einladung möglichst 
Gebrauch zu machen. Programme zu dieser 
Feier liegen im Saale auf. Der Vorstand. 
Württ. Verein für ßaukunde. Zum Ab 
schluß der Veranstaltungen im Vereinsjahr 1908/09 
fand am 26. Juni eine Besichtigung zweier in 
den letzten Jahren aufgeftihrter städtischer Neu 
bauten in Cannstatt statt: der Erweiterung des 
Krankenhauses an der Waiblinger Straße 
sowie des Neubaues der Schiller-Schule, die 
beide von Oberbaurat Mayer ausgeführt worden 
sind. Zu der Besichtigung hatte sich eine große 
Anzahl von Mitgliedern nebst ihren Damen zu- 
sammengefunden. Von der imVerlauf der nächsten 
Jahrzehnte für das Krankenhaus geplanten großen 
Erweiterung, für die das Gelände bereits ge 
sichert ist, sind bis jetzt nur das neue Küchen 
gebäude, das Kesselhaus, ein Krankenpavillon 
sowie das Leichenhaus ausgeführt. Das Küchen 
gebäude mußte in seinen Baumabmessungen 
gleich für die spätere Gesamtanlage eingerichtet 
werden, erscheint deshalb zunächst noch viel zu 
groß, was sich aber mit jedem Jahr mehr und 
mehr ausgleichen wird. Es enthält außer der 
eigentlichen Küche nebst Nebenräumen noch 
einen großen Waschraum, verbunden mit einem Des 
infektionsraum für ansteckende Krankheiten, sowie einen 
großen Saal für Weihnachtsfeiern, Gottesdienste u. dgh, 
der im Notfall auch mit Kranken belegt werden kann, 
und schließlich die sehr hübschen AVohnzimmer der 
Assistenzärzte und Schwestern nehst den Bäumen für 
das Personal. Die Küche ist mit allen Einrichtungen, 
die ein derartig großer Betrieb erfordert, in modernster 
Weise ausgestattet; insbesondere erfolgt die Feuerung zur 
Vermeidung jeglichen Kohlenstaubs ausschließlich durch 
Gas. In dem ganzen Gebäude ist ferner Warmwasser- 
und Luftheizung durchgeführt. Die hierzu erforderlichen 
maschinellen Anlagen sind in dem benachbarten Kessel 
haus untergebracht, das zunächst drei Kessel enthält, 
von denen aber vorerst nur zwei benutzt werden, wäh 
rend vier Plätze für Erweiterungen noch leerstehen. Die 
Dampfheizung soll im Verlauf der Jahre auf alle Ge 
bäude des Anwesens ausgedehnt werden; dabei kommen 
die Verbindungsleitungen in besondere begehbare Gänge 
unter der Erde zu liegen, wie ein solcher bereits zwischen 
Kesselhaus, Küche und dem neuerbauten Krankenpavillon 
besteht. Der letztere ist nach dem Einzelzimmersystem 
eingerichtet und enthält Zimmer für 2—5 Betten, eine 
Wärmküche zum Kaffeekochen sowie Zimmer für ärzt 
liche Untersuchungen u. s. w. Die Kosten dieses Baues 
betrugen rund 180 000 M., das Küchengebäude allein er 
forderte 324 000 M., das Kesselhaus 155 000 M. Der 
Platz zwischen den Bauten und der Bahn nach Waib 
lingen ist durch Qartenbauinspektor Ehmann mit hübschen 
Gartenanlagen versehen worden, die den Lärm der Züge 
abschwächen und für die Kranken einen überaus an 
genehmen Luftaufenthalt darstellen. In die Führung 
teilten sich außer dem Erbauer, Oberbaurat Mayer, in 
liebenswürdigster Weise der Vorstand der inneren Ab-
	        

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