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III. Gefchichte.
Gröninger Stegs gehörte das Fildhwafjler bis zur Markungsgrenze
den Leonbergern allein. Im Jahr 1516 machten die beiden Ger
meinden einen Vergleich, zunächft verfuchsweife auf ein Jahr, daß
Fünftig jeder Gausvater Donnerstag Macht 6 Körblein in den Bad
legen und am Freitag cin Efjen Filhe mit dem Hamen fangen
fönne; verkaufen darf einer feinen Fang nur in Leonberg oder
Eltingen. Das Leonberger Fijhwalfer unter dem Gröninger Steg
follte in aleidher Weife verboten werden 70). Mit der Trennung der
beiden Markungen 1859 erhielt jede Gemeinde ihren Anteil an
dem Waffer nach der Markungsgrenze. Die Amtsgrundbücher der
Stadtpflege Leonberg von 1898 und 1910 fhreiben der Stadt das
Fifjhwafler in der Glems auf ihrer Markung zu.
Ohne Kenntnis des feit Jahrhunderten fejtgelegten und früher
niemals angefodtenen Rechts der Gemeinden hat die ftaatliche
Forftverwaltung in den Iegten Jahren das Fijdhwafjfer in El-
tingen und Leonberg als angeblidhes Regal in Anfpruc) genommen.
Hiezu ft zu fagen: das Regal an Bächen ift eine hHöchft zweifel
hafte Cache; ein derartiger allgemeiner Anfpruchy kann gegenüber
den eindeutigen Ausfagen der Lagerbliher nicht in Betracht kom-
men. Das Forftamt Leonberg hat daher die Rücgabe der Fildh-
waller an die Gemeinden beantragt.
Der Bach in Höfinger Zwingen und Bännen, anfangend
zwijcdhen Marzen und Michel Müllers Mühle bis an den Gröninger
Steg, ift 1523 der Herrfchaft zugefchrieben, dem Vogt zur Nußung
überlaflen, den aber die Höfinger im Armen Konrad mit dem Tod
bedrohten, falls er hier fijdhe, Cine vom Herzog Chriftoph 1560 ver
Ianate Kundfchaft brachte keine Übereinftimmung, worauf der Herr
zog 1561 das Filhwafjler Eurzerhand an feinen Kammermeifter
Hans Iruchjeß v. Höfingen überwies, GSeither gehört es ZUM
Schloß. 1570 ftreitet der Iruchfeß v. Höfingen mit den Bauern
dafelbit, weil fie durch einen neucn Graben den Fluß der Glems
verlegen 71). 2
In Digingen (f. d.) hatte (1529) die Gemeinde die Fijhwailer
in der Markung und konnte fie verleihen oder felbft fijhen. Aud
HirfHlanden genoß den Bach auf feiner Markung; bisweilen
wurde er verliehen (1613). In Shöcingen wurde die Ölems
von jeher von den Inhabern des adeligen Lchens in Seh, des
Hofes Mauer und den Bürgern gemeinfjam genoffen (1613). Zwi-
[hen Schödingen und Münchingen pflegte (nad) einem Bericht von
1572) die Glems ihr Bett vielfach zu ändern; deshalb durfte keiner
der beiden Flecken allein fifchen, fondern man einigte fic über ger
meinfames Silchen 72), In Hemmingen durfte nad) dem Dorf-
buch (um 1600) jeder Einwohner mit dem Hamen fiflhen, wenn €!
eine franfke Verfon zu Haufe hat; acht die Glems über die Ufer,
70) St., Lbg. Stadt 41 fol. 95.
71) St., @b. Nr. 969, 986; Armer Konrad 3; Lbg. 23. Lehenleute
239; Forftlb. von 1699, Nachtr. StaatsRUA. A, 17, 2.
72) 1868 eine Heine Markungsveränderung Hirfhlanden —
Singen wegen Korrektion des Ölemsbachs; Reg. des DA. IX,
a.