Title:
Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen
Shelfmark:
XIX/1085.4-6,1909
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1499766280559_1909/275/
21. August 1909 
BADZEITUNÖ 
269 
verständlich zu allen Ausführungen das Einverständnis 
der Bauleitung der Rheinischen Kreditbank, die ja 
ständig am Platze war, erforderlich. Es ist Tatsache, 
daß Fohrmann Detailzeichnungen der Eisenkonstruktion, 
insbesondere auch des Blechträgers D-Q, ausdrücklich 
abgelehnt und solche selber durch seine Angestellten 
hat anfertigen lassen. Er ist dabei, soweit es sich um 
das eingestürzte Gebäude handelt, mit aller erforderlichen 
Gewissenhaftigkeit verfahren. Sein Fehler war nur der, 
daß er sich bezüglich der Ausführung allzusehr auf seine 
Bauführer und auf die meist bloß vom Gesichtspunkt der 
Sparsamkeit gewählten Unterakkordanten verlassen hat, 
von denen einige zweifellos ganz ungenügend waren. 
Letzteres gilt hauptsächlich von den Unternehmern 
Zerpelloni & Mazzi, deren Geschäftsbetrieb nicht nur ein 
in jeder Hinsicht pfuscherhafter, sondern zum Teil, wie 
erwiesen, ein direkt „betrüglicher“ gewesen ist (siehe 
unten Ziff. 6). 
3. Die gerichtliche Untersuchung nach dem 
Einsturz wandte sich zunächst gegen Fohrmann allein. 
Er wurde vom Oktober 1907 bis März 1908 etwa 
zwölfmal vernommen, wobei er seinen mündlichen Aus 
sagen jedesmal noch als Ergänzung einen schriftlichen 
Nachtrag von mehreren Seiten Länge folgen ließ. Die 
sonst bei dem Bau näher oder entfernter beteiligten 
Personen, wie Hangleiter, Schätte, Buhl, Hartenstein, 
dessen Ingenieur Bauer, ich selbst u. s. w., gelangten je 
nur einmal zur Vernehmung. Letztere wurde in der 
Hauptsache durch Oberbaurat Mörike vorgenommen. 
Worin die Sachverständigen die Ursache des Einsturzes 
erblickten, war lediglich aus der Art der Fragestellung 
zu schließen, direkte Aeußerungen hierüber wurden nicht 
gemacht. Es war nun nicht mehr als natürlich, daß 
die Verhörten bei ihren Aussagen darauf bedacht waren, 
ja nicht selber in die Sache verstrickt zu werden, daß 
sie deshalb gewisse Fragen, die ihnen eutgegenzukommeu 
schienen, bereitwilligst bejahten, andre ebenso eifrig ver 
neinten. So kamen mehrfach Aeußerungen zu Papier, 
welche die Betreffenden nachträglich nicht aufrecht er 
halten konnten. Es war dies um so eher möglich, als 
eine Konfrontierung der Zeugen unter sich oder mit 
dem Angeschuldigten Fohrmann niemals stattgefunden hat, 
sondern jeder einzeln vernommen wurde und so niemand 
gegenüber hatte, der ihn bei etwaigen Entgleisungen auf 
den rechten Weg zurückverwies. 
Am meisten machte natürlich Fohrmann sich diesen Vor 
teil der Einzelvernehmung zunutze. Er suchte die Schuld 
an der Katastrophe nach Kräften von sich ab- und auf 
Die Wohnung der Neuzeit Diele der Villa Pielanz-Heilbronn 
Direktor H. Bberhardt-Oöenbaoh
        

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