Title:
Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen
Shelfmark:
XIX/1085.4-6,1909
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1499766280559_1909/277/
21. August 1909 
BAUZEITUNÖ 
271 
6. Die Ergebnisse des Abbruchs wurden von 
dem gerichtlichen Sachverständigen in einem Protokoll 
festgelegt, aus welchem folgendes mitgeteilt sein möge: 
„üeberall zeigten sich unter dem Auflager der starken 
Träger größere Hohlräume, zum Teil war die Unter- 
flansche mit Zimmermannsklammern unterschlagen. Der 
Kalkmörtel in Höhe des zweiten Stocks war so schlecht, 
daß ein Spazierstock mit mäßigem Druck 8 —10 cm tief 
in die Fugen eindringen konnte. An den Schlaudern 
fehlten zum Teil die Nadeln. Das Mauerwerk unter dem 
wesentlichen Blechträger war entsprechend nebiger Skizze 
beschaffen, statt der inneren Bin 
der waren nur Backsteinbrocken 
(teilweise auch Werksteinbrocken) 
mit wenig und schlechtem 
Mörtel vorhanden. Nach An 
gabe von Baukontrolleur Herre 
sei die Mauer im zweiten Stock 
östlich vom südlichen Lichthof 
auf 2 '/a m Länge und ganze 
Stockwerkhöhe ebenso be 
schaffen gewesen. Ein Differ- 
dinger Nr. 40 B iag auf einer 
hochkantigen Steinplatte 
von nur 5 cm oberer Stärke auf, 
dahinter war ein Hohlraum! Der 
Mörtel konnte überall mit dem 
Mund ganz leicht weggehlasen 
werden. 
Der Pfeiler H im ersten Stock, 
der das nördliche Ende des west 
lichen Blechträgers zu tragen hatte, 
zeigte bis auf 1 m über Fensterbaukhöhe herab im Innern 
statt eines richtigen Verbands wiederum nur 
Backsteinbrocken mit Kalkspeis. Der Fenster 
pfeiler westlich vom Pfeiler H stellte sich als ein 
Kamin dar, das jeden durchgehenden Verband im 
Pfeilerkern vermissen ließ und mit Brocken und 
wenig Speis ausgefüllt war. In ähnlicher Weise 
war die südliche Aüßenmauer im hinteren 
Gebäudeteil des ersten Stocks aufgeführt.“ 
Diese Befunde veraulaßten die Sachverständigen in 
ihrer Aeußerung 233 zu dem Satz; „Wenn der Pfeiler D 
bezüglich des Mauerwerks und des Auflagers eine ähn 
liche Behandlung erfahren hat, so ist es nur ein 
Wunder, daß er nicht schon bälder, schon bei geringerer 
Belastung zusammengebrochen ist.“ — Weitere Schlüsse 
wurden aus diesen Befunden nicht gezogen, vielmehr an 
der in [ 200 aufgestellten Theorie des Einsturzes, die 
regelmäßiges Mauerwerk des Pfeilers D und nur teilweise 
weniger guten Zementspeis voraussetzte, festgehalten. 
(Fortsetzung folgt.) 
Y ereinsmitteilmigen 
Württ.Banbeaniten-Verein. Schon wieder haben 
wir den Tod eines Vereinsmitgliedes zu beklagen. Staats 
straßenmeister Cal wer in Wangen im Algäu ist am 
13. d. M. gestorben, und verlieren wir in dem Dahin 
geschiedenen ein treues Mitglied unsers Vereins, dem 
wir ein gutes Andenken bewahren werden. 
Verband Deutscher Bange werks-Berufsgenos- 
senschaften, Berlin. Der seit 1885 bestehende, die zwölf 
Deutschen Hochbau-Berufsgenossenschaften umfassende 
Verband hält am 4. September d. J. in Schwerin, Meck 
lenburg, in der Tonhalle, unter Vorsitz des K. Baurats 
und Landtagsabgeordneten Felisch-Berlin seine 24. ordent 
liche Jahresversammlung ab. Die Hauptpunkte der Ver 
handlung betreffen den Entwurf der Reichsversicherungs 
ordnung und die Baukontrolle, brennende Fragen von 
allgemeiner Bedeutung. Dem eigentlichen Verbandstage 
geht am 3. September eine Sitzung des Vorstandes vorauf, 
in welcher unter anderm auch über die ungleichmäßige 
Durchführung des Gesetzes vom 7. Januar 1907 durch 
die zuständigen Behörden verhandelt werden soll. Trotz 
der Bemühungen der Zentralbehörden (die preußischen 
Herren Minister für Handel und Gewerbe und der 
öffentlichen Arbeiten haben erst am 19. April 1909 einen 
gemeinsamen Erlaß an die Herren Regierungspräsidenten 
dieserhalb gerichtet) wird von den meisten Behörden 
von dem Gesetz kein Gebrauch gemacht, ungeeigneten 
Elementen, im Interesse des Allgemeinwohles, den Be 
trieb des Baugewerbes zu untersagen. Angesichts der 
wichtigen Beratungsgegenstände wird die Beteiligung 
der deutschen Baugewerbetreibenden an diesem Verbands 
tage gegenüber den früheren Tagungen sicherlich nicht 
zurückstehen. 
Bauteclmisclie Rundschau 
Der „Smith-Milwaukee-Betonmischapparat“. 
Schon seit einer Reihe von Jahren ist man auch bei der 
Betonherstelluug vom Handbetrieb zum Maschinenbetrieb 
übergegangen, weil man die großen Vorteile des Ma 
schinenbetriebs in bezug auf Lohn- und Zementersparuis, 
Gleichheit und Güte der Mischung und Leistungsfähig 
keit gegenüber dem Handbetrieb eingesehen hat. Man 
verwendet heute allerlei Systeme von Betonmischmaschinen, 
die aber fast alle auf der gleichen Grundidee beruhen, 
nämlich einer Mischtrommel von länglicher, gerader oder 
runder Form und einem darin befindlichen Rührwerk. 
Bei dem einen System dreht sich die Trommel, während 
das Rührwerk feststeht, bei dem andern bewegt sich 
nicht die Trommel, sondern das Rührwerk; bei dem einen 
System haben die Rührwerke diese, bei dem andern jene 
Form. Bei der einen Mischmaschine geschieht die Ent 
leerung durch Wegnahme eines Deckels, bei der andern 
durch ein Sichöffnen der Trommelteile. 
Zweck dieser Zeilen ist nun, die Interessenten mit 
der neuen Smith-Milwaukee-Betonmischmaschine bekannt 
zu machen, deren Mischtrommel, wie aus der Abbildung 
ersichtlich, eine von den andern Systemen vollständig 
abweichende Form, nämlich die Form eines doppelten 
Konus hat. Durch diese für Mischungen ideale Form 
wird ein Rührwerk vollständig unnötig, denn die Mate 
rialien fallen beim Rotieren der Trommel ganz von selbst 
schon durcheinander und auch wieder zusammen, indem 
sie durch die Trommelbewegung getrennt werden, sich 
tiberkollern und durch die doppelkonische Form der 
Mischtrommel wieder zusammengleiten. Befördert wird 
diese Mischwirkung noch durch einige im Innern der 
Trommel festsitzende, nicht bewegliche, spiralförmig an 
geordnete Schaufeln (Platten), welche das Material beim 
Rotieren der Trommel in die Höhe heben und dieses, 
nachdem es sich überschlagen hat und beim Fallen von 
dem Zementstaub umkleidet worden ist, wieder nach der 
Mitte dirigieren. Die genannte Anordnung gibt in aller 
kürzester Zeit (d. h. */ 2 bis 3 / 4 Minute) eine vollkommene 
Mischung. Geradezu verblüffend wirkt es, wenn man 
zum Beispiel groben Sand in die Maschine bringt und 
feinen Ruß oder Farbpulver zugibt. Nach einer halben 
Minute ist der Sand und der Kies vollständig gleich 
gefärbt, ein Beweis, wie innig die Mischung ist. Bedenkt 
man, daß der Zement dieselbe Wirkung hat und auch 
dasselbe tun soll wie die erwähnte Farbe — nämlich 
alle Sand- und Steinteilchen mit Zementstaub um 
kleiden —, so kann man sich einen Begriff von dem 
großen Vorteil machen, den der Smith-Milwaukee-Beton- 
mischapparat in bezug auf die Mischung bietet. Aehn- 
liches ist mit keinem andern System zu erreichen, und 
bei Handmischung ist gar nicht daran zu denken, solche 
gute Mischungen zu erzielen. 
Das Fortfallen jeglichen beweglichen Rührwerks und
        

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