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BAUZEITUNG
Nr. 37
Abb. 2
faches städtisches Gehöft, es hat Charakter und Wahrheit.
Und das reißt man nieder, nicht weil es baufällig
ist, sondern weil die Stadt „verschönert“ werden soll.
Und diese „Verschönerung“ sehe man sich einmal in
Abb. 2 an!
Nicht besser steht es mit der erweiterten Umgebung
des- Hauses, dem Garten. Wenn wir nicht noch hier
und da an alten Bürgerhäusern und auf einsamen Gütern
Reste guter Gartenanlagen fänden, wüßten wir überhaupt
nicht mehr, was ein Garten zu sein vermag. Die öden
Anlagen, die sich heute Gärten nennen, geben uns davon
keinen Begriff. Schon wenn wir uns von außen
einem solchen Garten nähern, überkommt uns ein Gefühl
des Mißbehagens über die gestaltlose Anordnung. Werfen
wir dagegen nur einen Blick auf den Eingang eines alten
Gartens, so geht uns das Herz auf, weil wir sofort die
verschwiegene Herrlichkeit ahnen, die dahinter liegt.
Auf dem Bilde 3 sehen wir einen solchen alten Garten,
in dem alles von ausgesucht feinem Geschmack und Verstand
angeordnet ist. Dicht vor das Haus ist noch eine
zweite kleinere, aber hohe Terrasse gelagert, die den
Uebergang zum Hause vermittelt und einen angenehmen
Ort zum Sitzen bietet. Die untere Terrasse zeigt in der
Mitte ein rundes Wasserbecken, das sein Wasser von
der Figur, die seltsam ist, aber doch Stil hat, empfängt.
Runde Bäume geben der Balustrade überschaubare Verhältnisse
und leiten zur Architektur über. Niedrige Vasen,
aus denen Blumen hervor wachsen, sind regelmäßig verteilt.
Das Bild 4 weist noch das abscheuliche eiserne
Gitter auf, das vorn den Garten abschließt. Auch hier
führen Stufen herauf, auch hier stehen Vasen mit Pflanzen,
auch hier erhebt sich die Villa unmittelbar hinter der
Terrasse. Aber alles ist ausdruckslos, unnütz, nirgends
empfindet man die Logik des Aufbaues, nirgends das
notwendigerweise Gewordene. Die schreckliche Vase auf
der Säule mit der dürftigen Palme darin ist so eine Art
Gradmesser für das Ganze, das auch bloß wieder einmal
recht angeschaut zu werden braucht, um in seiner ganzen
Nichtigkeit erkannt zu werden.
Zur weiteren anschaulichen Bestätigung mögen noch
die Bilder 5 und 6 dienen, die auf der einen Seite die
heute immer mehr verschwindende Poesie echter Gärten
und auf der andern Seite die dafür eingetauschte Hilflosigkeit
schildern.
In den allerletzten Jahren hat sich hin und wieder
Gegenbeispiel
eine leise Besserung der ländlichen Baukunst bemerkbar
gemacht, auf vielen Dörfern beharrt man aber noch auf
der Nachäfferei städtischer Bauten. Auch hier kann
wohl wieder eine Gegenüberstellung von Beispielen
(Bild 7 und 8) den Unterschied am besten veranschaulichen.
Die hier veröffentlichten Gegenbeispiele sind noch
lange nicht die allerschlimmsten, es gibt noch viel tollere
Erzeugnisse charakterloser Bauerei. Es ist ein niederdrückendes
Gefühl, zu beobachten, wie alljährlich Unmengen
guter alter Bauten unnötig geopfert werden, um
protzenhaften und öden Bauwerken Platz zu machen, wie
jeder Tag der dünne Faden, der uns noch mit der üeberlieferung
verbindet, sich mehr lockert. Um so mehr gilt
es, die Erkenntnis von dem Werte des uns überkommenen
Gutes in immer weitere Kreise zu tragen und die kostbaren
Reste alter Kultur vor Verunzierung und Zerstörung
zu bewahren. A.
Verband Deutscher Architekten- und
(Schluß, Ingenieurvereine
Der zweite Verhandlungstag wurde eröffnet mit einer
Erörterung über die Stellung der Architekten
und Ingenieure, in der die Stellung der Privatarchitekten
und Privatingenieure im Gegensätze zu den
Verwaltungsarchitekten und Ingenieuren näher beleuchtet
wurde. Verschiedene Anträge über die Ausbildung
der technischen Studierten zu Verwaltungsbeamten wurden
dem Danziger Ausschuß überwiesen. Darauf wurde
noch die Mitwirkung der Vereine an den Aufgaben
des Verbandes besprochen. Einen interessanten Vortrag
hielt Landesbauinspektor Klöppel-Berlin über die
Tätigkeit der Vereine im Verfolg der Verbandsdenkschriften
von 1908 über künstlerische Ausgestaltung
von Privatbauten und Ingenieurbauten, worin
er besonders die Bestrebungen auf Erhaltung alter Kulturwerte
im Städte- und Wohnungsbau sowie die Schaffung
eines eignen Heimes und eines Stückchens vaterländischen
Bodens für die Massen erörterte. Im Verlauf des Vortrages
ging der Redner des Längeren ein auf die Bedeutung
eines modernen Bauordnungswesens für die Verwirklichung
der gekennzeichneten Ideale. Er verlangt
bodenreformerische Maßregeln, ein weitergehendes Ent-