Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1909)

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BAUZEITUNG 
Nr. 39 
Mädchenvolksschule in Ludwigsburg 
Der Bund Deutscher Architekten, 
der am 11. und 12. September in Bremen unter dem 
Vorsitz von Prof. Dülfer-Dresden tagte, beschäftigte sich 
unter andern mit dem Entwurf eines Reichsgesetzes 
über die Architektenkammern. Der Bund Deutscher 
Architekten hat einen solchen Entwurf gemeinsam mit 
dem Architekteuverein zu Berlin, der Vereinigung Ber 
liner Architekten und dem Verbände deutscher Archi 
tekten- und Ingenieurvereine ausgearbeitet, der im wesent 
lichen die Wahrung der baukünstlerischen Interessen der 
Bevölkerung und der Gesamtinteressen, ferner die ästhe 
tische Ausgestaltung des Straßen- und Landschaftsbildes 
bezweckt und ferner bestimmt, daß den Kammern als 
Mitglieder solche deutsche Reichsangehörige angehören 
sollen, die in selbständiger Tätigkeit und in einer vom 
Geiste der Kunst oder der höheren Technik erfüllten 
Weise für eigne Rechnung 
Hochbauten oder Teile von 
Hochbauten entwerfen. Nach 
eingehender Besprechung ward 
folgende Resolution einstimmig 
angenommen; „Der Bundestag 
erklärt sich grundsätzlich mit 
dem vorliegenden Entwurf zu 
einem Reichsgesetz über Archi 
tektenkammern einverstanden 
und überweist dem geschäfts 
führenden Ausschuß die weitere 
Behandlung der Angelegenheit 
mit der Bedingung, daß den 
Ortsgruppen Gelegenheit ge 
geben werde, innerhalb der 
nächsten drei Monate dem Aus 
schuß ihre Meinungsäußerung 
zukommen zu lassen.“ 
Die Frage der Aenderung 
der Gebührenordnung hatte 
eine längere Aussprache zur 
Folge, in der das Verhältnis 
des Architekten zum Kunst 
gewerbetreibenden erörtert und 
der Ueberzeugung Ausdruck 
gegeben wurde, daß auf den 
Gebieten des Kunstgewerbes, 
die mit der Architektur in Mädchenvolksschule 
Schülerabtritt 
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'•Xfirrr/I/rtmer 
innigem Zusammenhang stehen, der Archi 
tekt das ihm im Lauf der Jahre verloren 
gegangene Gebiet möglichst wieder zu 
erobern habe. Die Verhandlung endete mit 
der Annahme einer Resolution, in welcher 
der Bund Deutscher Architekten die Er 
wartung ausspricht, daß diejenigen Mit 
glieder, die gleichzeitig Mitglieder des 
Kunstgewerbeverbands sind, ihre Tätigkeit 
auf kunstgewerblichem Gebiet in Einklang 
mit den Statuten des Bundes Deutscher 
Architekten bringen. 
Eine lebhafte Erörterung entspann sich 
bei Feststellung der Grundsätze für das 
Verfahren bei Wettbewerben. Der 
Vorsitzende brachte verschiedene Mißstände 
zur Sprache, so zum Beispiel daß ein 
Architekt sich an einem Werk beteilige, an 
dem er zugleich Preisrichter sei. Prof. 
Haupt-Hannover meinte, es sollten nicht 
immer wieder dieselben Männer als Preis 
richter herangezogen werden, sondern auch 
jüngere Elemente. Man höre vielfach die 
Klage, daß bei Preisausschreiben nicht 
immer die Preisträger die Aufträge er 
hielten, daß oft von der Verteilung erster 
Preise abgesehen werde. Ein andrer Redner forderte 
ein Vorgehen gegen Scheinwettbewerbe in der Weise, 
daß in Fällen, wo festgestellt werden könne, daß vor 
dem Ausschreiben des Wettbewerbs bereits der Auf 
trag vergeben worden sei, der Ausscbreiber für den 
Schaden, den die Bewerber gehabt haben, schaden 
pflichtig zu machen sei. Ein Antrag, der die bundes 
seitige gerichtliche Austragung derartiger Fälle ver 
langt, wurde angenommen, desgleichen ein Antrag des 
Geh. Rats Prof. Frentzen-Aachen, 'der eine Aenderung 
der Wettbewerbsvorschriften durch Hinzufügung eines 
Zusatzes fordert, durch den verhindert wird, daß Preis 
richter sich an Entwürfen beteiligen. 
Eine des weiteren von der Versammlung angenom 
mene Resolution besagt, es sei seitens der Bundesleitung 
sowie der einzelnen Ortsgruppen mit allen Mitteln dahin 
zu wirken, daß staatliche und städtische Behör 
den die freie Ärchitektenschaft 
in größerem Umfange als bisher 
zur Lösung ihrer Hochbau 
aufgaben heranziehen, da die 
verbleibenden Aufgaben der 
privaten Bautätigkeit weder 
ihrem Umfange noch ihrer 
Bedeutung nach für die gedeih 
liche Entwicklung der freien 
Architektenschaft ausreichen. 
Zur Frage des Heimat- 
schutzes und der Bau 
beratungsstelle wurde von 
erfreulichen Erfolgen berichtet, 
die die Heimatschutzbestre 
bungen erzielt haben. Auch 
die Einrichtung von Meister 
kursen sowie die Einwirkung 
auf die Handwerker habe gute 
Ergebnisse gezeitigt. Aus der 
Mitte der Versammlung wurde 
mitgeteilt, daß die Baubera 
tungsstellen bereits erzieherisch 
auf den Geschmack auf dem 
Lande gewirkt haben. Der 
Architekt könne nicht ver 
langen, daß sämtliche kleineren 
Aufträge, die bisher der Mau- 
Ludwigsburg rermeister erhalte, nunmehr
	        

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