Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1909)

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BAUZBITUNG 
Nr. 39 
5. Die Gleichstellung des Trockenfäulepilzes (Polyporus 
vaporarius) mit dem Hausschwamm in rechtlicher Be 
ziehung ist nicht zu billigen. Es ist besonders dagegen 
aufzutreten, daß vor der richterlichen Instanz auch noch 
andre Pilze, außer dem Hausschwamm, dieselben Kon 
sequenzen für den Baumeister nach sich ziehen sollen 
wie der Hausschwamm. 6. Die Ausdehnung der Anzeige- 
ptlicht vorhandenen Hausschwammes oder vorhandener 
Trockenfäule auf die Anzeigepflicht des Verdachts dieses 
Auftretens ist für das Baugewerbe unerträglich. Ins 
besondere muß gefordert werden, daß nach erfolgreichen 
Reparaturen eine Anzeigepflicht des Verdachts nicht 
mehr besteht. 7. Sollte dies nicht erreichbar sein, so 
muß bei „arglistiger Verschweigung“ die heute gültige 
dreißigjährige Gewährsfrist abgekürzt werden. 8. Es 
müssen Wege gefunden werden, um den nach Repara 
turen vorhandenen Minderwert von Gebäuden zu be 
seitigen. Es muß dagegen Front gemacht werden, daß 
bei Auftreten von Trockenfäule ein „Minderwert“ kon 
struiert wird. 9. Das Baugewerbe hat das höchste 
Interesse daran, daß Hausschwamra kein absoluter Wan 
delungsgrund bleibt, sondern daß von Fall zu Fall die 
Erheblichkeit des Schadens nach angerichteter und in 
Zukunft möglicher Schädigung, gemäß Würdigung der 
baulichen Verhältnisse und der Lebensfähigkeit der 
Pilze beurteilt wird. 10. Obligatorische Hausschwamm 
bekämpfung ist notwendig. 11. Ein besseres Zusammen 
arbeiten der Praxis mit der Wissenschaft, speziell mit 
solchen Forschern, die für die Praxis Verständnis haben, 
ist nötig; deshalb ist der im Baugewerbe fast allgemein 
zu spürende Widerstand gegen die Zuziehung botanischer 
Sachverständiger nicht zu billigen. 
Prof. Mez-Halle a. S., ein hervorragender Botaniker, 
dessen Spezialgebiet die Schwammforschung ist, gab zu 
den Leitsätzen eingehende und interessante Erläuterungen. 
Er trat der Anschauung, daß der Hausschwamm gesund 
heitsschädlich sei, entgegen; der letztere sei weder giftig 
noch erzeuge er infektiöse Krankheitserscheinungen. Ein 
gehende Untersuchungen haben ergeben, daß der Haus 
schwamm niemals mit dem Holz aus dem Walde ein 
geschleppt werde. Sein Vorkommen in Neubauten sei 
vielmehr entweder darauf zurückzuführen, daß altes Holz, 
dem Schwammsporen anhaften, beim Neubau oder Um 
bau mitverwendet wird, oder aber darauf — und dieses 
sei fast die Regel —, daß das neue Holz auf dem Zimmer 
platz von Schwammsporen infiziert werde. Es sei durch 
Untersuchungen nachgewiesen, daß der Boden der Zimmer 
plätze, auf denen ja oft genug altes Holz gelagert werde, 
total schwammverseucht sei, man habe aus Proben, die 
man dem Boden von Zimmerplätzen entnommen habe, 
die üppigsten Schwammkulturen entwickelt. Unter diesen 
Umständen könne es nicht wundernehmen, wenn an dem 
neuen Holz, das einige Zeit auf solchem Platze lagere, 
Schwammsporen haften bleiben und später, wenn das 
Hofz auf dem Bau verwendet sei, ihre verheerende Tätig 
keit entwickeln. Ingenieur Wolfmann-Berlin behandelte 
das Thema besonders vom Standpunkte des gerichtlichen 
Bausachverständigen und zeigte an einer Reihe von Bei 
spielen aus der einschlägigen Gerichtspraxis, wie ver 
schieden die Schwamm Schädenfrage von den Gerichten 
beurteilt werde. Es gäbe kaum ein Gebiet, das so 
strittig sei wie dieses, und eben deswegen müßte darauf 
gesehen werden, daß die Sachverständigen, die in Schwamm 
prozessen den Gerichten zur Hand zu gehen haben, sich 
recht genau mit dem Wesen der holzzerstörenden Pilze 
vertraut machten; auf diese Weise werde es hoffentlich 
gelingen, zu einer einheitlicheren Spruchpraxis zu kommen, 
was ja doch dringend im Interesse des Baugewerbes und 
auch des hauenden Publikums liege. Nachdem noch 
Rechtsanwalt Rummler-Wollstein das Thema von der 
juristischen Seite unter besonderer Beziehung auf den 
Werkvertrag und auf den Kaufvertrag beleuchtet, teilte 
der Vorsitzende mit, daß für die Ausarbeitung eines 
Merkblattes über Hausschwamm Sorge getragen 
werde und daß diese Veröffentlichung allen Innungen 
zunächst zur Begutachtung binnen kurzem zugehen 
werde. 
Das Thema Baugewerk schulen führte zu einer 
längeren Erörterung. Namens der Schulkommission des 
Verbands sprach Maurermeister Burkhardt-Gotha über 
die Arbeiten der Kommission und des geschäftsführenden 
Ausschusses auf diesem Gebiete im letzten Jahre. Er 
ging auf die Eingabe ein, die der Verband in bezug 
auf Bauschulprüfungen und Meisterprüfungen demKammer- 
tag eingereicht habe. Die in dieser Eingabe aufgestellten 
Leitsätze habe der Kammertag akzeptiert. Hinsichtlich 
der Organisation der Schulen wies der Referent darauf 
hin, daß neuerdings Klagen über einige Schulen laut 
geworden seien; es werde notwendig sein, diese Fälle 
zu untersuchen und festzustellen, inwieweit gegen die 
Anforderungen, welche der Verband an die mit Verbands 
rechten ausgestatteten Schulen grundsätzlich stellt, ge 
fehlt werde. Schließlich ging der Redner auf die in das 
Gebiet seines Referats fallenden Anträge ein; diese An 
träge laufen auf eine Verschärfung der Aufnahmebestim 
mungen und der Vorbedingungen zur Ablegung der Ab 
gangsprüfung hinaus. Im weiteren Verlauf der Be 
sprechung wurden verschiedene Klagen und Wünsche 
zum Ausdruck gebracht, darunter auch Vorschläge zur 
späteren Ausgestaltung des Lehrplans der Schulen, die 
als Material der Kommission überwiesen wurden. Der 
Vorsitzende beschloß die Besprechung mit einem Aus 
blick auf die Richtlinie, an welche sich der Verband bei 
seinen weiteren Arbeiten für die technischen Schulen 1 
seines Gewerbes zu halten haben werde. 
Eine umfangreiche Erörterung entwickelte sich über 
das Submissionswesen, wobei Vorkommnisse zur 
Sprache gebracht wurden, die ein merkwürdiges Licht 
auf die Submissionspraxis mancher Behörden warfen. 
Der Vorsitzende wies auf die Eingabe hin, die der In 
nungsverband Deutscher Baugewerksmeister und der 
Deutsche Arbeitgeberbund für das Baugewerbe erst in 
diesem Jahre an die maßgebenden Behörden gerichtet 
haben und in der die Wünsche des Baugewerbes sehr 
eingehend behandelt sind. Es sei zu empfehlen, den Er 
folg dieser letzten Bemühung zunächst einmal abzu 
warten, anderseits aber sollte von den einzelnen In 
nungen nicht versäumt werden, aus ihren Kreisen alles 
zu sammeln, was auf dem Gebiete des Submissionswesens 
Ungerechtes geschieht, und möglichst viel Material dem 
Ausschuß zwecks Abstellung zu übermitteln. Der Ver 
band werde nicht versäumen, die vorgebrachten beson 
deren Fälle mit allem Nachdruck zu verfolgen und zu 
gegebener Zeit hierüber zu berichten. Diese Vorschläge 
fanden die Zustimmung der Versammlung. 
Nachdem noch verschiedene Anträge erledigt waren, 
wurde der Kassenbericht entgegengenommen, dem Kassen 
führer Entlastung erteilt und der im Entwurf vorliegende 
Haushaltsplan, der sich in Einnahme und Ausgabe mit 
10200 M. die Wage hält, genehmigt. 
Bei Wahl der Mitglieder des geschäftsführenden Aus 
schusses erfolgte einstimmig die Wiederwahl der bis 
herigen Mitglieder. Für die nächste Delegiertenversamm 
lung wurden die Städte Danzig und Königsberg vor 
geschlagen, mit der Maßgabe, in erster Linie Westpreußens 
Hauptstadt zu berücksichtigen. Darauf schloß der Vor 
sitzende den 24. Delegiertentag. F. 
Goclisheim 
Ein reizendes Städtebild mit prächtiger Silhouette. 
Hier hat man ein unberührtes Idyll vor sich, in welches 
noch nicht in roher Weise moderne Hausblöcke mit 
flachen Dächern und ähnliche „Kulturarbeiten“ hinein-
	        

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