Volltext: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1909)

25. September 1909 
BAUZEITUNG 
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Gochsheim bei Bretten 
Federzeichnung von Architekt Dipl.-Ing. Karl Kohler-Dnrlach 
gestellt wurden. Solche Bilder müssen jeden Freund 
einer gesunden Bauweise zum Studium anregen; sie be 
weisen aufs klarste, daß in erster Linie Gruppierung 
und Massenentwicklung die ästhetische Wirkung der 
Gebäude und ganzer Baukomplexe gewährleisten. 
Friedhofanlagen und -Vergrößerungen 
Architekt Julius K och er-Stuttgart 
Tiefe, ernste Feierlichkeit sowie Bepflanzung, Auf 
teilung und Einfriedigung geben dem Friedhof seinen 
eignen, selbständigen Charakter in der Landschaft. 
Es sind dies Eigenschaften, welche bei der Einpassung 
in ein Landschaftsbild wohl zu berücksichtigen sind. 
Kann erstere vielleicht durch Lage, Perspektive und 
Hintergrund gehoben werden, so sind die letzteren, mehr 
technisch-architektonischer Natur, durch den durch die 
Parzellierung bedingten Rhythmus im Gelände bzw. die 
Eigenart der Gegend festgelegt. 
Sehen wir in der Biegung der Landstraße die hohe 
Kirchhofmauer, welche den Blick durch eine Birkenallee 
auf die kleine Kapelle lenkt, oder an aufsteigendem Ge 
lände den Friedhof terrassenförmig aufgebaut, oder eine 
kleine Anhöhe von Mauern eingefaßt und mit kleiner 
Kapelle bekrönt, so erkennen wir, wie geeignet eine 
solche Anlage durch ihre architektonische Gliederung 
und Bepflanzung ist, um einer ganzen Gegend große 
ästhetische Bedeutung zu verleihen. 
Also wäre der richtige Platz für eine Friedhofanlage 
nicht eben dort, wo gerade ein freier Platz übrig oder 
billig zu haben ist, sondern dort, wo der Mensch durch 
sein Können seinem Empfinden und Wohlbehagen ent 
sprechende künstlei’ische und stimmungsvolle Werte 
schaffen kann. 
Die in der Architektur mitwirkenden Bäume als Ein 
fassung, Hintergrund, Alleen dürfen in ihrer Gesamt 
wirkung nicht durch einzelne auf den Gräbern gepflanzte 
Bäume unterbrochen werden. 
Heimisch soll Baum- und Gestrauchart sein, heimisch 
soll das Material für die Einfriedigung und Grabkreuze 
sein, damit der Friedhof als Ganzes sich in seine Um 
gebung einfügt und kein fremdes Gepräge inderseiben zeigt. 
Ein oft üblicher Brauch ist die Verwendung von 
Marmor zum Denkmal; warum soll dieser uns fremde 
Stein die Schriftzeichen der Erinnerung tragen? Da 
wir doch so viel schönes und vertrautes Material in 
Stein, Holz, Eisen, Ton dem Charakter jeder Gegend 
entsprechend zur Verfügung haben. 
Auch in der Behandlung des Marmors fühlen wir, 
wie fremd er uns ist. Anstatt teils durchscheinend dünn, 
teils kräftige Schatten gebend, wodurch er Farbe und 
Leben erhält, sehen wir ihn in Stadt- und Landfriedhöfen 
meist als glattgeschliffene, weiße, rechteckig bearbeitete 
Marmorkreuze: farblos, kalt, leblos. 
Unser Stein hat Farbe und Struktur, Holz und Eisen 
sind einfach in der Behandlung, der Ton gibt gar viel 
Anregung in der Verwendung als Tonplatten, Fliesen, 
Kacheln und Terrakotten; dies sind alles Materialien, 
bei welchen auch in der Ausführung noch handwerks 
mäßige Arbeit den Stempel der Individualität beipflichten 
kann. 
Höhe und Art der Grabsteine und Kreuze dürfte ge 
regelt werden, dies etwa so, daß in abseits liegenden 
Feldern Holz- und Eisenkreuze in bestimmter Höhe 
(formbeliebig), in andern Feldern Steine in bestimmten 
Höhen, ob liegend oder stehend, vorgeschrieben sind. 
Die Aufteilung des Friedhofs wird durch planmäßiges 
Hinwirken auf Perspektiven in Architektur und Farben 
der Baum- und Gestraucharten sich ergehen. Diese Per 
spektiven werden einen Brennpunkt oder das Auge soll 
einen Ruhepunkt haben, und zwar in Form eines Grab 
mals, Brunnen, Kapelle, Halle. 
Auf ein Zusammenfassen der Mausoleen und Grüfte 
ist im allgemeinen zu achten, dieselben sollen nicht als 
durchbrochene Bauflucht die Hauptwege einfassen. 
Es ist nicht zu befürchten, daß durch solche Bestim 
mungen Langweile Platz finden werde. Wir sehen in 
alten Friedhöfen aus guter Zeit Beispiele, wo in ähn 
licher Anordnung volle Harmonie, Ruhe und Würde zu 
finden ist, und wir wissen, daß nur durch zielbewußtes 
Selbstbestimmen Gutes geschaffen werden kann. 
Y ereinsmitteilungen 
Württ.Bailbeamten-Verein. Dienstag, den 5. Ok 
tober d. J., beginnen die Vereinsabende wieder. 
Zusammenkunft abends 8 Uhr im Gesellschaftszimmer 
der „Bauhütte“, Büchsenstraße 35, in Stuttgart. — Als 
Vereinsmitglied wurde angemeldet: Bauamtswerkmeister 
Rapp hei der Straßenbauinspektion in Ehingen. — Die 
nächste Ausschußsitzung soll nun am 24.Oktober d.J. 
in Gmünd stattfinden. Die Einladung wird hierzu in 
einer der nächsten Nummern erfolgen.
	        

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