Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1909)

24 
BAUZEITUNG 
Nr. 3 
Professor Theodor Fischer zugezogen, dessen Verdienst 
es ist, daß der ursprüngliche Entwurf, der eine Back 
steinfront, durch Risalite belebt, sowie ein glasiertes 
Ziegeldach vorsah, zu dem jetzigen ruhigen und vornehm 
wirkenden Bauwesen umgeändert wurde. W, 
Der Innungsverband deutscher Baugewerks- 
meister hat eine Eingabe an Reichstag und Bundesrat 
gerichtet betreffend die Zugehörigkeit juristischer 
Personen zu Zwangsinnungen. Der Verband er 
klärt es in diesem Schriftstück, um die auf diesem Ge 
biete tatsächlich vorhandene Rechtsungleichheit, wie sie 
sich aus Erlassen der Regierungsstellen der beiden ersten 
Bundesstaaten, Preußen und Bayern, ergebe, endgültig 
zu beseitigen und damit einer gedeihlichen Arbeit der 
deutschen Handwerkerorganisation den Weg zu ebnen, 
für dringend erforderlich, daß ausdrücklich festgelegt 
werde, daß auch die juristischen Personen, die ein Hand 
werk — sei es ausschließlich, sei es im Nebenbetrieb — 
ausüben, gehalten sind, der zuständigen Zwangsinnung 
als Mitglieder anzugehören. Der Verband bemerkt, daß 
er sich mit diesem dringlichen Wunsch in vollster Ueber- 
einstimmung mit dem Deutschen Handwerks- und Ge 
werbekammertage befinde, der bereits den gleichen An 
trag an die gesetzgebenden Körperschaften des Reichs 
gerichtet habe. 
Wettbewerbe 
Lutherliaus und Luthersaal für die Paulus 
gemeinde in Stuttgart. Es sind 28 Entwürfe und 
sechs Modelle eingegangen. Das Preisgericht, das durch 
den Tod des Oberbaurats Dolmetsch nicht mehr voll 
zählig war, hat sich durch Oberbaurat B e g e r ergänzt. 
Die Entscheidung über die Entwürfe wird aus ver 
schiedenen Gründen voraussichtlich nicht vor April 
oder Mai fallen. Der Bau selbst kann, wie wir hören, 
nicht vor ein paar Jahren in Angriff genommen werden, da 
die erforderlichen Mittel noch lange nicht beisammen sind. 
Im Interesse der Architekten wäre eine baldigere Ent 
scheidung erwünscht, die in andern Fällen in drei bis 
vier Wochen fällt. 
Luftschiffhalle Zeppelin. Wie wir vom Zeppelin 
bureau erfahren, dürfte die Entscheidung über die Ent 
würfe des unter den drei bekannten Firmen veran 
stalteten engeren Wettbewerbs jedenfalls noch diese 
Woche fallen. 
Kleine Mitteilungen 
Württ. Kunstverein Stuttgart. Neu ausgestellt: 
Ueberschwemmung im Spreewald, Wintermorgen, Abend 
sonne, Im Hafen, Birkenhain, Im Schwarzatal, Auf der 
Heide, Märzsonne von Max Fritz; Skizzen und Studien 
aus Messina und Kalabrien von Herrn. Drück; Hühner, 
Morgensonne, Abendsonne von Carl Wähler; Vormittag, 
Abend, Tauwetter, Mondschein, Hütten im Schnee von 
Karl Sigrist u. s. w. 
K. Staatssammlung vaterländischer Altertümer 
Stuttgart. Die Führungsvorträge in der Kgl. Staats 
sammlung vaterländischer Altertümer nehmen am Mitt 
woch, den 13. d. M., 2 1 / 2 Uhr wieder ihren Anfang. 
Behandelt wird zunächst die Abteilung der mittelalter 
lichen kirchlichen Denkmäler. 
Zum Luftschiffhallenwettbewerb äußert sich im 
„Kunstwart“ H. Thurm in beachtenswerter Weise. Er 
hebt in rühmenswerter Weise hervor, daß namentlich auf 
dem Gebiete des Eisenbetonbaues Arbeiten da waren, 
gewölbte Hallen (45x160 m) von solcher Kraft und 
Wucht, daß sie sich bekannten klassischen Bauwerken 
wohl an die Seite stellen könnten, und bemerkt dann: 
„Für den ästhetischen Beschauer fiel namentlich auf, 
daß bei den preisgekrönten Entwürfen jener mit dem 
I. Preis ausgezeichnete Entwurf der ßrückenbauanstalt 
Elender in Duisburg sowie der angekaufte Entwurf des 
Ingenieurs Meier in Berlin jedweder ästhetischen Aus 
bildung ermangelten. Deutlich trat hervor, daß hier die 
leitende, die fühlende Hand des Architekten fehlte. 
Wenn es im Preisgerichtsprotokoll heißt, daß in erster 
Linie praktische Gesichtspunkte maßgaben, so versteht 
sich das für jeden Verständigen von selbst. Allein, daß 
sich praktische Brauchbarkeit und ästhetische Rücksichten 
glänzend vereinen lassen, bei fast gleichen oder annähernd 
gleichen Kosten, dafür liefert der mit dem II. Preis aus 
gezeichnete Entwurf der Gutehoffnungshtitte unter Mit 
arbeit von Möhring-Berlin den schlagendsten Beweis. 
Auch der mit dem III. Preis ausgezeichnete Entwurf tut 
das. Man sollte meinen, wenn man jetzt fast 1 Million 
Mark zur Erstellung eines solchen Bauwerkes ausgiht, dann 
spielten einige zehntausend Mark keine große Rolle mehr. 
Ein solches Bauwerk, ein Nationalbauwerk, sollte nie 
und nimmer ohne ästhetische Rücksichten erstellt werden, 
das wäre unsrer jungen Architektur die Faust aufs Auge. 
Die Besten vor, heißt hier die Losung. Das ist ein 
Kulturstaat sich, der Allgemeinheit schuldig, unsrer 
deutschen Landschaft, die jahrzehntelang verunstaltet 
wurde. Kommt noch hinzu: der Landschaft des Boden 
sees. Wer die Oertlichkeit kennt: die sanften Höhen 
züge, das leichtgewellte Gelände, der mag sich’s aus 
malen. Nachdem die Preisträger jetzt unter sich zu einer 
engeren Konkurrenz aufgefordert sind, glaube ich im 
Namen aller ästhetisch Gebildeten fordern zu dürfen: Es 
möge dafür gesorgt werden, daß die ästhetische Ge 
staltung der Aufgabe mehr gepflegt werden möge unter 
Zuziehung erster tüchtiger Baukünstler. Hier ist be 
sondere Gefahr im Anzug. Denn die ersten ausgeführten 
Luftschiffhallen werden in höherem Grade als die späteren 
als Vorbilder wirken.“ 
Personalien 
Baden. Uebertragen: dem Ingenieur W. Waag unter 
Verleihung des Titels Regierungsbaumeister die etatmäßige Amts 
stelle eines zweiten Beamten der Eisenbahnverwaltung. 
Hessen. Entlassen: der Bauassessor Bauinspektor W. Th a 1 e r 
zu Darmstadt auf sein Nachsuchen aus dem Staatsdienste. Er 
nannt: der Regierungsbaumeister K. Schön zum Bauassessor 
unter Verleihung des Titels und Rangs eines Bauinspektors. 
Bücher 
Her Hausschwanmi (Merulius laorymans). Gemeinverständ 
liche Ausführungen über seine Entwicklung und die zu seiner Be 
kämpfung dienlichen Maßnahmen. Von S. Langenberger. Preis 
50 Pf. Verlag von Georg D. W. Callwey in München. Bin alter 
Praktiker gibt in diesem Büchlein, das wir jedem Baumeister und 
Hausbesitzer bestens empfehlen können, wertvolle Ratschläge zur 
Verhütung und Bekämpfung des unliebsamen Gastes. Wir werden 
über seine Eigenschaften, die Bedingungen seines Auftretens, seines 
Wachstums und seiner Fortpflanzung belehrt; mit eingehender Be 
gründung und kritischer Unterscheidung sind die Vorbeugungs- und 
Bekämpfungsmaßregeln beim Auftreten des Schwammes in Neu 
bauten und in bewohnten Häusern dargestellt, so daß der Gegen 
stand nach jeder Seite hin als erschöpft gelten kann. 
Briefkasten 
Anfrage. Die Decke einer im Souterrain gelegenen Bade 
anstalt tropft so stark, daß an besonders kalten Tagen wegen des 
Niederschlags ihre Benützung in Frage steht. In den Baderäumen 
ist Niederdruckdampfheizung eingerichtet und auch für Ventilation 
ist gesorgt; die Decke ist 35 cm dick, von Beton mit darüberliegender 
Gußasphaltschioht hergestellt. Ueber der Decke befinden sich un 
geheizte Räume. Wie kanq dieser üebelstand rasch und sicher 
beseitigt werden ? 
Verantwortliche Schriftleitung: Chefredakteur und Herausgeber Adolf Fausel. 
Architekt W. Klatte, beide in Stuttgart. Druck: Deutsche Verlags-Anstalt in Stuttgart
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.