Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1909)

16. Oktober 1909 
BADZBITUNÖ 
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im argen, insbesondere innerhalb der Ortschaften. Es 
liegt schon sehr viel an der richtigen Unterhaltung der 
Straßen. Aber Verständnislosigkeit und falsche Spar 
samkeit verhindern, daß gute Straßen entstehen können. 
Gut unterhaltene Straßen können nur bestehen bei syste 
matischer Unterhaltung und ständiger technischer Auf 
sicht. Die Visitation der Gemeindestraßen seitens der 
Aufsichtsbehörde ist wohl vorhanden. Aber was können 
diese Visitationen viel nutzen, wenn bei der Gemeinde 
behörde oft der Begriff von einer gut unterhaltenen 
Straße und der ernstliche Wille fehlt, die erforderlichen 
Mittel aufzuwenden, um eine heruntergekommene Straße 
instand zu setzen? Daß wegen Unterlassungen bei der 
Wegunterhaltung die Aufsichtsbehörden strafend ein- 
Es gilt noch manchen Mangel abzuschaffen, zu dessen 
Beseitigung heute eine gesetzliche Handhabe fehlt. Eine 
Nachbarschaftsstraße wird zum Beispiel mit hohem Auf 
wand in gutem Stand erhalten. In diese Nachbarschafts 
straße mündet eine Anzahl Privat- und Gemeindefeldwege 
ein. Wenn nun diese Feldwege nicht auf eine größere 
Länge von der Straße aus beschottert werden, ist es fast 
unmöglich, eine gute Landstraße zu erhalten. Es wird 
so viel Ackerboden auf die Straße geschleppt, daß sich 
Steine und Boden zusammenwickeln. Hier dürften strengere 
gesetzliche Vorschriften vorhanden sein. 
Das Verhältnis zwischen Grundstückeigentum und 
Straßeneigentum bedarf ebenfalls noch besserer Regelung 
insbesondere betreffs des Herausschleppens von Acker 
schreiten, dürfte wohl ein seltener Fall sein, es hätte 
vielleicht auch nicht den gewünschten Erfolg. 
Abhilfe ist nur möglich, wenn bei sämtlichen Orts 
und Nachbarschaftsstraßen eine technische Aufsicht 
und Verantwortlichkeit besteht. Insbesondere sollte die 
Menge des jeweils erforderlichen Materials und die Be 
aufsichtigung des Wärterpersonals auch bei Gemeinde 
behörden von technischer Seite bestimmt werden. 
Man kann ruhig den Standpunkt einnehmen, daß mit 
dem Einlegen von Schottermaterial zu Unrechter Zeit 
und am Unrechten Ort die Straßen ebenso verdorben 
werden, wie sie bei richtiger Behandlung in guten Stand 
gebracht werden können. Und dies kommt bei den Ge 
meindestraßen häufig vor. Hier hilft aber keine Be 
lehrung und keine Visitation, sondern nur eine erweiterte 
technische Mitarbeit. Die Kosten werden vielfach nicht 
höher, eher niedriger, und was die Hauptsache ist, die 
Straßen werden besser. 
Die kommende Wegordnung wird die Art der Unter 
haltung sämtlicher Wege des Landes besser regeln müssen. 
boden auf Landstraßen. Es wäre hier ein leichtes und 
eine geringe Mühe, den an den Rädern hängenden Boden 
zu entfernen. Es wird nicht in Betracht gezogen, daß die Ge 
meinde, Amtskörperschaft oder der Staat den Weg mit vielen 
Kosten in gutem Stand erhält und daß jeder an diesem Auf 
wand beteiligt ist. Das Schleifen von räderlosen Pflügen 
und Eggen ist noch in manchen Bezirken statthaft. Daß 
Schafherden bei eingelegten Straßen viel Schaden ver 
ursachen, ist eine bekannte Sache. Man kann diesen 
Verkehr nicht verbieten, wenn keine andern Wege zur 
Ablenkung vorhanden sind. Aber es kommt vor, daß 
manche Schäfer ihre Herden absichtlich zur Ersparnis 
von Weiden auf den Straßen hin und her führen, um 
das an den Straßenrändern wachsende Gras abzuweiden. 
Dies ist ein Unfug und gehört mit Strenge untersagt. 
Der Zustand und die Unterhaltung von Straßen wechseln 
bei Gemeinden und Körperschaften vielfach mit dem 
Interesse, das sie daran haben. Dies bringt oft wun 
derliche Zustände hervor. Eine Gemeinde hält die 
Zufahrtsstraße zur nächsten Gemeinde, welche Bahn-
	        

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