Volltext: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1909)

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BAUZBITUNG 
Nr. 42 
Station ist, in sehr gutem Zustand, weil sie an dem 
guten Stand der Straße ein großes Interesse hat. Der 
andern Gemeinde, welche Bahnstation ist, fällt es nicht 
ein, den gleichen Aufwand für die Straße zu machen. 
So tritt der Unterhaltungsaufwand an der Markungs 
grenze deutlich ins Auge. Es gibt aber kein Mittel, 
die andre Gemeinde ernstlich zu zwingen, die Straße in 
gleich gutem Zustand zu erhalten. Es wird nicht be 
rücksichtigt, daß mit dem Verkehr zur Bahnstation der 
Gemeinde auch weiterer Nutzen entsteht. 
Das gleiche Verhältnis findet man vielfach an den 
Oberamtsgrenzen. Mit der Oberamtsgrenze wechselt auch 
Unterhaltung und Zustand des Wegs, je nach dem 
Interesse, das der eine oder andre Bezirk an dem Weg 
Deutsches Institut für ärztliche Mission Tübingen 
fuhrwerke. Ueber die Benutzung der Straßen und Wege 
durch Fahrzeuge aller Art, sollten für alle Straßen die 
gleichen Bestimmungen in Kraft treten wie für die Staats 
straßen. Die alte Wegordnung hat ja fast immer nur 
die Staats- oder Landstraßen im Auge, weil für andre 
Straßen damals noch das Interesse von heute fehlte. 
Daß sich die Ettersstraßen häufig in einem schlech 
teren Zustand befinden als die Landstraßen außerhalb 
der Orte, ist eine bekannte Sache. Dies hat seinen 
Grund in der schlechteren Unterhaltung, stärkeren Be 
nutzung der Straßen und insbesondere in einer schlechten 
Entwässerung. Ein solcher Mißstand führt besonders 
bei denjenigen Ettersstraßen häufig zu Klagen, die im 
Zuge der Landstraße liegen. Durch das Entgegenkommen 
bat. Derartige Zustände sind Uneingeweihten und Durch 
reisenden unbegreiflich. Noch viel schlimmer sind die 
Verhältnisse beim Bau von neuen Straßen. Auch hier 
spielen die Bahnstationen eine wichtige Rolle. Schon 
manches Projekt ist gescheitert an dem Umstand, daß 
die eine Gemeinde als Bahnstation einfach jegliches 
Interesse an einem neuen Zufahrtsweg bestreitet. Der 
Staat, welcher der einen Gemeinde durch Anlegung einer 
Eisenbahn einen neuen Verkehrsweg geschaffen, hat 
schließlich auch die Pflicht, dafür zu sorgen, daß andre, 
nicht an der Bahn liegende Gemeinden gute Zufahrts 
straßen erhalten. Daß die Bahnen direkt rentierende 
Anlagen sind, trifft bei uns ja auch nur bei den Haupt 
bahnen zu, die Nebenbahnen erfordern meist Staats 
zuschüsse. Straßenanlagen sind wohl nur indirekt ren 
tierende Anlagen, aber ihre Bedeutung wächst im Zu 
sammenhang mit Eisenbahnen. 
Neben diesen Zufahrtsstraßen zu den Bahnstationen 
sind gute Durchgangsstraßen ebenso ein Bedürfnis wie 
früher, als es noch keine Eisenbahnen gab. Die Kraft 
fahrzeuge brauchen heute für den Personenverkehr Durch 
gangsstraßen, wie früher für den Frachtverkehr die Last- 
des Staates werden ja in vielen Gemeinden, welche an 
Staatsstraßen liegen, diese Ettersstraßen auf Kosten der 
Gemeinde in die Unterhaltung des Staates genommen 
und erhalten dadurch einen besseren Zustand. Ein Zwang 
kann aber auch hier auf die Gemeinde nicht ausgeübt 
werden, ebensowenig wie sie gezwungen wird, selbst ihre 
Straßen in den gewünschten Stand zu setzen. Wünschens 
wert wäre es bei allen Gemeinden, wenn die im Zuge 
der Landstraßen liegenden Ettersstraßen in die gleichö 
Unterhaltung kämen wie die anschließenden Landstraßen. 
Wenn die kommende Wegordnung in Württemberg auf 
die Unterhaltung sämtlicher Straßen und Wege von 
einem bestimmenden Einfluß sein wird, so ist schon viel 
erreicht; es ist nicht anzunehmen, daß die Kosten für 
eine richtige Unterhaltung der Wege ins Ungemessene 
steigen, sondern erträglich sind, sofern nur das System 
richtig ist. Dagegen würde eine Wegordnung an dem 
finanziellen Problem scheitern, wenn angestrebt würde, 
die Mehrzahl der Vizinalwege in die Unterhaltung des 
Staates zu bringen und sie in den Zustand der vorhan 
denen Staatsstraßen zu setzen. 
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