Volltext : Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1909)

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BAUZBITÜNG

Nr.  43

mit  irgendwie  nochmals  in  Berührung  kommt.  Das  besagte ­
  Präzisionsgebläse  wird  von  der  Firma  schon  seit
45  Jahren  gebaut  und  ist  von  ihr  für  andre  Zwecke
schon  in  vielen  Tausenden  geliefert  worden,  von  denen
sich  eine  große  Zahl  bis  zu  20  Jahren  und  noch  länger
in  ununterbrochenem  Betrieb  befinden,  ohne  ersatz-  oder
reparaturbedürftig  geworden  zu  sein.  Da  der  Luftsauger
als  die  Seele  der  ganzen  Anlage  anzusehen  ist,  gewährleistet ­
  die  Anwendung  dieses  Gebläses  die  denkbar  größte
Betriebssicherheit  unter  Ausschluß  der  von  jedem  Besitzer ­
  einer  maschinellen  Anlage  mit  Recht  so  gefürchteten ­
  Reparaturen.  Dabei  kommt  noch  weiter  in  Betracht, ­
  daß  dieses  Präzisionsgebläse  vermöge  seiner  unübertroffenen ­
  Bauart  im  Verhältnis  zu  seiner  Leistung
(3000  mm  Wassersäule)  sehr  wenig  Kraft  erfordert,  und
die  Krafterfordernis  für  den  Betrieb  der  Anlage  durch
den  Wegfall  der  einen  beträchtlichen  Widerstand  bildenden ­
  Stoffilter,  die  auch  sehr  häufig  exmeuert  werden
müssen,  noch  weiter  vei’miudert  wird,  so  daß  die  Kosten
des  Betriebs  einer  solchen  Anlage  äußerst  geringe  sind.
Einen  nicht  hoch  genug  anzuschlagenden  Vorzug  bietet
das  ,.  System  Aerzen“  aber  in  hygienischer  Hinsicht  durch
das  Auswaschen  der  Staubluft  im  Vakuum  und  das  Ansammeln ­
  des  Staubes  in  durch  Wasser  (dem  erforderlichenfalls ­
  auch  desinfizierende  Stoffe  zugesetzt  werden  können)
gebundenem  Zustand  in  einem  hermetisch  verschlossenen
Raum,  der  niemals  geöffnet  werden  muß  uud  von  dem
aus  der  Schmutz  direkt  in  die  Kanalisation  abgeführt
wird,  ohne  daß  man  damit  nochmals  in  Berührung  kommt.
Die  Wii’kungsweise  einer  solchen  Anlage  wird  durch
beistehende  Abbildung  vei’anschaulicht.  Durch  Inbetriebsetzung ­
  des  Gebläses  (1)  wird  im  Luftwascher  (2)  ein
hohes  Vakuum  (3000  mm  Wassersäule)  erzeugt  und  andauernd ­
  erhalten.  Die  dadurch  von  den  einzelnen  Reinigungsstellen ­
  abgesaugte  und  mit  Staub  geschwängex'te
Luft  wird  durch  die  Rohrleitung  dem  Luftwascher  zugeführt, ­
  tritt  durch  in  dem  Apparat  angeordnete  Spezialsiebböden ­
  unter  dem  Wasserspiegel  aus,  gibt  den  Staub
an  das  Wasser  ab,  erfährt  eine  gründliche  Auswaschung,
wobei  das  Wasser  infolge  des  Vakuums  in  kochende
Bewegung  gerät,  und  gelangt  alsdann  durch  das  Sauggebläse, ­
  vollkommen  gex*einigt,  in  die  Austrittsleitung,
während  der  Staub  als  Schlamm  im  unteren  Teil  des
Luftwaschers  zurückbleibt  und  von  Zeit  zu  Zeit  durch
Oeffnen  des  Ablaßhahns  (3)  in  die  Kanalisation  abgeführt ­
  wird.  5  ist  ein  trichterföi’miges  Schutzblech  zur
Verhinderung  des  Eindringens  von  Spritzwasser  in  das
Saugrohr,  6  das  Wassei’spülrohr,  7  die  Rohrverschraubung ­
  zum  Anschluß  an  die  Wasserleitung,  8  die  Rührstange, ­
  9  das  Luftverteilungsrohr,  10  sind  Schaugläser,
die  auf  zwei  gegenüberliegenden  Seiten  des  Apparates
angebracht  sind  und  durch  welche  die  Vorgänge  innerhalb ­
  des  Apparates  während  des  Betriebes  verfolgt  werden ­
  können.  Der  Wasserverhrauch  ist  ein  so  minimaler,
daß  er  gar  nicht  in  Betracht  kommt;  je  nachdem  ist  das
Wasser  erst  nach  mehreren  Wochen  zu  erneuern.  Da
die  Bedienung  die  denkbar  einfachste  ist,  die  Anlagekosten ­
  mäßig  zu  nennen  sind,  der  Betrieb  sehr  billig  ist
und  fast  keine  Abnutzung  stattfindet,  verdient  das  vom
Standpunkt  der  Hygiene  vollkommen  einwandfreie  „  System
Aerzen“  zweifellos  die  weiteste  Verbreitung.  Anlagen
dieser  Art  werden  gebaut  von  der  Aerzener  Maschinenfabrik, ­
  G.  m.  b.  H.,  in  Aerzen-Hameln  (gegründet  1864,
Vertreter  Otto  Wieland  in  Stuttgart).
Kleine  Mitteilungen
Staatliche  Erfindungsausstellung  Stuttgart.
Wir  hören  von  der  Ausstellungsleitung  bei  der  K.Zentralstelle ­
  für  Gewerbe  und  Handel,  daß  der  Ausschuß  für
die  Vorprüfung  der  eingegangenen  Anmeldungen,  ungefähr ­
  1000  an  der  Zahl,  zusammengetreten  ist  und  die

endgültigen  Ausstellungsbestimmungen  festgesetzt  hat.
Im  Anschluß  hieran  wird  jetzt  die  Einzelprüfung  der
Anmeldungen  stattfinden.  Es  sind  unter  den  Anmeldungen ­
  wohl  alle  Zweige  der  Technik  vertreten,  von  der
Dynamomaschine  bis  zum  kosmetischen  Verfahren,  und
vom  Rodelschlitten  bis  zum  Zündholzsparer,  so  daß  ein
jeder,  der  eine  Neuheit  für  seinen  Betrieb  sucht,  unter
der  Fülle  der  Ausstellungsgegenstände  etwas  für  ihn
Passendes  herausflnden  kann.  Nur  diejenigen  weiteren
Anmeldungen  zur  Ausstellung,  die  noch  im  Laufe  dieses
Monats  bei  der  Ausstellungsleitung  eingehen,  werden
noch  berücksichtigt  werden.
Stuttgart.  Der  23.  ordentliche  Berufsgenossenschaftstag, ­
  der  hier  am  20.  Oktober  seine  Versammlung ­
  abhielt,  hat  zur  Reichsversicherungsordnung
entschiedene  Stellung  genommen.  Nachdem  die  beiden
Referenten  über  dieses  Thema  eine  Reihe  von  Ausstellungen ­
  ei'hoben  und  betont,  daß  sich  allseits  ein
nachdrücklicher  Widerspruch  gegen  die  Uebertragung
irgendwelcher  Aufsichts-,  Kontroll-  und  Entscheidungsbefugnisse ­
  an  die  von  der  Regierung  vorgeschlagenen
Versicherungsämter  erhebe  und  auch  die  Ablehnung  aller
Vorschläge  auf  Schaffung  einer  neuen  Behördenorganisatiou,
eines  sozialpolitischen  Staates  im  Staate  zum  Ausdruck
komme,  wurde  eine  diesbezügliche  Resolution  ohne  Erörterung ­
  einstimmig  angenommen;  dieselbe  lautet:  „Der
Berufsgenossenschaftstag  stellt  mit  Befriedigung  fest,  daß
die  von  seiten  der  anderen  Versicherungsträger,  der
großen  wirtschaftlichen  Verbände  für  Landwirtschaft,
Handwerk,  Handel  und  Industrie,  von  Vertretern  der
Wissenschaft  und  von  Sozialpolitikern  an  der  Reichsversicherungsordnung ­
  geübte  Kritik  eine  weitgehende
Uebei’einstimmung  mit  denjenigen  Grundsätzen  aufweist,
die  der  außerordentliche  ßerufsgenossenschaftstag  vom
26.  Mai  1909  in  seiner  damals  einstimmig  angenommenen
Erklärung  niedergelegt  hat.  Er  gibt  um  so  mehr  der
Erwartung  Ausdruck,  daß  die  Reichsregierung  den  genannten ­
  Gesetzentwurf  unter  Berücksichtigung  dieser
Stellungnahme  einer  gründlichen  Umarbeitung
unterziehen  werde,  insbesondere  in  der  Richtung,  daß
die  Selbstverwaltung  der  Berufsgenossenschaften  in
vollem  Umfang  gesichei't  bleibt  und  von  einem  neuen
kostspieligen  Behördenapparat  Abstand  genommen  wird.“
Personalien
Württemberg.  Uebertragen:  die  Stelle  eines  hochbautechnischen
  Kollegialmitglieds  bei  der  Generaldirektion  der  Staatseisenbahnen ­
  mit  den  Dienstrechten  eines  Baurats  dem  Regierungsbaumeister ­
  M.  Mayer,  Baumeister  bei  der  Baudeputation  in  Hamburg.
Verliehen:  das  Ritterkreuz  erster  Klasse  des  Friedrichsordens
dem  Eisenbahnbauinspektor  Jörg,  Vorstand  der  Eisenbahnmaschineuinspektion
  Stuttgart,  dem  Eisenbahnbetriebsinspektor  Marquardt,
Hilfsreferenten  bei  der  Generaldirektion  der  Staatseisenbahnen,  dem
Eisenbahnbetriebsinspektor  Stainl,  Vorstand  des  Fahrdienstbureaus
derselben  Generaldirektion;  die  Verdienstmedaille  des  Kronenordens
den  technischen  Eisenbahnsekretären  bei  der  Generaldirektion  der
Staatseisenbahnen  Rückle  und  Gail;  das  Verdienstkreuz  des
Priedrichsordens  dem  Oberbahnmeister  Brommer  in  Mergentheim.
Briefkasten
Anfrage.  Das  Abwasser  einer  Zellstoffabrik  soll  geklärt  werden, ­
  so  daß  es  in  ein  öffentliches  Wasser  abgeleitet  werden  kann.
Die  Zellstoffe  sollen  abgefangen  und  wieder  verwendet  werden.
Bitte  um  Angabe,  wo  solche  Anlagen  in  zweckmäßigerWeise  ausgeführt ­
  worden  sind.  H.  K.
Anfrage.  Wieviel  Prozent  Verschnitt  rechnet  man  bei  Lieferungen ­
  von  gesägtem  Bauholz  (Holzliste)  gegenüber  dem  im  Bau
ausgemessenen,  abgebundenen  Holz  (Meßurkunde)?  Gibt  es  hierfür ­
  überhaupt  eine  durchschnittliche  Erfahrungszahl?  M.  B.
Verantwortliche  Schriftleitung:  Chefredakteur  und  Herausgeber  Adolf  Fausel.
Architekt  W.  Klatte,  beide  in  Stuttgart.  Druck  :  DeutscheYerlags-Anstalt  in  Stuttgart.
            
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