30- Oktober 1909
BAUZEITUNG
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Bietigheim
Am Marktplatz
nicht zu weit zu stecken. Der Antrag Muthesius auf
Ausarbeitung der Denkschrift wurde schließlich angenommen.
Ueber die Untersuchung des Instituts für exakte Wirtschaftsforschung
und die wirtschaftlichen Bedingungen
der Qualitätsarbeit sprach Job. Buschmann, der
betonte, daß von den meisten Betrieben der Nachforschung
keine Hindernisse in den Weg gelegt wurden.
Die wissenschaftliche Bearbeitung wurde auf farbigen
Tabellen veranschaulicht, auf denen die Arbeitsteilung
und das Verhältnis von Handarbeit und Maschinenarbeit
in den verschiedenen Betriebstypen deutlich
hervortreten.
Für die Gründung eines Deutschen Museums
für Kunst in Handel und G ewerbe trat C.E.Osthaus-Hagen
i. W. sehr warm ein. Das Museum soll eine
Mustersammlung werden auf allen Gebieten, die zur
Kunst irgendwelche Beziehung haben; ein Archiv von
guten Plakaten, Katalogen, Schriften, Briefköpfen, Bucheignerzeichen,
Geschäftskarten, Packungen, Zeitungsannoncen
u. s. w. Dem Konsumenten will es ein bereitwilliger
Wegweiser sein für den Bedarf an künstlerischen
Materialien irgendwelcher Art, z. B. guten Geweben,
Tapeten, Keramiken, Gläsern und Porzellanen, Fußbodenbelegen,
Metallarbeiten, Möbeln, Kleingerät sowie für
den Rohbau von Häusern (Fliesen, Holzsorten), für
Schaufenster u. dgl. Durch Wanderausstellungen soll
die Sammlung andern Städten zugängig gemacht und
durch belehrende Vorträge erläutert werden. Nach
kurzer Erörterung wurde eine Resolution, zur Unterstützung
des Museums für ein Jahr 1000 M. zu bewilligen,
angenommen.
Nach einem Bericht über die Ausstellung architektonisch
vorbildlicher Fabrikbauten, in dem
als Aufgabe bezeichnet wurde, die typischen Formen für
die konstruktiven Grundlagen zu finden, äußerten sich
Geh. Baurat Prof. Wiekop-Darmstadt und Prof. Riemerschmidt
über Kundgebung zu dem Erlaß des preußischen
Ministers der öffentlichen Arbeiten über die wirtschaftliche
Verwendung staatlicher Geldmittel bei
Staatsbauten. Es wurde dabei getadelt, daß in letzter
Zeit zu viele Prunkbauten entstanden und eine unverhältnismäßige
Verschwendung von repräsentativem Aufwand
bei Bahnhofsbauten, Justizpalästen und ähnlichen öffentlichen
Gebäuden sich geltend machte. Es wurde beschlossen,
die Leitsätze mit einem Anschreiben den Ministerien
zu übersenden. In den Leitsätzen wird u. a.
folgende Forderung erhoben; Die Ausbildung der Architekten
ist in handwerklicher Beziehung auf die höchste
Stufe zu heben. Die verschiedenen Zweiggebiete der
Bautätigkeit, zumal die des Innenausbaues, sind bei der
Ausbildung eingehender als bisher zu berücksichtigen.
Eine gründliche Kenntnis der Baupraxis, auch nach der
wirtschaftlichen Seite hin, ist zu verlangen.
Zu einer eingehenden Aussprache führten die Mißstände
im Submission sw es en. Architekt E. Beutinger-Darmstadt
empfahl die Ausarbeitung einer Denkschrift
durch eine Kommission. Die Denkschrift, in der
alle für das Submissionswesen in Betracht kommenden
Gewerbezweige aus dem Arbeitsgebiet des Werkbunds
zu berücksichtigen sind, ist im Entwurf bis zum 1. Januar
1910 den Fachausschüssen zur Begutachtung vorzulegen.
Sie soll von der Vorstandschaft im Frühjahr
1910 unter Hinzuziehung des Ausschusses beraten und
nach Fühlungnahme mit verwandten Korporationen den
zuständigen amtlichen Stellen übermittelt werden. Die
Mitglieder des Werkbundes werden aufgefordert, der
Geschäftsstelle Material für diese Denkschrift zu übersenden.
Des weiteren wurde ein Antrag auf Schaffung
eines kunstgewerblichen Arbeitsnachweises
angenommen und schließlich einer Resolution zugestimmt,
in der die Vorstandschaft gebeten wird, in
einer aufklärenden Flugschrift Vereine, Korporationen,
Ausstellungen u. s. w. auf den erfreulichen Aufschwung
der Medaillenkunst und der Gold- und Silherarbeiten
Deutschlands hinzuweisen, und Korporationen aufzufordern,
ihre Anträge im Sinne einer Qualitätssteigerung
zu vergeben.
Die Absichten und das Wesen des Werkhundes
kennzeichnen am besten eine Reihe von Unternehmungen,
die nach ausgiebiger Vorarbeit jetzt in die Wege geleitet
sind. Als wichtigste ist die deutsche Abteilung auf der
Weltausstellung Brüssel 1910 zu nennen. Der
Anteil des Werkbundes beruht darauf, die Abteilung
Raumkunst und Kunstgewerbe zum ersten Male
auf einer Weltausstellung nach rein sachlichen Gesichtspunkten
zu ordnen. Es werden Wohn- und Festräume,
nach ihrer Zusammengehörigkeit in Gruppen und Einzelgegenstände
nach Materialgruppen geordnet, vorgeführt.
Ferner wurde in der Abteilung der allgemeinen Industrieausstellung
eine möglichst enge Verbindung von Kunst
und Industrie erstrebt. Den Grundrißplan hat Prof.