Volltext : Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1909)

6.  November  1909

BAUZBITUNö

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Zuhörer  ins  alte  Etruskerland,  zur  hochgelegenen  Burgstädt ­
  Bagnarea,  zu  den  etruskischen  Felsengräbern  von
Norchia  und  in  die  Grabkammern  zu  Cervetri.  An  den
stehengelassenen  Felsenpfeilern  sind  die  Waffen  des  Toten
in  Stein  ausgemeißelt  dargestellt;  die  Pfeiler  selbst  haben
oben  kapitellartig  Vorgesetzte  Motive,  wie  sie  in  kleiner
Ausführung  aus  Edelmetalldrabt  auch  in  Mykenä  u.  a.  O.
gefunden  worden  sind.  Es  folgten  Abbildungen  verschiedener ­
  Helme,  so  eines  etruskischen  mit  seitlich  herabhängenden ­
  Boßschweifen;  eines  alexandrinisch-hellenistischen,
  der  vorn  mit  dem  schlangenhaarigen  Medusakopf
ausgestattet  und  an  den  Wangen  von  einem  beflügelten
Sphinx  mit  gebartetem  Mannskopf  und  phrygischer  Mütze
geschmückt  ist;  endlich  eines  erzenen  Gladiatorenhelms
aus  der  Zeit  des  Kaisers  Claudius,  der  ebenfalls  herrlich ­
  verziert  ist.  Weitere  Arbeiten  des  alten  „Erztektons“
  zeigten  dreifüßige,  aus  Stäben  zusammengesetzte
oder  aus  Erzblechen  trapezförmig  ausgeschnittene  Leuchter ­
  und  Weihrauchträger,  die  zum  Zeichen  ihrer  Beweglichkeit ­
  auf  Tierbeinen  und  Schildkröten  stehen.  Die
Weihrauchkessel  sind  aus  Erzblech  gehämmert,  einfach
oder  gesimst,  mit  überneigender  Ein-  und  Ausgußlippe.
Die  Schäfte  dazu  sind  aus  Erzblech  röhrenförmig  zusammengebogen, ­
  vernietet,  verlötet,  verteilt,  geglättet,
blank  gemacht  und  mit  Bundringen,  Spangen  sowie
flachen  Bingscheiben  besetzt.  Wird  bei  den  letzteren
der  Band  aufwärts  oder  abwärts  gehämmert,  so  entsteht
eine  Schalenform  von  bestimmtem  Profil,  und  damit  ist
bei  weiterer  Ausbildung  der  üebergang  zu  einem  vollständigen ­
  Erzring-Gesimswerk  gegeben.  Derartige  Gesimszüge ­
  sind  zum  Beispiel  als  kapitellartige  Bundringe  um
die  Mittelsäule  des  Löwentors  zu  Mykenä  zu  finden.
Der  dorische  Tempel  beruht  auf  dem  Holzbauwerk  des
Zimmermanns  mit  dessen  grundständigen  Stammformen,
nämlich  Deckplatten  auf  dem  Hirnholz  mit  Auflageerbreiterung ­
  für  das  Längsbalkenwerk  (Architrav),  Stichbalkenköpfen(Ti'iglyphen),Balkenfachen(Metopen),weiterer

Balkenlage  sowie  Dachgebälk  und  ist  von  hier  aus  zu
einer  Monumentalarchitektur  in  Stein  übertragen  worden.
Das  dorische  Kapitellgesims  wird  Echinos  genannt  und
ahmt  in  seiner  Form  das  Scbalengehäuse  des  Seeigels
nach,  das  kreisrund  wulstartig  aus  den  kohlensauren
Kalkausscheidungen  des  Tieres  kristallisiert.  Weitere
dorische  Säulenformen  mit  mannigfaltig  ausgebildeten
Kapitellen,  wie  sie  wahrscheinlich  im  kleineren  Tempelund
  Wohnhausbau  üblich  waren,  wurden  an  einer  Beihe
griechischer  Yasenbilder  aufgezeigt.  Insbesondere  aber
wurde  die  Entwicklung  der  jonischen  Kapitellinie,  über
die  der  Vortragende  eine  besondere  Abhandlung  veröffentlichen ­
  will,  eingehend  erläutert.  Als  lehrreiches
Schlußbeispiel  diente  schließlich  ein  kleines  römisches
Marmorkapitell  aus  dem  Lateran-Museum  zu  Bom,  das  in
seiner  ganzen  Ausbildungsweise  wiederum  deutlich  auf
den  Erztekton  als  feinsten  Vorbildner  für  den  Marmorbildhauer ­
  hinweist.  —  Unter  dem  Beifall  der  Anwesenden ­
  dankte  Baurat  Kräutle  dem  Bedner  für  seine  anregenden ­
  und  gedankenreichen  Mitteilungen,  insbesondere
für  die  prachtvollen  Lichtbilder,  und  schloß  alsdann  den
wissenschaftlichen  Teil  des  Abends.  W.
Deutscher  Arbeitgeberbund  für  dasBaugewerbe.
E.  V.  Diejenigen  Landes-,  Bezirks-  und  Ortsverbände,
welche  die  am  22.  Juni  d.  J.  ausgesandten  Fragebogen ­
  noch  nicht  beantwortet  und  zurückgegeben  haben,
werden  dringend  um  Erledigung  ersucht.  Dem  Bund
ist  die  Anfertigung  statistischer  Vorlagen  nur  möglich,
wenn  er  das  erforderliche  Material  rechtzeitig  von  den
Unterverbänden  erhält.  —  Am  5.  November  findet  in
Hannover  eine  Konferenz  von  Vertretern  des  Deutschen
Arbeitgeberbundes  für  das  Baugewerbe  und  des  Verbandes
vereinigter  Baumaterialienhändler  Deutschlands  statt.
Der  Gesell.  Liederkranz  der  K.  Baugewerkscbule
  Stuttgart  hielt  am  2.  Oktober  seine  Generalversammlung ­

  in  der  Liederhalle  für  das  Wintersemester
1909/10  ab.  Herr  Bauwerkmeister  Breig,  Vorstand  des
A.H.,  eröffnete  die  Versammlung  mit  einer  Begxüßung;
hierauf  fanden  die  Neuwahlen  statt  und  führten  zu
folgendem  Ergebnis:  Vorstand  P.  Schindler,  Vizevorstand
Gunst,  und  folgende  Ausschußmitglieder:  Abele,  Deufel.
Ehinger,  Fleck,  Imberger,  Huber,  Beich,  Scholl,  Seybold.
Wettbewerbe
Erweiterung  der  Stadt  Saarbrücken.  Bei  dem
unter  deutschen  Städtebaukünstlern  ausgeschriebenen
Wettbewerb  zur  Erlangung  von  Bebauungsplänen  für  die
Erweiterung  der  Stadt  Saarbrücken  errangen  unter  der
zahlreichen  Bewerberzahl  (über  50)  Bauinspektor  Eberhardt
  und  Begierungsbaumeister  He  ne  s-Stuttgart  den
I.  Preis  (1200  M.),  den  II.  Preis  (800  M.)  erhielt
J.  Baith,  Ingenieur-  und  Vermessungsbureau,  Mannheim,
den  III.  Preis  (600  M.)  Techniker  J.  Grotzinger  und
Geometer  J.  W  eyer,  Tiefbauamt  Mainz.  Drei  Entwürfe
wurden  zum  Ankauf  empfohlen.
Entwässerung  des  Itterbachgebiets.  Zu  dem
in  Nr.  41  veröffentlichten  Preisausschreiben  wird  ergänzend ­
  mitgeteilt,  daß  die  Frist  für  Einreichung  der
Entwürfe  und  Gutachten  bis  einschließlich  1.  April  1910
verlängert  ist.  Außerdem  werden  jetzt  für  sämtliche  beteiligten ­
  Gemeinden  die  Planunterlagen  einheitlich  zusammengestellt ­
  und  ergänzt,  die  gegen  Erstattung  der
Herstellungskosten  vom  Stadtbauamt  Hilden  zu  beziehen
sind.  Den  Bewerbern  wird  dadurch  ihre  Arbeit  wesentlich ­
  erleichtert.
Kleine  Mitteilungen
Württ.  Kunstverein  Stuttgart.  Neu  ausgestellt:
Kampf  um  die  Standarte  von  Th.  Bocholl;  Am  Kamin
von  Josse  Goossens;  Die  Versuchung  des  heil.  Antonius,
Danaiden,  Die  Nacht  von  W.  Brandenburg;  vier  Porträte
von  O.  Michaelis;  Eine  Kollektion  Landschaften  von
E.  Mtiller-Bernburg;  drei  Gemälde  von  B.  Seemann;  fünf
Stilleben  von  M.  Weger;  vier  Gemälde  von  Gl.  Schlesinger;
Ariern,  Interieur  (Zeichnung)  von  M.  Breyer;  Ananas
und  Erdbeeren  von  Anna  Peters;  Japanische  Schleierfische ­
  von  H.  Gaukel;  zwei  Stilleben  von  E.  Lentz;
Doppelporträt,  Landschaft,  acht  plastische  Arbeiten  in
Marmor,  Bronze,  Holz  von  Melchior  v.  Hugo;  zwei
plastische  Arbeiten  in  Bronze  von  Juß  Bennewitz,  acht
Aquarelle,  sechs  Federzeichnungen  von  Andre  Lambert,
u.  s.  w.
Stuttgart.  Das  aus  den  Ueberschüssen  der  letztjährigen ­
  Bauausstellung  erbaute  neue  Ausstellungsgebäude ­
  gegenüber  dem  Landesgewerbemuseum  wird,
wie  der  „St.-Anz.“  berichtet,  in  einigen  Wochen  fertig
sein.  Mitte  nächsten  Monats  wird  in  demselben  als  erste
Ausstellung  die  Wanderausstellung  des  Württ.  Kunstgewerbevereins ­
  eröffnet  werden,  die  dann  von  Mitte  Januar ­
  ab  von  verschiedenen  andern  Kunstgewerbevereinen
im  Beiche  ansgestellt  werden  wird.  —  Die  Gemeindekollegien ­
  haben  beschlossen,  daß  mit  dem  Bau  des
neuen  Gewerbeschulgebäudes,  das  an  die  Ecke
der  Jobst-  und  Weimarstraße  zu  liegen  kommt,  sofort
begonnen  werden  soll.  Der  Bau  erfordert  ohne  Gelände
einen  Kostenaufwand  von  rund  500  000  M.,  wozu  noch
60  000  M.  für  Innenausstattung  und  Mobiliar  kommen.
Das  neue  Gewerbeschulhaus,  das  durch  die  Verabschiedung ­
  des  Gesetzes  über  die  Gewerbe-  und  Handelsschulen
notwendig  geworden  ist,  wird  21  Lehrzimraer,  15  Zimmer
für  Lehrer,  1  Musiksaal,  1  Lese-  und  Bibliotheksaal  umfassen, ­
  im  Erdgeschoß  sollen  Werkstätten  eingerichtet
werden.  Bis  zum  Herbst  nächsten  Jahres  soll  der  Bau
seinem  Zweck  übergeben  werden.
Naturschutzpark.  Ende  vorigen  Monats  fand  in
            
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