Volltext : Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1909)

6.  Februar  1909

BAUZEITUNG

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Die  so  geteerten  Straßen  halten  nahezu  ein  ganzes  Jahr.
Die  Stauhhildung  wird  dabei  außerordentlich  vermindert.
Da  durch  den  Teer  eine  ganz  geschlossene  Straßenfläche
erzielt  wird,  so  kann  auch  das  Wasser  kaum  mehr  eindringen,
  es  wird  dadurch  die  Abnützung  des  Straßenkörpers ­
  seihst  wesentlich  vermindert.
Wir  haben  auch  die  bekiesten  Gehwege  mit  Teer
behandelt  und  haben  damit  sehr  gute  Resultate  erzielt.
Bei  dem  nebligen  Wetter  der  letzten  Wochen  hat  es
sich  ganz  besonders  gezeigt,  weiche  Vorteile  die  Teeruug
einer  Straße  bietet.
Während  auf  den  nicht  geteerten  Straßenstrecken
durch  den  Nebel  die  Chaussierung  sich  in  einem  trostlosen ­
  Zustand  befand,  da  ein  furchtbarer  Schmutz  sich
bildete,  war  dies  hei  den  geteerten  Straßen  in  keiner
Weise  bemerkbar.
Auch  die  Gehwege  waren  in  dieser  Zeit  tadellos  und
beinahe  wie  Asphaltgehwege.
Es  kann  also  die  Teerung  von  Straßen  und  bekiesten
Gehwegen  in  jeder  Beziehung  empfohlen  werden.  M.
Y  er  einsmitteilungen
Württ.  Baubeamten-Verein.  Anträge  für  die  am
7.  März  d.  J.  in  Ulm  stattfindende  Mitgliederversammlung
sind  bis  15.  Februar  d.  J.  an  den  Vorstand  Palm,  Bahnhofstraße ­
  17  in  Stuttgart,  einzusenden.  —  Nach  dem
Entwurf  des  württ.  Hauptfinanzetats  für  1909  und  1910
sind  für  die  mittleren  ßaubeamten  noch  weitere  neue
Stellen  vorgesehen:  Im  Etat  des  Ministeriums  der  auswärtigen ­
  Angelegenheiten,  Verkehrsabteilung.  Kap.  118.
Eisenbahnen.  Pro  1909:  eine  technische  Oberbahnsekretärstelle, ­
  eine  Bahnmeisterstelle  im  Bauinspektiousbezirk
  Reutlingen,  eine  Bahnmeisterstelle  im  Bauinspektionsbezirk ­
  Heilbronn  für  die  Verwaltung,  Beaufsichtigung ­
  und  Unterhaltung  der  Dienstwohngebäude
daselbst,  eine  technische  Eisenbahnsekretärstelle  bei  dem
Bahnbautechnischen  Bureau  und  fünf  technische  Eisenbahnsekretärstellen, ­
  wovon  je  eine  bei  den  Bauinspektionen
Calw,  Crailsheim,  Jagstfeld,  Pforzheim  und  Stuttgart,
und  pro  1910:  eine  Bahnmeisterstelle  im  Bauinspektionshezirk
  Weikersheixn  auf  den  Zeitpunkt  der  Inbetriebnahme
der  Linie  Weikersheim—Kreglingen,  eine  Bahnmeisterstelle ­
  für  die  neu  zu  eröffnende  Linie  Schorndorf—Welzheim, ­
  eine  technische  Eisenbahnsekretärstelle  bei  dem
Bahnhautechnischen  Bureau,  drei  technische  Eisenbahnsekretärstellen, ­
  wovon  je  eine  bei  den  Bauinspektionen
Balingen,  Hall  und  Heidenheim.
Akad.  Architekten-Verein  „Motiv“,  Stuttgart.
Die  letzten  Vereinsabende  brachten  uns  zwei  interessante
Reisevorträge  von  aktiven  Mitgliedern.  Am  Freitag,
22.  Januar,  hielt  Mitglied  Leuzinger  einen  Vortrag  über
Florenz  und  seine  Bauten,  und  acht  Tage  später  berichtete
Mitglied  Eger  über  seine  Studienreise  durch  das  südöstliche ­
  Frankreich  bis  Paris  mit  den  gothischenKathedralbauten.
  Beide  Vorträge  waren  durch  ein  reiches  Bildermaterial ­
  anschaulich  illustriert.
Deutscher  Arbeitgeherbund  für  das  Baugewerbe.
Dem  Bund  sind  in  neuerer  Zeit  26  Verbände  beigetreten,
und  zwar  aus  Ostpreußen,  Provinz  Sachsen,  Königreich
Sachsen,  Hamburg,  Hannover,  Westfalen,  Rheinland,
Thüringen,  Nord-  und  Südbayern.
Wettbewerbe
Umgestaltung  der  Obertoi’straße  in  St,  Johann ­
  a.  d.  S.  Es  sind  48  Entwürfe  eingegangen.  Das
Preisgericht  hat  die  zur  Verfügung  stehende  Gesamtsumme ­
  von  4600  M.  in  drei  gleichen  Preisen  von  je
1500  M.  wie  folgt  verteilt;  1.  dem  Entwurf  des  Regierungsbauführers ­
  Fr.  Zollinger,  Architekten  in  Dieburg-Hessen;
2.  dem  Entwurf  des  Architekten  H.  Bernoulli-Berlin;

3.  dem  Entwurf  des  Architekten  Fr.  Hübinger-Darmstadt.
Zum  Ankauf  empfohlen  sind  die  Entwürfe  von  H.  Stumpf,
Assistenten  an  der  Technischen  Hochschule  in  Darmstadt,
des  Architekten  Pr.  Berger-Friedenau  bei  Berlin.
Kurhaus  in  Warnemünde.  Ein  Wettbewerb  um
Vorentwürfe  für  ein  Kurhaus  im  Ostseebade  Warnemünde
wird  unter  den  reichsdeutschen  und  im  Deutschen  Reiche
ansässigen  Architekten  mit  Frist  bis  zum  31.  Mai  1909
ausgeschrieben.  Die  Unterlagen  sind  gegen  Einsendung
von  5  M.  von  der  Bade  Verwaltung  von  Warnemünde  in
Rostock  zu  beziehen.  Den  Binliefereru  von  Entwürfen
werden  diese  5  M.  zurückerstattet.  Drei  Preise  von
3000,  2000  und  1000  M.  stehen  zur  Verfügung.  Der
Ankauf  von  drei  weiteren  Entwürfen  für  je  500  M.
bleibt  Vorbehalten.  Das  Preisgericht  besteht  aus  Professor
M.  Dülfer-Dresden,  Baudirektor  G.  Hamann-Schwerin,
Baudirektor  P.  Ehmig-Schwerin,  Senator  J.  Paschen-Rostock,
  Rentner  L.  Berringer-Rostock.
Kleine  Mitteilungen
Württ.  Kunstverein  Stuttgart.  Neu  ausgestellt  :
Große  Kollektion  Gemälde  von  Karl  Schickhardt;  Kollektion ­
  „Die  Freunde“  (Gemälde  von  F.  Hafner,  J.  Kurz,
G.  Lebrecht,  E.  Stammbach);  Porträt  von  H.  v.  Angeli;
drei  Porträte  von  E.  E.  Ratli;  Miß  Allen  von  Otto
Marcus;  fünf  Gemälde  von  F.  M.  Bredt;  Erholungsstündchen ­
  von  L.  Noster;  Gemälde  von  J.  Engel;  Ratsstube ­
  von  M.  Volkhart;  Interieur  von  A.  v.  Brandis;
Das  träumende  Haus  von  C.  Albrecht;  Johannes  der
Täufer  (Bronzestatuette)  von  D.  Stöcker  u.  s.  w.
Stuttgart.  Der  Umbau  des  Stuttgarter  Hauptbahnhofs ­
  macht  es  notwendig,  daß  die  von  der  Stadt  auf  der
Prag  errichtete  Versuchskläranlage  verlegt  wird.
Mit  dem  Bau  einer  neuen,  die  bei  der  Gasfabrik  in  Gaisburg
  ihren  Platz  finden  wird,  muß  sofort  begonnen  werden.
Die  Kosten  der  neuen  Versuchskläranlage  werden  laut
Staats-Anz.  mit  36  000  M.  berechnet,  wovon  von  der
Eisenbahn  Verwaltung  28000  M.  als  Ersatz  für  die  alte
Kläranlage  getragen  werden.  Die  fehlenden  7000  M.
sind  vorhanden.  Die  höheren  Posten  werden  dadurch
verursacht,  daß  die  neue  Anlage  mit  einem  Fassungsraum
von  300  cbm  angelegt  wird,  während  die  alte  einen  solchen
von  nur  170  cbm  hatte.
Ueber  Talsperren  verbreitete  sich  im  Württ.  elektrotechnischen ­
  Verein  Prof.  Dr.-Ing.  R.  Weyrauch  von  der
Kgl.  Technischen  Hochschule.  Als  die  Zwecke,  welchen
Talsperren  zu  dienen  haben,  lassen  sich  bezeichnen  Wasserversorgung, ­
  Bewässerung,  Hochwasserschutz,  Speisung
von  Schiffahrtskanälen,  Erhöhung  des  Niederwassers  schiffbarer ­
  Ströme.  Württemberg  zeigt  keine  für  Talsperren
besonders  geeignete  Formation.  Nach  dem  Material  der
Sperren  unterscheidet  man  im  wesentlichen  Dämme  und
Mauern.  Letztere  sind  besonders  in  Deutschland  bevorzugt, ­
  während  andre  Staaten  lieber  Dämme  hauen.
Das  Problem  der  zweckmäßigsten  Anlage  der  Talsperren
hat  in  den  letzten  Jahren  manche  Fortschritte  erfahren,
wenn  auch  eine  glatte  Lösung  desselben  bis  heute  noch
nicht  geglückt  ist.  Der  Redner  besprach  weiter  den  Aushub ­
  der  Baugrube,  die  Vorkehrungen  zur  Errichtung  und
Entwässerung  der  Sperren,  die  Entnahmeeinrichtungen
und  Ueberläufe  sowie  die  Kosten  der  Anlagen  und  die
Veränderung  des  Landschaftsbilds  durch  Sperrenbauten.
Er  sprach  sich  dahin  aus,  daß  man  heute  ohne  architektonische ­
  Zutaten  die  große  Wirkung  der  Staumauern
durch  einfache  Linienführung  zu  erzielen  suchen  müsse.
In  seinem  Schlußwort  wies  er  auf  die  allumfassende  Bedeutung ­
  einer  rationellen  Wasserwirtschaft  für  die  Landeskultur ­
  und  damit  für  die  Konkurrenzfähigkeit  auf  dem
Weltmarkt  hin.  Auf  diesem  Gebiet  stellt  namentlich  die
Benutzung  der  Talsperren  eine  von  der  Allgemeinheit
heute  kaum  vorauszusehende  Entwicklung  in  Aussicht.
            
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