Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1909)

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BAUZBITUNG 
Nr. 6 
Eine größere Anzahl von Lichtbildern erläuterte den 
Vortrag. 
Friedrichshafen. Auf dem neuerworbenen Areal 
am Riedlepark wird sich, wie wir einem Bericht des 
Schwab. Merkur entnehmen, in Bälde eine umfassende 
Bautätigkeit entwickeln. Die Doppelluftschiffhalle 
und die Fabrikueuhauten sind bereits an die Firma 
Aktiengesellschaft Brückenbau Flender in Benrath über 
tragen. Architekt Prof. Bonatz - Stuttgart hat nun die 
Entwürfe für das Verwaltungsgebäude mit Direktor 
wohnung, wie auch für das Portierhaus fertig gemacht 
und die bürgerlichen Kollegien haben das Baugesuch der 
Gesellschaft genehmigt. Diese Gebäude werden eine weitere 
Zierde der Stadt werden. Die Entwürfe berücksichtigen 
nicht nur die Forderung der Zweckmäßigkeit, sondern 
auch die der Repräsentation. Mit dem Bau des Industrie 
gleises neben der neuerbauten Kanalstraße geht es voran. 
Die Akustik großer Säle, deren Vorherbestimmung 
ein noch ungelöstes Problem ist, bespricht in der „Frkf. 
Ztg.“ Dr. Oskar AVolf, wobei er, gestützt auf verschiedene 
Beispiele, zu dem Schluß gelangt, daß zur Erzielung einer 
guten Akustik in Sälen von rechteckigem Grundriß deren 
Verhältnis von Länge: Breite: Höhe sich möglichst der 
Proportion 3:2:1 nähern müsse. Als Beispiel mit sehr 
guter Akustik nennt Dr. AVolf unter andern die Festhalle 
des letzten Frankfurter Turnfestes, in der trotz ihrer 
Größe (100:60:30 m) sowohl das gesprochene AVort wie 
auch die leisesten Töne der Musikinstrumente außer 
ordentlich weit vernehmbar waren. Eine ebenfalls sehr 
gute Akustik zeigt der große Saal des Frankfurter Saal 
baues, dessen Länge 42,7 m zur Höhe 14,3 m sich genau 
wie 3:1 verhält, nur ist dessen Breite mit 16,3 m ver 
hältnismäßig zu gering; der Saal habe infolgedessen auch 
zwei Brennpunkte größter Intensität der Akustik. 
Personalien 
Baden. Ernannt: zu Regierungsbaumeistern die Bauprak 
tikanten G. Ziegler -Stuttgart, K. Siebold -Salem, E. Araann- 
Donaueschingen, R. Ed e Im a i er - Heidelberg, K. Kneucker- 
Ziegelhausen, AV. Steinmetz -Durlach. 
Bücher 
Jahrbuch der Innung. Bund der Bau-, Maurer- und Zimmer- 
meister zu Berlin, zugleich ein Führer durch das baubehürdliche 
und baugewerbliche Groß-Berlin, im Aufträge des Vorstandes be 
arbeitet vom Geschäftsführer der Innung. Sechster Jahrgang für 
das Geschäftsjahr 1908/09. Preis 2 M. (Porto 20 Pf.). Der erste 
Teil des Buches enthält technische Abhandlungen, der zweite ist 
der Wirtschaftspraxis gewidmet, der dritte Teil des Jahrbuches wird 
gebildet durch das neue Mitglieder- und Kommissionenverzeiohnis 
der Innung, und als vierter Teil folgt ein baugewerblicher Bezugs 
quellennachweis. Das Buch, das in seinen wissenschaftlichen Auf 
sätzen manche Winke gibt, ist ein wertvolles Handbuch für die 
bautechnischen Kreise durch die exakte und vollständige Angabe 
aller technischen Behörden, behördlichen Institutionen, Korporationen 
und Vereine von Groß-Berlin und dürfte auch von den Bauinteressenten 
fleißig benutzt werden. 
Brücken ans Holz. Von Ingenieur Prof. Gottfried Koll, Ober 
lehrer an der Kgl. Baugewerkschule zu Münster i. W. (Bibliothek 
der gesamten Technik, 78. Band.) Mit 176 Abbildungen. Broschiert 
2,20 M., in Ganzleinen gebunden 2,60 M. (Hannover 1908, Dr. Max 
Jänecke, Verlagsbuchhandlung.) Der vorliegende Band behandelt 
die Brücken aus Holz, er erwähnt alles, was zur Herstellung ein 
facher Brücken erforderlich ist, bespricht und erklärt die Einzelheiten 
aller derartigen und hauptsächlich der noch jetzt aufgeführten Bau 
werke und liefert eine Anzahl Skizzen, die das Verständnis erleichtern 
und zu einer Anwendung des Vorgebrachten anregen sollen. Ein 
besonderer Vorteil ist, daß die Skizzen durchweg maßstäblich 
gezeichnet sind. Vielfach wurden noch nicht veröffentlichte Zeich 
nungen von Eisenbahnverwaitungen und Wasserbauinspektionen 
ausgeführter Bauwerke, die dem Verfasser zugänglich waren, für 
die Skizzen verwandt. Wertvoll sind auch die Anführung eines 
Kostenanschlages und die Beigabe einer Massenberechnung. Aus 
der Praxis für die Praxis geschrieben, wird es nicht nur Fachleuten 
gute Dienste leisten, sondern auch allen Interessenten willkommen 
sein. Unter der Presse befindet sich vom gleichen Verfasser ein Band 
über „Brücken aus Stein“, dem wir mit Interesse entgegensehen. 
Holzhaukunst am deutschen Bttrgerhause. Von Architekt 
P. Nantke, Kgl. Oberlehrer. (Bibliothek der gesamten Technik, 
elfter Band.) Mit 120 Abbildungen. Broschiert 2,60 M., in Ganz 
leinen gebunden 3 M. (Hannover 1909, Dr. Max Jänecke, Verlags 
buchhandlung.) Ein prächtiges Buch, sowohl hinsichtlich seines 
textlichen Inhalts als auch in seiner Ausstattung. Wer in irgend 
einem Materiale gestalten will, für den genügt es nicht, die Ver 
gangenheit in ihren bezüglichen formalen Leistungen zu studieren, 
sondern er muß sich über das Wesen und die stofflichen Eigen 
schaften des Materials unterrichten, da diese die Grundlage der 
formalen Gestaltung und der Fügung bilden. In dieser Würdigung 
ist die Einteilung des Stoffes in der Weise vorgenoramen, daß zu 
nächst kurz die Eigenschaften des Bauholzes und seine Technik be 
sprochen werden, um dann an praktischen Beispielen zu zeigen, 
was mit dem Holz im ganzen und im einzelnen geleistet werden kann. 
Ein sehr reichhaltiges, mit feinem Verständnis gewähltes Illustrations 
material unterstützt den Zweck des Buches in trefflicher Weise. 
Die Geschichte des Dachwerks, erläutert an einer großen 
Anzahl mustergültiger alter Konstruktionen von Friedrich Osten 
dorf, Professor an der Technischen Hochschule zu Karlsruhe. (Ver 
lag von B. G. Teubner, Leipzig. Preis geheftet 28 M.) Ein ge 
diegenes, wertvolles Werk ist es, das hier vorliegt. Jeder Architekt 
und Baubeflissene, wie auch jeder Kunsthistoriker, der seine Stellung 
zu den Gesetzen der Baukunst an der Ueberlieferung von Werken 
alter Zeiten schulen will, und insbesondere alle diejenigen unter 
•ihnen, die einst das Glück genossen, als Lernende zu den Füßen 
des kürzlich verstorbenen Professors Schäfer zu sitzen und sich von 
ihm das Verständnis für wahre, sachgemäße Baukunst aufschließen 
zu lassen, werden diese Arbeit mit Freuden begrüßen. Der Um 
stand, daß der Verfasser selbst aus der Schule Schäfers hervor 
gegangen ist, dessen Nachfolger im Lehramte er nun auch geworden 
ist, verspricht etwas besonders Gutes, und diese Erwartung wird 
nicht getäuscht. Mit derselben Klarheit, Unzweideutigkeit und 
Logik, mit der Schäfer arbeitete, ist der inhaltsreiche Stoff gesichtet 
und behandelt. Eine Geschichte des Dachwerks kann ja naturgemäß 
nichts andres sein als eine Betrachtung der Werke, die uns aus 
Altertum und Mittelalter erhalten sind, da ja die baugesohichtliohe 
Entwicklung mit dem achtzehnten Jahrhundert überhaupt aufgehört 
hat. Nach einem einleitenden Kapitel bespricht der Verfasser in 
drei Abschnitten erst das germanische Kehlbalkendaohwerk, dann 
die Pfettendachwerke römischer und germanischer Art und die 
sichtbaren und offenen Dachwerke römischer und germanischer Art. 
Diesen folgen noch drei weitere Kapitel über die Konstruktion der 
Pult-, Walm- und Zeltdächer, vom Dachwerk der Turmhelme und 
von den Dachreitern. Was das Werk besonders wertvoll macht, 
sind die dem Texte eingefügteu zahlreichen Abbildungen, die sich 
durch die klare, nur das Notwendige umfassende, aber auch nichts 
was zum Verständnis nötig wäre versäumende Art der Wiedergabe 
auszeichnen. Bis auf wenige Ausnahmen sind alle Beispiele aut 
Grund eigner Anschauung des Verfassers besprochen, und die Sach 
lichkeit und Logik, mit der das geschehen ist, zeigen uns im Ver 
fasser eine Autorität erster Kraft. Wir freuen uns, daß durch ihn 
das geistige Erbgut Schäfers übernommen wurde und weitergebildet 
wird, und daß er in diesem Werk, das er seihst seinem verehrten 
Lehrer gewidmet hat, diesem ein bleibendes geistiges Denkmal ge 
setzt hat. H. S. 
Briefkasten 
Anfrage. Welche Gebühr pro Stunde wird von den württ. 
Amtsgerichten an Oberamts- oder Stadtbaumeister ohne Privat 
geschäft ausbezahlt, wenn sie als Sachverständige beigezogen werden ? 
Um entsprechende Mitteilung von Kollegen wird gebeten. B. M. 
Verantwortliche Schriftleitung: Chefredakteur und Herausgeber Adolf Fausel. 
Architekt W.Klatte, beide in Stuttgart. Druck : DeutscheVerlags-Anstalt in Stuttgart
	        

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