Volltext: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1913)

25  Oktober  1913

BAUZEITUNG

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wäre.  Es  wird  wohl  auch  kaum  angenommen  werden
können,  daß  sich  für  diesen  Typ  für  die  einzelnen  Landesstriche ­
  jeweils  ein  charakteristischer  Grundriß  herausbilden ­
  wird.  Die  Wettbewerbsarbeiten  haben  dies  auch
bestätigt,  da  immer  und  immer  wieder  die  gleichen  Grundrisse ­
  sich  wiederholten,  lediglich  mit  ein  paar  Abänderungen ­
  im  Aufbau.  Dieser  zeigte  im  Allgemeinen  durch
Anlehnung  an  Altes  die  typischen  Bilder.  Besonders  der
Schwarzwaldtyp,  welcher  bekanntlich  am  ausgeprägtesten
ist,  war  am  geläufigsten.  Weniger  Gutes  bezw.  Charakteristisches ­
  brachte  Oberschwaben.  Mißlungen  scheint
uns  hier  der  Versuch,  in  die  Form  eines  alten  Bauernhauses ­
  den  Grundriß  eines  Arbeiterdoppelhauses  zu
zwängen.  Wo  bleibt  da  die  Charakteristik  des  Doppelhauses? ­
  Wir  glauben,  solches  Tun  ist  nicht  der  eigentlichste ­
  Sinn  der  Pflege  heimischer  Bauweise.
Die  einzelnen  Arbeiten  sind  zum  verschwindend  kleinen ­
  Teil  wirklich  brauchbar  und  hat  der  Wettbewerb  deutlich ­
  gezeigt,  daß  die  Weisheit  der  heimischen  Bauweise
noch  nicht  aufs  Land  hinausgedrungen  ist,  da  von  dort
verhältnismäßig  das  wenigste  Brauchbare  geliefert  wurde.

Widersinnig  war  auch  eine  Bestimmung  bei  den  Arbeiterhäusern. ­
  Es  waren  da  drei  Zimmer  im  Erdgeschoß  vorgeschrieben, ­
  mit  welcher  Begründung  ist  jedoch  nicht  zu
verstehen,  nachdem  bei  den  größeren  Typen  A  und  B  jeweils ­
  nur  zwei  Zimmer  im  Erdgeschoß  verlangt  waren
und  in  der  Praxis  auch  üblich  sind.  Es  wird  doch  wohl
dem  Arbeiter  nicht  der,Salon'zugesprochen  werden  wollen!
Die  Ausstellung  der  Arbeiten  wird  wohl  keinen  Zweifel ­
  darüber  lassen,  in  welchem  Sinne  unsere  Leute  auf  den
Baugewerkeschulen  unterrichtet  werden  müssen,  um  später ­
  solche  Aufgaben  in  sinngemäßer  Weise  lösen  zu  können. ­
  Zu  einem  solchen  Unterricht  sind  Lehrer  nötig,  die
das  landwirtschaftliche  Bauwesen  tatsächlich  aus  jahrelanger ­
  Praxis  verstehen  und  nicht  nur  theoretisch  vorgebildet ­
  sind.  Bei  den  vielen  landwirtschaftlichen  Bauten,
die  jahraus  jahrein  von  den  den  Baugewerkeschulen  entstammenden ­
  Technikern  erstellt  werden,  erscheint  die
Förderung  der  besten  Lehrkräfte  für  dieses  Fach  nicht
mehr  als  billig.
Historische  Formen  (Barok  etc.),  welche  allem  Anschein ­
  nach  heute  noch  nicht  ganz  überwunden  sind,  soll-Abb.

  7.  Garnmarkt  in  Dunster

Teilweise  wurden  die  einfachsten  Forderungen  für  einen
landwirtschaftlichen  Betrieb,  z.  B.  Lage  des  Stalles  zu  den
Futterräumen,  Lage  der  Küche  neben  der  Wohnstube,  um
von  der  Küche  aus  heizen  zu  können,  außer  Acht  gelassen.
Ja  selbst  von  berufener  Seite  wurden  Entwürfe  geliefert,
über  die  jeder  Bauer  ein  vernichtendes  Urteil  fällen  würde.
Es  sei  hier  auch  noch  bemerkt,  daß  sich  das  Preisgericht
einige  Freiheiten  erlaubt  hat,  insofern,  als  es  sich  nicht
streng  an  die  Vorschriften  und  Angaben  des  Programms
gehalten  hat.  Für  eine  Type  waren  beispielsweise  im
Erdgeschoß  zwei  Zimmer  verlangt.  Ein  bewerteter
Entwurf  zeigt  jedoch  nur  ein  Wohnzimmer  im  Erdgeschoß ­
  und  das  zweite  —  Schlafzimmer  —  im  Dachstock.
Abgesehen  davon,  daß  der  Entwurf  das  Programm  nicht
erfüllt,  erscheint  eine  stockweise  Trennung  von  Wohnund
  Schlafzimmer  nicht  zulässig.  Diese  Freiheiten  des
Preisgerichts  sind  wohl  nur  auf  das  rasche,  fast  möchte
man  sagen  allzurasche  Arbeiten  des  Richtens  zurückzuführen. ­
  Der  Aufstellung  des  Programms  selbst  lagen  nicht
gerade  hervorragende  Kenntnisse  auf  dem  Gebiet  der
landwirtschaftlichen  Baukunde  zu  Grunde,  da  auch  die
event.  Zulassung  des  Stalles  unter  einer  Wohnung
hätte  vermieden  werden  müssen.  Daß  Barn  zugleich
nicht  Futterraum  sein  kann,  wird  jeder  Landwirt  bescheinigen, ­
  da  im  Barn  Heu,  Oehmd  etc.  eingebarnt  und  im
Futterraum  das  Futter  zubereitet  und  geschnitten  wird.

ten  wegbleiben  und  dafür  das  schöne  schwäbische  Bauernhaus ­
  einen  Ehrenplatz  in  der  heimischen  Bauweise
einnehmen.
Prima  Apollonia-Cement
Wir  wurden  auf  den  unter  dieser  Ueberschrift  in  den
Mitteilungen  der  Portland-Cement-Industrie  erschienenen
Artikel  aufmerksam  gemacht.  Die  Firma,  die  den  Prima
Apollonia-Cement  vertreibt,  seien  die  Westdeutschen
Cementwerke  G.  m.  b.  H.  in  Diedenhofen,  deren  Fabrik  in
Duisburg  sei,  welche  aber  nur  aus  einem  gemieteten  Schuppen ­
  einer  Duisburger  Speditionsfirma  bestehe,  in  der  nur
eine  Mischmaschine  aufgestellt  und  wo  nicht  einmal  zehn
Arbeiter  beschäftigt  seien.  Die  Gesellschafter  der  Firma
seien  Nicolaus  Leelerc  in  Luxemburg  und  ein  Prokurist
Henkes.  Ersterer  habe  früher  eine  belgische  Cementfabrik
vertreten.  Der  Prima  Apollonia-Cement  bestehe  nach  der
Analyse  des  Vereinslaboratoriums  aus  70  %  Hochofenschlacken ­
  und  30  %  Kalk.  Diese  beiden  Bestandteile  würden ­
  in  gemahlenem  Zustand  bezogen  um  dann  unter  Zusatz ­
  eines  Farbmittels  in  der  Fabrik  (!)  zu  Prima  Apollonia-Cement ­
  gemischt  zu  werden.  Es  läßt  sich  denken,
daß  Reklamationen  über  diesen  Cement  nicht  ausbleiben,
mit  denen  jedoch  nichts  erreicht  werde,  da  die  Lieferungsbedingungen ­
  entsprechend  lauten.  Aus  den  letzteren
wollen  wir  einiges  herausgreifen:
	        
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