Volltext : Philipp Gretters Landtaffel der schönen Gelegenheit und Landschaft umb Boll anno 1602

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Darauf läßt der Herzog antworten:
„Soviel das Verding des Gesimbs halber belangt, bleibt es bey
den gemachten fünf Batzen (für den Werkschuh) ohn einigs addition
an Früchten oder Wein. — Was aber die Conterfeyhung anbetrifft,
wöllen S. F. G. dieselbe durch Bhilips Gretern verferligen, Auch
sonsten anderwärts Anstellung thun lassen, als daß die Mahler deß—
halben, welche mit irem Theil des Gesimbs fertig, nicht länger uff—⸗
zuhalten seyen, allein mag Jedem zur Abfertigung ein Sommer—
kleidung gegeben werden.
Actum, den 7. September Anno 1592.

Damit war Philipp Gretter noch nicht Hofmaler, aber in den
Dienst des Herzogs gestellt. Von da an führte er den Titel Hof⸗
maler; während er das Amt selbst erst nach dem Tode Staimers im
Jahre 1611 erhielt. — Wir schalten hier ein, was wir über diesen
Meister sonst noch erforschen konnten:

VI. Gretters Spuren im Königl. Finanzarchiv.

Zu weiterer Aufklärung der Lebensgeschichte des Hofmalers
Bhilipp Gretter wurden auf die Bitte des Verfassers die Atten des
Kal. Finanzarchivs durchgegangen. Herr Kanzleirat E. Denk hatte
die Güte, diese Durchsicht mit dankenswertester Gründlichkeit selbst zu
besorgen. Er fand in den Landschreibereirechnungen folgende
wertvolle Einträge:
1692 — 93: Hans Philips Grether Maler ausser Gnaden verehrt
aut Deeret.. 1 10 fl.
16928 — 83: Philips Grether Mahlern für Bennsel... 2,
1601 - 02: Hans Philips Grethern Malern, von etlichen Wappen,
jo er uff vier Stöckh gerissen, zalt... .. . 1o fl. 24 Kr.
(Das sind vielieicht 4 Holzstücke von der Boller Landtafel ge⸗
wesen. Anm. d. Verf.)
1608 — 10: Hans Philip Gretern Mahlern zu Tübingen für etliche
Wappen und 2 Conterfet, so er Herzog Ludwig Friedrichen
gemalet, bezahlt... 6fl. 66 Kr.
1608 — 10: demselben für etliche Sachen, so er Herzog Ludwig
Friedrichen genacht.. 28 fl. 8 Kr.
1610 —11: Hans Philips Greter, jetzigen Hofmalern, von Lichtmeß
611 bis Georgii hernah.. 16 fl.
1611 —–12: Hans Philips Greter Hofmalern uff Georgii 1612
Jahresgehals... 29 fl. 40 Kr.
1612 - 13: Philips Greters gewesenen Hofmalers nachgelassener
Wittib, Ihres verstorbenen Manns gehabte Geldbesoldung von Georgii
1612, bis den 21. Juni hernach, pro Rato bezahlt 9 fl. 63 Kr. 2 Heller
und dann noch !/. Jahr hienach; uß gnaden, thut 16 fl., sambt b fl. 31 Kr.
1Heller für Kostgelt belauft sich in Summa auf 30 fl. 265 Kr.

Dies ist das ganze Ergebnis der sorgfältigen Durchgehung meh⸗
rerer Hauptrubriken der Landschreibereirechnungen vom Jahre 1587
his 1618. Leider sind die Kunstwerke der Maler in den Rechnungen
gewöhnlich nicht angegeben, außer bei solchen Malern vom Ausland,
velche einen speziellen Auftrag erhalten hatten. Bei den Hofmalern
aufen in den Rechnungen ganz regelmäßig nur die Ausgaben „uff
sein Gefind“ und für Materialien „um geschlagen Gold und Silber“
ummarisch. — Bis zum Jahre 1611 war Hans Steiner (auch
Staimer, Steinmar und Steinmann geschrieben) Hofmaler. Außerdem
kommen in dieser Zeit als inländische Maler vor: Johann Spiegler
and besonders Georg Donauer, der u. A. im Jahre 1606 ein
„Konterfet von Herzog Friedrich, wie Ihr F. G. nach dem Ab⸗
terben „uff dem Sammet gelegen“ fertigte.

VII. Neues über das Familienleben Philipp Gretters.

Der Vater des Hofmalers Philipp Gräter war Diakonus in Herren⸗
berg 1569 —62, Stadtpfarrer in Nagold 1662—-91; dort oder in
Herrenberg ist der Hofmaler geboren als eines der 10 Kinder des drei⸗
mal verehlichten Ph. Gräter, der als Propst in Herbrechtingen 1612,
m gleichen Jahre wie sein Sohn, starb. Des Hofmalers Großvater,
Hofprediger Kaspar Gräter (Hofprediger um 1566), ist nicht identisch
mit dem gleichnamigen Schwiegervater von Johann Brenz. Der Hof⸗
maler Joh. Bhitipp Gräter selbst war dreimal verheiratet:
l. Stuttgart 21. Mar 1693 mit Sabine Umbach; II. Stuttgart
 16. Mai 1696 mit Katharine, Witwe des Peter Häring;
II. Tübingen 19. Ottober 1607 mit Anna Maria Scherer.
Die letztgenannte verlor ihren Mann schon im Juni 1612 und heiratete
dann den Basilius Köbel, B. und Kosthalter in Tübingen. Aus ihrer
Fhe mit Gräter stammte Joh. Christoph Gräter g. c. 1608, 4 1666
als Pfarrer in Gültstein, dessen Nachkommen zu finden sind bei Faber

85, 47 und bei Heuglin „Württembergische Famtlienstiftungen“ S. 28.
zn weiblicher Linie sind gewiß zahlreiche Nachkommen des Hofmalers
n Württemberg vorhanden, die an der mitgeteilten „Landtaffel“ ihre
freude haben werden; ob auch vom Mannsstamm, ist unbekannt.
(Mitteilung von Prof. Cramer, Heilbronn.)

Schließlich mag noch das Verfahren angegeben werden, dessen
ich unser Meister bediente, um Zeichenstifte herzustellen.
BWauhin berichtet auf S. 162 des Boller Badbuches von 1602
ei der Beschreibung der Haselstaude:
„Johanues Rkhitippus Greter, ein fleißiger Mahler, hat gezeiget,
vie man die Hölzlein davon zu den Pinseln (Kohlenstiften ?) zurichten
oll. Den Stam von Haselstauden, wie ein Arm dick und einer Hand
reit oder halben Schuh lang, nimbt er, wenn er sie zuvor hat lassen
cucken werden und spaltet sie zu kleinen Bretlein, eines Fingers dick,
hut dieselben darnach in einen grossen Haffen voll rotes Sandes und
eckt ihn zu mit einem Deckel, verkleibts darnach umbher mit Leimen,
aß kein Lufft und Flam hineinkommen kan, thuts darnach in ein
ziegelofen, bis die Ziegel gebrannt sein. Wenn er dann den Hafen
odider aus den Ofen zeucht, macht er ihn nicht auf, biß er widerumb
llerdings erkaltet. Alsdann sein die Stück zum Mahlen sertig, welche
r, wenn ers brauchen wil, nur zuspitzen darff. Damit entwirft er
estlich, was er mahlen wil, und ist nichts bessers dazu, weil der Staub
avon leichtlich wieder kan hinweg gewischt werden, wenn etwas zu
indern ist, also daß im wenigsten nichts schwartzes überbleibt.

VIII. Die Visierung der Landtafeln an der Decke des großen
Saales im Lusthaus.
Die Moethode der Ausführung.
Aus der von Dr Gadner etwa am 20. Juli 16590 verfaßten
Irdnung, wie sich die Maler in ihrem Verding⸗Werkh verhalten sollen,
ateressieren uns hauptsächlich folgende Absätze:
„Beßten Fleißes sollen sie alle dahin sehen, obwohl der Stuckh
völf, daß doch dieselben — der Visierung nach — in der Pro—
ortion der Bilder, Farben, Landschaften, Gebürgen, Wäldern und
nderem, soviel immer möglich, einander gleich seien“.
„Fürnämlich sollen sie die menschlichen Bilder, die dem Aug am
ächsten, an der Höhe nit under sechs Schuh und alsdann die Bild⸗
ussen der wilden Thiere, Pferd und Hund, derselben Proportion
emäß machen. Waserlei Bild aber in die Perspectif gestellt wird,
iie sollen also geschaffen sein, daß mans der Höhe nach wohl sehen
nög. Darin sollen ste auch möglichst Gleichheit halten und einander
reulich berichten. Weil unser Hoffmaler“) (Hans Staimer) und Hans
dorn nunmehr durch lange Erfahrung, allerlei Waidwerkh zu malen
vohl bewandert, so sollen diese den Unerfahrenen Bericht thun, denen
uuch die anderen guetlich folgen sollen. Im Fall dann eine Mißhellig⸗
eit fürfällt, so soll dieselbe unser Hoffmaler, Meister Wendel
dieterlen und Meister Andreas Herreneisen entscheiden“.
„So offt die Notturfft erfordert, daß Stett, Schlösser oder
zebürge Contraveyisch zu machen, so soll ain jeder derselben Augen⸗
hein einvernemmen und selb beßten Fleißes kontrafeyen“.
Die gestellten Visierungen sollen die Richtschnur sein, welcher
achgegangen werden soll .....
Die einzelnen Maler haben in der That auch eigene sorgfältige
zisierungen (Grundpläne) ausgearbeitet und vom Herzog dafür eine
besondere Ergötzlichkeit“ erhalten.
Aus den eingereichten Kostenzetteln geht hervor, daß die Maler
n ihren Vörsten herumgereist sind und vieles nach der Natur gezeichnet
saben; auch wurden sie zu den Jagden, der Sauhatz u. s. w. einge⸗
aden, um solche Szenen nach dem Leben aufzunehmen. Schade, daß
iese Originale nicht erhalten sind; bis jetzt wenigstens gelang es mir
icht, ihrer habhaft zu werden. Die Visierungen spielen eine große
tolle, sie waren in 10 der ODelbilder gehalten und mußten nach dem
Verkschuh verjüngt sein; d. h. alles darin mußte maßstäblich gezeichnet
rin. Dr Gadner hält den Ersatz eines Wochenlohns als Belohnung
ir die Herstellung dieser Skizzen angezeigt. Die Distanzen der Wohn⸗
lätze scheint der Hofmaler Staimer nach Gadners Karten aufgetragen
u haben; wenigstens erhielt er 1591 für Visierungen 28 Gulden

*) Dieser meldet am 16. April 16580, „daß er mit getreuem
fleiß 14 oder 15 Jahre lang, nit allein mit Abzeichnen allerhand
uftigen Jagen und Waidwerkhs, sondern auch mit Abmalung deren
zandschafft, Stätt, Flecken, Hölzer, Wäldt mit sonderem
fFleiß und Lust sich gebrauchen lassen und habe nun von dem großen
Nalwerk schon das b. Werk (im 1. Entwurf) in Handen, brauche
ber weitere Hilfe. —
            
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