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menen Schweißes sei in den Leinwandstoffen eine energischere als in
den Wollstoffen, man könne Leinwand nie so lange tragen
als Wolle (das Gleihe wie von Leinwand gilt von Baumwolle).
Also die Wolle bleibt länger rein als Leinwand und Baumwolle.
Was ist nun reinliher, Wolle oder Pflanzenfaser ? Allerdings nötigt
Pflanzenfaserwäsche zu öfterem Wechsel, als Wollwäsche. Ist also nicht
jene reinlicher als diese? Nun wenn das, was am öftesten zum Waschen
nötigt, das Reinlichste ist, dann ist Shmuß das denkbar Reinlichste.
Die Wolle bleibt länger rein, der Schmuß dringt nicht in gleichem
Maße in sie ein (deshalb kann man wollene Kleider dur< Bürsten
sauber bringen, leinene nicht), namentlich aber haften üble Gerüche
nicht i9 an ihr, wie an der Pflanzenfaser. Daher hat Pettenkofer
ganz recht, wenn er bezeugt: „aber ein Leinwandhemd, das wird
einem selber zuwider.“
Ein anderer Vorwurf, den man manchmal hören kann, ist, die
Wolle verweichlihe. Nun, daß es Leute giebt, die in der Wolle
verweichlicht sind, soll zugegeben werden; es ist indes tausend gegen
eins zu wetten, daß dies solche Personen sind, die nichts weniger als
das Wollregime ernstlih dur<geführt haben, sondern die etwa mit
wollenen Unterja>en alle Vorteile des - Systems zu haben glauben.
Das mangelhafte körperliche Befinden solcher dem Jäger-System als
Schuld aufrechnen zu wollen, ist aber doh sehr ungerecht.
Namentlich weiß Lahmann eine ganz gruselige Schilderung der
Nachteile der Wolle in dieser Richtung zu geben. Wolle reize zu
sehr denn sie sei „paramagnetis< = elektris<h,“ die Haut
braucue in der Wolle immer stärkere Reize, die Wolle raube der Haut
die Selbstthätigkeit, sie verkümmere der Haut die Anpassung an wechselnde
Temperatur, stumpfe das Hautorgan durc< Ueberreiz ab, daß
es für geringere Reize, Luft, Wasser, Kälte, niht mehr genügend
empfänglich sei, ja „womöglich“ mit einer starken Lähmung auf dieselbe
antworte. Und womöglich sonst noch etwas =- wem gruselt
da nicht? Es ist nur gut, daß dies alles lediglich in der Einbildung
des Herrn Dr. Lahmann so aussieht. Jeder Wollene kann das
Gegenteil bezeugen. Z. B. Luft erträgt der Wollene herrlih, Wind
und Zug dazu, Kälte ebenfalls, wie die vielen. Wollenen, die im.
strengsten Winter ohne Ueberro> sich im Freien bewegen, bezeugen
fönnen. Und was das Wasser betrifft, so haben wir selbst schon
wochenlang bei niederem Wärmegrad gebadet und ein Wollener könnte
mindestens so gut als ein Steifleinener oder Baumwollener den Winter
durc<baden -- wenns nicht ein Unsinn wäre; denn Leute, die derlei
treiben, pflegen nicht alt zu werden, denn solche starke Reize sind
allerdings vom Uebel. Daß aber die Wolle zu stark reize, ist eine
ganz unbewiesene Behauptung.
- Wislsstehts "äber mit den gefährlichen paramagnetisch = elektrischen
Eigenshäften der Wolle na< Lahmann? Nun das ist -- Galli-
- 59 -=-mathias.
Ein paramagnetischer Körper ist ein solcher, der von den
Polen eines Magnets angezogen wird (diamagnetisc< ein solcher Körper,
der von den Polen eines Magnets abgestoßen wird). Das gehört nun
gar nicht hieher. Es ist Unsinn =- aber paramagnetisch klingt so
schön, so gelehrt, also mag es stehen bleiben. Und wie stehts mit den
elektrischen Eigenschaften der Wolle? Wolle (wie Seide) gehört zu
den Nichtleitern der Elektrizität , Baumwolle und Leinwand zu den
Ceitern. Sollte dies aber ein Nachteil der Wolle sein? Dann wäre
es ein Nachteil für alle mit Haaren (und Federn) bedeckten Tiere, fein
Kleid aus besseren Elektrizitätsleitern zu haben. Oder sollte die Reibung
der Wolle am Körper Elektrizität erzeugen? Dann wäre uns
Herr Dr. Lahmann erst noc< den Beweis schuldig, daß dies ein
Nachteil sc:.
* chtig ist, daß in der Wolle, auch in naßgewordener Wolle, die
Har* * vtreichey ist und bleibt als unter Pflanzenfaserbekleidung. Allein
; 3 ein Porteil und sichert eine rege Hautthätigkeit und Aus-"Wa...
von Auswurfstoffen, Krankheitsstoffen dur< die Haut. Daß
die Haut eines Wollenen, der jahrelang in der Wolle ist, diese Eigenschaft
nicht verliert, zeigt die Erfahrung.
Thatsache ist, daß eine Reihe wollener Völker oder Volksschihten
nict verweichlicht ist. Z. B. die Küstenbevölkerung an der Nordund
ee. Was sagt da Herr Lahmann? Ja, diese Leute leben
eben feuchter Luft, wobei die paramagnetisch-elektrischen Eigenschaften
der 14 - 2 nicht zur Geltung kommen. Gut. Aber die wollenen Beduine
Araber ? die wollenen abgehärteten Wüstensöhne? Leben die
"1... auch in feuchter Luft? Nun die = man lache niht =
-;geu, sagt Herr Dr. Lahmann ungefähr, dies erhält die Woll-.
ung feucht, und auch hier können die paramagnetisch-elektrischen
Ya der Wolle sich niht äußern und nicht schaden. Man sieht
wen «vs zum Trost, daß die paramagnetisch-elektrischen Wirkungen
der 250ue 1<gelmäßig wegfallen, mithin nicht sehr gefährlich sind.
iim Herrn Dr. Lahmanns Art, mit unstichhaltigen Behauptung.
> vt zu arbeiten, noch mehr zu zeigen, sei nur noch darauf
hingew.. a. daß er (S. 34 seines Büchleins) ruhig sagt, die Woll?
sei wento 2% hygroskopisch und nehme somit weniger Feuchtigkeit
aus der Lait auf, nämlich als z. B. die Baumwolle. Dies ist nun
ganz entschiec“n unrichtig. Wolle ist =- worüber alle Gelehrten einig
find, außr- 8 rn Dr. Lahmann =- im Gegenteil viel hygroskopischer
als Pflanzen*afier (wenn's Herr Dr. Lahmann nicht glaubt, vielleicht
genügt ihm „„ettenkofer als glaubwürdiger Zeuge; vgl. dessen Vortrag
„Wolle oder Leinen?“). Der gleiche Jrrtum findet sich auf einem
gelben Lahmann'schen Flugblatt. Es heißt dort von der Leinenfaser,
sie sei viel zu hygroskopisc<. Nun ist aber Leinwand
niht hygroffopisher als Baumwolle und weniger hygroskopisch als
Wolle. Diese Irrtümer hätten einem Manne, der sich berufen fühlte,