Volltext : Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1913)

27.  Dezember  1913

BAUZEITUNG

427

Gegen  Baufeuchtigkeit
Motto:  Eines  schickt  sich  nicht  für  alles.

So  allgemein  bekannt  wie  die  Baufeuchtigkeit  ist,  so
verhaßt  ist  sie  auch  in  allen  Kreisen  der  Bevölkerung,  und
das  mit  gutem  Recht.  Wer  einmal  in  einem  feuchten
Hause  gewohnt  hat,  der  kennt  die  mancherlei  üblen  Folgen, ­
  die  der  Aufenthalt  in  feuchten  Wohnungen  nach
sich  zieht  und  der  weiß  den  Wert  einer  trockenen  Wohnung ­
  zu  schätzen.  Nicht  nur,  daß  in  feuchten  Häusern
die  Möbel  verderben,  die  Rückseiten  derselben  verschimmeln, ­
  die  Bilder  sich  in  ihren  Rahmen  lösen,  die  Tapeten
faulig  werden  und  zum  Teil  in  großen  Lappen  von  den
Wänden  herabhängen,  sondern  es  lagert  auch  ein  widriger, ­
  modriger  Geruch  in  allen  Räumen,  und  vor  allem  ist
auch  die  Gesundheit  der  Bewohner  sehr  gefährdet.  So
ist  es  erklärlich,  daß  der  Kampf  gegen  die  Feuchtigkeit  in
Bauwerken  mit  aller  Energie  geführt  wird.  In  Nachstehendem ­
  sollen  die  Mittel  kurz  geschildert  werden,  die
zur  Bekämpfung  der  Feuchtigkeit  besonders  in  Betracht
kommen.
Bei  der  Bekämpfung  der  Baufeuchtigkeit  kommen  2
Momente  in  Betracht:
1.  Verhütung,  2.  Beseitigung  von  Baufeuchtigkeit.  In
beiden  Fällen  kommen  wiederum  verschiedene  Punkte  in
Frage;  es  kann  sich  z.  B.  um  aufsteigende  Erdfeuchtigkeit
handeln,  oder  auch  um  Feuchtigkeit,  die  von  der  Seite  andringt. ­

Aus  dem  Angeführten  geht  nun  wohl  schon  zur  Genüge ­
  hervor,  daß  Baufeuchtigkeit  ein  ziemlich  weiter  Begriff ­
  ist;  ein  weiter  Begriff,  begründet  durch  die  Verschiedenartigkeit ­
  der  Ursachen.  Sind  aber  die  Ursachen  verschieden, ­
  abweichend  voneinander,  so  müssen  es  ebenfalls
die  Mittel  zu  ihrer  Bekämpfung  sein;  und  sie  sind  es  auch.
Die  Beseitigung  von  Baufeuchtigkeit  oder  mit  anderen
Worten  die  Trockenlegung  feuchter  Wände  in  bereits  bestehenden ­
  Gebäuden,  muß  immer  unter  Zuhilfenahme  der
atmosphärischen  Luft  geschehen,  denn  nur  diese  hat  wirklich ­
  austrocknende  Wirkung,  und  die  Trocknung  feuchter
Wände  geschieht,  um  es  gleich  vorweg  zu  sagen,  am
zweckmäßigsten  mittels  der  echten  Kosmostafeln.  Diese
Kosmostafeln  tragen  dem  Gedanken,  bezw.  der  Tatsache
Rechnung,  daß  die  uns  umgebende  Luft,  die  Atmosphäre,
wie  vorerwähnt,  unstreitig  das  vorzüglichste  Trockenmittel ­
  ist.  Die  Luft  nimmt  ständig  Feuchtigkeit  an,  saugt
sie  auf,  denn  Wasser  verdunstet,  d.  h.  es  geht  aus  dem
flüssigen  in  den  gasförmigen  Zustand  über  —  durch  die
Luft.

Wie  der  nebenstehend  abgebildete ­
  Querschnitt  der  Kosmostafeln ­
  zeigt,  bilden  die  Falzen  wechselseitig  nebeneinander ­
  liegende  schwalbenschwanzförmige  Kerben  —  Kerben ­
  natürlich  nur  im  Querschnitt  —  auf  die  Fläche  übertragen ­
  selbstverständlich  nach  einer  Seite  offene  Kanäle.
Bekleidet  man  nun  eine  Mauer  mit  diesen  Falztafeln,  so
werden  die  auf  einer  Seite  liegenden  Kanäle  von  der
Maueroberfläche  überdeckt  und  man  erhält  völlig  geschlossene, ­
  nur  oben  und  unten  an  der  Mauer  offene  Röhren ­
  mit  trapezähnlichem  Querschnitt.
Die  nebenstehende  Abbil  -
düng  stellt  die  Anbringung  der
Kosmostafeln  und  ihr  Wesen
dar.
Oben  an  der  Decke  und
unten  am  Fußboden  werden
alsdann  Leisten  verlegt,  die  Luftlöcher  enthalten;  so  wird
es  ermöglicht,  daß  die  Luft  ständig  zwischen  Kosmostafeln ­
  und  Mauer  zirkulieren  kann.  Nun  verputzt  man
die  Kosmostafeln,  was  leicht  vor  sich  geht,  da  der  Putz
in  den  Falzen  gut  haftet,  und  man  hat  gleich  nach  dem
Trocknen  dieser  Putzschicht  gänzlich  trockene  Wandoberflächen, ­
  weil  der  Putz  durch  die  Kosmostafeln  von

Feuchte  Wand
mit  wasserdichten  Kosmos
Tatein  benagelt,dann  verpuW
Lurr  ^
v '  “‘/■.>ä'V«rputz.irööä'r*$jb

der  feuchten  Wand  wasserdicht  getrennt  ist,  sodaß  die
dünne  Putzschicht  für  sich  allein  sehr  schnell  trocknen
kann.
Aus  dem  Gesagten  geht  hervor,  daß  nicht  etwa  die
Kosmostafeln  selbst  die  feuchten  Wände  trocken  machen,
sie  spielen  vielmehr  nur  die  Rolle  des  Vermittlers.  Nur
die  Luft,  die  ständig  an  der  feuchten  Mauer  vorbeistreicht,
saugt  die  Feuchtigkeit  aus  dieser  und  trocknet  sie  mit  der
Zeit  aus.  Man  erhält  also  sofort  trockene  Wandoberflächen ­
  und  dauernd  trockene  Wirkung.  Die  mit  Kosmostafeln ­
  bekleideten  Wände  haben  auch  noch  andere  Vorteile. ­
  Da  die  Kosmostafeln  nicht  nur  wasserdicht,  sondern ­
  auch  antiseptisch  imprägniert  sind,  so  wirken  sie
auch  der  Fäulnis  entgegen.  Auch  schützen  sie  sowohl
gegen  Hitze  und  Kälte.,  wie  auch  gegen  Schall  und  zwar
ebenfalls  infolge  der  zwischen  Wandoberfläche  und  eigentlicher ­
  Mauer  befindlichen  Luftschichten.
Wände,  die  nicht  allzu  feucht  sind,  kann  man  auch
vorteilhaft  mit  den  Kosmos-Isoliertapeten  bekleiden.  Es
sind  dies  asphaltierte  Wellpappen,  die  mit  einer  Flachschicht ­
  versehen  sind.  Die  Hohlwellen  kommen  an  die
feuchte  Wand  zu  liegen,  während  auf  der  Flachschicht
ohne  weiteres  Makulatur  und  darauf  die  eigentliche  Tapete ­
  aufgeklebt  werden  kann.
Eine  besondere  Art  der  Kosmostafeln  wird  häufig
und  mit  sehr  gutem  Erfolg  zur  Herstellung  dunstdichter
Stalldecken  verwendet.
Soll  der  Baufeuchtigkeit  mit  ihren  üblen  Begleiterscheinungen ­
  vorgebeugt  werden,  so  müssen  bei  Errichtung
eines  Hauses  von  vornherein  Maßregeln  getroffen  werden,
die  ein  Aufsteigen  der  Erdfeuchtigkeit  nicht  zulassen.
Man  verwendet  dazu  zweckmäßig  Andernachs’sche
schmiegsame  Asphalt-lsolierplatten.  Diese  Platten  werden ­
  einfach  auf  die  Grundmauern  in  Sockelhöhe  gelegt
und  darauf  weiter  gemauert.  Die  Feuchtigkeit  kann  dann
in  den  Kapillarröhrchen  des  Mauerwerks  zwar  bis  an  die
vorerwähnten  Asphaltplatten  steigen,  wird  hier  jedoch
aufgehalten.  Diese  Asphaltisolierplatten  halten  jede  noch
so  stark  aufstrebende  Feuchtigkeit  bestimmt  ab  und  haben
sich  selbst  da  bewährt,  wo  feuchtes,  morastiges  Terrain
anfänglich  viele  beängstigende  Bedenken  verursachte.
Außer  der  von  unten  aufsteigenden  Erdfeuchtigkeit
kann  das  Mauerwerk  durch  von  der  Seite  andringende
Nässe  (Regen,  Schnee  usw.)  angegriffen  werden.  In  diesem ­
  Falle  sind  zwei  Möglichkeiten  zur  Beseitigung  gegeben ­
  ;  Entweder  bekleidet  man  die  in  Frage  kommenden
Wände  des  Hauses  außen  mit  vorgenannten  Kosmostafeln ­
  ;  und  die  damit  bewirkte  Luftzirkulation  trocknet  die
feuchten  Wände  aus  und  man  hat  sofort  nach  dem  Verputz ­
  der  Kosmostafeln  trockene  Wandoberflächen,  oder
aber  man  verputzt  die  dem  Schlagwetter  ausgesetzten
Mauern  mit  Zementputz,  dem  man  A  w  a  -  Patent-Mörtelzusatz ­
  beimengt.
Das  Verputzen  eines  Hauses  ist  jedoch  nur  dann
zweckmäßig,  wenn  die  absolute  Gewißheit  besteht,  daß
sich  das  fragliche  Gebäude  nicht  mehr  senkt,  sich  nicht
setzt,  wie  der  Fachmann  sagt,  da  sonst  der  wasserdichte
Zementputz  rissig  werden  würde,  denn  er  ist,  wenn  einmal ­
  trocken,  also  erhärtet,  außerordentlich  spröde  und
gibt  auch  der  geringsten  Senkung  eines  Hauses  nicht  nach,
sondern  springt.  An  den  so  entstandenen  Bruchstellen
kann  alsdann  die  Feuchtigkeit  unbehindert  an  und  in  das
Mauerwerk  gelangen,  damit  ist  dann  natürlich  der  Wert
des  Verputzes  stark  beeinträchtigt.  Handelt  es  sich  jedoch
um  Gebäude,  die  sich  bereits  gesetzt  haben  und  bei  denen
irgend  welche  Senkungen  nicht  mehr  zu  befürchten  sind,
so  ist  ein  Verputzen  der  Wetterseiten  mit  Zementmörtel,
dem  der  Awa-Patent-Mörtelzusatz  zugesetzt  ist,  sehr  zu
empfehlen.
Dieser  Awa-Patent-Mörtelzusatz  ist  außerordentlich
wasserfeindlich,  d.  h.  er  stößt  andringendes  Wasser  direkt
ab.  Diese  Eigenschaft  überträgt  sich  auch  auf  die  mit
            
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.