Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1914)

4. April 1914 
BAUZEITUNG 
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Abb. 6.. Transeptabschluß der Kathedrale zu Wells 
bund durch den während des Berichtsjahrs erfolgten Tod 
seines Vorsitzenden — des Führers im Kampfe 1910 und 
des Sprechers in den Tarifverhandlungen 1913 — erlitten 
habe. Gleichzeitig gedachte er des vor kurzem erfolgten 
Ablebens des Präsidenten des Schweizerischen Baumeis 
ter-Verbandes, Herrn Blattner. Die Ehrung der beiden 
verstorbenen Vorsitzenden erfolgte in der üblichen Weise 
durch Erheben von den Sitzen. Nachdem noch der Vor 
sitzende des Eisenacher Arbeitgeberverbandes, Herr Bau 
meister Herr, die 15. ordentliche Hauptversammlung in 
den Mauern der Wartburgstadt aufs beste willkommen ge 
heißen hatte, wurde in die sehr umfangreiche Tagesord 
nung selbst eingetreten. 
Der Tätigkeitsbericht für 1913 lag der Versammlung 
als Druckschrift vor; er ließ in seinem Schlußkapitel er 
kennen, daß der Bund im letzten Geschäftsjahr, trotz der 
schlechten Konjunktur des Jahres 1913, nur einen mäßigen 
Mitgliederrückgang erfahren hat. Anfang des Jahres 1914 
waren dem Bunde 31 Bezirksverbände mit 556 Ortsver 
bänden und 9 Einzelortsverbände mit 17 633 Betrieben 
und einer beitragspflichtigen Gesamtlohnsumme von 374 
Millionen Mark angeschlossen. Die wichtigste Aufgabe 
des Bundesvorstandes während des Berichtsjahres — wie 
der erste stellvertretende Vorsitzende, Herr Architekt und 
Maurermeister Behrens-Hannover, in seiner Besprechung 
des Tätigkeitsberichtes ausführte — bildete der Abschluß 
eines neuen Reichstarifvertrags, durch welchen dem Deut 
schen Arbeitgeberbunde wiederum ein dreijähriger Tarif 
frieden gesichert wurde. Besonders eingehend berichtete 
Herr Behrens über die Tätigkeit im Haupttarifamt und 
über die Schwierigkeiten, die sich dem Abschluß der neuen 
Bezirks- und Ortsverträge entgegenstellten, und über 
deren Ursachen. 
Einen der Hauptgründe für die Verzögerung der Ver 
tragsabschlüsse habe die widerstreitende Auslegung des 
Akkordparagraphen durch die Vertragsparteien gebildet. 
Das Haupttarifamt habe sich als oberste Tarifinstanz wie 
derholt mit dieser Frage, die zu ernsten Meinungsverschie 
denheiten zwischen den Zentralorganisationen Anlaß ge 
geben habe, beschäftigen müssen, ehe eine für den Deut 
schen Arbeitgeberbund annehmbare Lösung der Akkord 
frage von den Unparteiischen des Haupttarifamts gefunden 
wurde. Die Arbeitgeberbeisitzer des Haupttarifamtes 
hätten allerdings ihre ganze Kraft einsetzen müssen, um den 
Vorstoß der Arbeiterverbände gegen die Akkordarbeit 
zurückzuweisen. — Der Bundesvorstand sucht, wie aus 
dem Tätigkeitsberichte hervorging und vom Referenten 
hervorgehoben wurde, vor allem auch auf dem Gebiete der 
sozialen Gesetzgebung seinen Einfluß bei der Regierung 
und den gesetzgebenden Körperschaften zur Geltung zu 
bringen. Die Ablehnung der Arbeitslosenversicherung 
durch die Reichsregierung dürfte wohl mit in erster Linie 
dem Vorgehen des Deutschen Arbeitgeberbundes zuzu 
schreiben sein, dessen Vorstand in einer Resolution Stel 
lung gegen die Einführung der Arbeitslosenunterstützung 
nahm und diese Stellungnahme in einer Eingabe an den 
Reichstag und den Bundesrat eingehend begründete. In 
der 195. Reichstagssitzung vom 20. Januar 1914 habe der 
Staatssekretär des Innern, Dr. Delbrück, gelegentlich der 
Beratung des Haushaltplans für das Jahr 1914 erklärt, daß 
die soziale Gesetzgebung durch die Verabschiedung der 
Reichsversicherungsordnung und des Angestelltenver 
sicherungsgesetzes vorläufig zu einem gewissen Abschluß 
gekommen sei. Man könne dem schwer bedrängten Mit 
telstände keine weiteren Lasten mehr auferlegen. In den 
Kreisen des gewerblichen Mittelstandes sei diese Erklä-
	        

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