Title:
Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen
Shelfmark:
XIX/1085,4-11,1914
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1499766280559_1914/130/
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BAUZEITUNO 
Nr. 16 
behaltung ihres seitherigen Charakters war leider schon 
deshalb nicht zu denken, weil der Rücken der alten 
Brücke so hoch lag, dass es ganz unmöglich gewesen 
wäre, die Rampen genügend abzuflachen, ohne die Orts 
strassen und Gebäude in der Umgebung in einer völlig 
unzulässigen Weise einfüllen zu müssen. Es konnte 
deshalb nur ein Neubau in Frage kommen. Schon 
flüchtige Untersuchungen ergaben die Unmöglichkeit, eine 
neue gewölbte Brücke an Stelle der alten zu errichten. 
Es war ausgeschlossen, bei der im Interesse des Ver 
kehrs unbedingt gebotenen Abflachung der Brückenrampen 
bei Anordnung von Gewölben noch die erforderliche 
Durchflussweite und Schwimmhöhe für das Hochwasser 
zu erreichen. So blieb denn nur die Möglichkeit, eine 
Balkenbrücke zu erstellen, und es ergab sich schon aus 
ästhetischen Gründen von selbst, dass die Wahl auf eine 
Eisenbetonkonstruktion fiel. 
Unter der künstlerischen Mitwirkung von 
Prof. Heinrich Henes in Stuttgart wurde von der 
Zeit den Eindruck des schon von weither u. a. auch vom 
Bahnhof aus sichtbaren Brückenbildes vervollständigen. 
Es konnte nicht fehlen, dass dieser Entwurf auch die 
Zustimmung des Bezirksausschusses für Natur- und 
Heimatschutz fand, der sich der gebieterischen Notwendig 
keit des Umbaus der Brücke gleichfalls nicht verschliessen 
konnte. 
Der Bau der Brücke samt Zufahrten und Ufermauern 
ist in allen wesentlichen Teilen in der zweiten Hälfte des 
Jahres 1911 ausgeführt und vollendet worden. Unmittel 
bar unterhalb der neuen Brücke, die ziemlich genau an 
die Stelle der alten zu liegen kam, wurde, der Verkehr 
über den Fluss während des Baues durch eine hölzerne 
Notbrücke vermittelt. Gewisse Schwierigkeiten ergaben 
sich bei der Gründung der Widerlager und des Zwischen 
pfeilers infolge das stark verschlammten, weichen Unter 
grundes, in dem wirklich fester Boden auch mit langen 
Pfählen nicht erreicht werden konnte. Durch kräftige 
Erbreiterung der Fundamente, unter Verwendung von 
Ministerialabteilung für Strassen- u. Wasser 
bau der aus den Abbildungen zu ersehende Entwurf 
einer Plattenbalkenbrücke von 2 Hauptöffnungen mit je 
10,70 m Lichtweite und einem 90 cm starken Zwischen 
pfeiler und einer kleineren Seitenöffnung für den Kanal 
der Layer’schen Mühle ausgearbeitet. Die nutzbare Breite 
der Brücke zwischen den Brüstungen gemessen betrügt 
9 m, wovon 6 m auf die Fahrbahn und je 1,50 m auf 
die beiderseitigen Gehwege entfallen. Die Brücken 
rampen konnten Steigerungen von nicht mehr als 3 V 2 
bis 4 % erhalten. Die besondere Sorgfalt des mit 
wirkenden Künstlers galt der Einpassung der neuen 
Brücke in den Rahmen des Stadtbildes. Ausnehmend 
charakteristisch für die Brückenstelle war von jeher das 
Gebäude des früheren Gasthofs zur Krone mit seiner 
mächtigen, eigentümlich geformten Dachhaube. Durch 
Arkaden wurde dieses Gebäude mit der neuen Brücke 
in Verbindung gebracht. Am entgegengesetzten Ende der 
Brücke wurde ein Brückenhäuschen, als Verkaufsstand 
dienend, „das Junge vom Alten“ (nämlich von der Krone) 
neuerstellt. Es bildet einen trefflichen Abschluss der 
Brücke am rechten Ufer. Dazwischen spannt sich ruhig 
und fest die neue Brücke, soweit möglich anklingend an 
die Bogenform der alten. Mächtige Bäume auf dem 
rechten Ufer werden, wie zu hoffen ist, in absehbarer 
Eiseneinlagen, wurde die Pressung des Untergrundes bis 
auf 0,9 kg/qcm verringert. Die Brücke samt Wider 
lagern und dem Zwischenpfeiler, sowie die anschliessenden 
Ufermauern sind ganz aus Beton und Eisenbeton erstellt, 
dessen sichtbare Flächen rauh bearbeitet wurden. Die 
Brückenfahrbahn hat ein Kleinpflaster aus Granit erhalten. 
Die Bauarbeiten sind von den ortsansässigen Bauunter 
nehmern, Bauwerkmeister Fritz Müller, Wilhelm Gläser 
und Friedrich Freitag ausgeführt worden. ■ 
Die Kosten der Bauten stellen sich etwa wie folgt: 
1. Für die eigentliche Brücke rund 37000 Mk. 
2. Für die Zufahrtsstrassen samt 
Aenderungen an Gebäuden rund 17000 Mk. 
3. Für die Uferbauten rund 26000 Mk. 
zusammen rund 80000 Mk. 
Zu den Aufwendungen für die künstlerische Ausge 
staltung der gesamten Anlage hat Kaufmann Eduard 
Breuninger in Stuttgart, Backnangs Ehrenbürger, ein Er 
hebliches beigesteuert. Ihm ist auch der Bau des 
„Eduardstegs“, eines Stegs aus Eisenbeton zu verdanken, 
der etwa 90 m unterhalb der neuen Brücke den Fuss- 
gängerverkehr vom Bahnhof her über die Murr ver 
mittelt. Die Leitung der Bauarbeiten lag in den Händen 
der K. Strassenbauinspektion Ludwigsburg. —g.
        

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