Title:
Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen
Shelfmark:
XIX/1085,4-11,1914
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1499766280559_1914/227/
11. Juli 1914 
BAUZEITUNG 
219 
das ganz unschöne und nicht mehr ganz zeitgemäße Hin 
tergebäude im Rathaushof auf der Westseite abgebrochen. 
Hierdurch ist ein ganz freier Zugang vom westlichen Rat 
haustor in den Hof geschaffen worden, wie er nicht zweck 
mäßiger gedacht werden kann. 
Auf Grund dieser Vorarbeiten hat nun der mit der 
Bauausführung der Ausstellungsarbeiten beauftragte Ar 
chitekt Friedr. Haußer hier seinen Plan festgelegt und mit 
gutem Geschmack und praktischem Verständnis die Ge 
samtanlage für die Ausstellung entworfen. 
Im Anschluß an die Turnhalle und in Verbindung mit 
dem neuen Hintergebäude im Rathaushof wurden nun die 
Ausstellungshallen angebaut, wie dieselben aus dem Lage 
plan ersichtlich sind. Da jedoch in Folge der vermehrten 
Anmeldungen diese Räume nicht ausreichten, so wurde 
ist mit gehobelten Brettern belegt, die Haupteingänge wur 
den mit Läufern versehen. 
Die Ausstellung selbst bietet außerordentlich viel und 
gibt einen Ueberblick über die vielseitige industrielle Tä 
tigkeit von Ludwigsburg. Daß natürlich Firmen, die 
einen Weltruf haben, wie die Orgelbauanstalt E. F. Wal- 
cker und Feinr. Franck Söhne entsprechend vertreten sind, 
ist selbstverständlich. Aber auch sonst haben wir Ge 
legenheit, zu beobachten, welchen Aufschwung Gewerbe 
und Industrie hier genommen haben. 
Dabei ist noch hervorzuheben, daß auch die Aussteller 
keine Mühe und Kosten scheuten, ihre Erzeugnisse hübsch 
und geschmackvoll zur Anschauung zu bringen. 
Einen besonders wertvollen Teil der Ausstellung bil 
den die vom Kgl. Schloß, sowie von Privaten zur Ver- 
Gewerbe- und Industrie-Ausstellung Ludwigsburg 
auch das im hinteren Hof stehende Mittelschulgebäude 
mit einbezogen. Die Verbindungen der anschließenden 
Hallen mit diesem Gebäude wurde durch einen bedeckten 
Gang vermittelt, der einen ganz reizenden Blick in den an 
schließenden Prälaturgarten bietet und geradezu ideal ist. 
Die neuen Hallen wurden in ganz einfacher Weise her 
gestellt. Das Holzgerippe besteht aus Pfosten, welche in 
den Boden eingegraben wurden, dazwischen wurden Höl 
zer eingezogen und die Seitenwände nachher mit Oips- 
dielen verkleidet. Das Dachgerippe wurde ebenfalls in 
einzelnen Holzbindern ausgeführt und mit Plandecken von 
Bley & Scholl in A'sperg versehen, welche sich bis jetzt 
ganz gut bewährten. Im Innern wurden die Seitenwände 
der Hallen mit Rupfen in abwechselnden Farben bekleidet 
und die Decken durch leichten Stoff, ebenfalls je nach Be 
dürfnis, abgeschlossen. Dadurch wurden die Ausstel 
lungshallen im Innern recht gefällig ausgebildet und 
machen einen ganz gediegenen Eindruck. Der Fußboden 
fügung gestellten Erzeugnisse der früheren Porzellanfabrik 
Ludwigsburg. Diese Zusammenstellung allein schon lohnt 
es, die Ausstellung in Ludwigsburg zu besuchen. 
Sodann ist von der K. Militärverwaltung in entgegen- 
kommendsterWeise auch eine Ausstellung alterWaffen und 
Geräte vom K. Artilleriedepot, sowie von Militäruniformen 
der verschiedensten Zeiten dem Publikum dargeboten, was 
manchen interessiert. Die Ausstellungsleitung hat sich 
bemüht, den Besuchern möglichst viel zu bieten. Dies hat 
auch S. Majestät der König, welcher der Eröffnungsfeier 
der Ausstellung anwohnte, bestätigt, indem S. Majestät 
wiederholt seiner Freude Ausdruck verlieh, wie schön und 
vielseitig die Ausstellung sei. 
Aber neben diesen schönen Bauten und hübschen Aus 
stellungsgegenständen dürfen wir den schönen Ratskeller 
garten nicht vergessen, der in Verbindung mit derselben 
geschaffen wurde. Derselbe ist mit seinen der Neuzeit an 
gepaßten Anlagen und mit den prächtigen, alten Bäumen
        

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