Volltext : Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1914)

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BAUZEITUNG

Nr.  30

stattfindende  Besichtigung  der  Stollenanlage  für  die  Landeswasserversorgung ­
  aufmerksam  gemacht  und  zu  reger  Beteiligung ­
  wiederholt  eingeladen.  Treffpunkt  für  die  Teilnehmer ­
  morgens  8  Uhr  am  Bahnhof  in  Fellbach.
Deutscher  Arbeitgeberbund  für  das  Baugewerbe.
Mitteilungen.  1.  Die  nächste  Durchsicht  und  Genehmigung ­
  von  Tarifverträgen  findet  am  lO.  und  11.  August
d.  Js.  statt.  2.  Den  Bezirks-  und  Landesverbänden  wird
in  den  nächsten  Tagen  die  2.  Lieferung  der  Entscheidungen ­
  des  Haupttarifamtes  für  das  Baugewerbe  Nr.  94
bis  170  von  der  Druckerei  Otto  Elsner-Berlin  direkt
übersandt.
Kleine  Mitteilungen
Cöln.  Der  24.  Delegiertentag  des  Verbandes  deutscher
Kunstgewerbevereine  wurde  am  2.  Juli  im  Saale  der  Farbenschau ­
  der  Cölner  Werkbundausstellung  durch  den
Vorsitzenden  Geh.  Regierungsrat  Dr-.Ing.  Muthesius-Berlin
  eröffnet,  der  die  Vertreter  der  Behörden,  sowie  die
Delegierten  mit  herzlichen  Worten  begrüßte.  Der  Vertreter ­
  des  preußischen  Handelsministers,  Geh.  Reg.-Rat
Dr.  Hoffmann,  wünschte  den  Verhandlungen,  zugleich  im
Namen  der  anderen  Herren  Regierungsvertreter  besten
Verlauf,  indem  er  versicherte,  daß  die  staatlichen  Behörden
die  Bestrebungen  des  Verbandes  dankbar  begrüßen,  das
Verständnis  für  kunstgewerbliche  Fragen  in  weitere  Kreise
zu  tragen  und  zu  fördern.  Gerade  Cöln  zeige,  wie  kaum
eine  zweite  Stadt,  was  bei  uns  in  vergangenen  Jahrhunderten ­
  auf  kunstgewerblichem  Gebiete  geleistet  wurde,  und
die  jetzigeCölner  Werkbundausstellung  gebe  ein  Bild  unseres ­
  heutigen  kunstgewerblichen  Schanens.  Beigeordneter
Rehorst-Göln  übermittelte  im  Namen  des  Oberbürgermeisters ­
  Wallraf  den  Willkommengruß  der  Stadt  Cöln,  die
besonderen  Wert  auf  die  Förderung  der  Kunstgewerbeschule ­
  legt  und  auf  deren  Handelshochschule  Vorlesungen
über  kunstgewerbliche  Fragen  in  Industrie  und  Handel  eingeführt ­
  sind.  Präsident  Figge  wünschte  als  Vertreter  der
Handwerkskammer  Cöln  der  Tagung  reichen  Erfolg.
Zur  Leitung  des  Delegierten  tags  wurden  durch  Zuruf
die  Herren  Geheimrat  Muthesius-Berlin,  Baumeister  Kaaf-Cöln,
  Prof.  Lehnert  und  Bibliothekar  Wittmann-Cöln  gewählt. ­
  Vertreten  waren  von  42  dem  Verbände  angeschlossenen ­
  Vereinen  mit  56  Stimmen  volle  48  Stimmen.
Nachdem  sodann  der  Vorsitzende  den  Bericht  des  Verbandsvorstandes ­
  und  Prof.  Lehnert  den  Kassenbericht
erstattet  hatten,  folgten  die  Berichte  der  Verbandsausschüsse. ­
  Der  Ausscnuß  für  die  Gebühren-Ordnung  beantragte, ­
  die  bereits  im  Vorjahre  angenommene  Gebührenordnung ­
  mit  den  inzwischen  ausgearbeiteten  Beispielen
endgültig  zu  genehmigen,  was  mit  Einstimmigkeit  erfolgte. ­
  Bezüglich  der  Wettbewerbs-Ordnung  wurde  auf
Antrag  des  zuständigen  Verbandsausschusses  beschlossen,
den  bereits  hiefür  ausgearbeiteten  Entwurf  nochmals  im
Zusammenhang  mit  den  in  jüngster  Zeit  erschienenen  und
zum  Teil  von  Behörden  genehmigten  Wettbewerbsbestim
mungen  für  die  Architekten  und  Bildhauer  nochmals
durchzuarbeiten,  sodaß  der  nächstjährige  Vertretertag  die
Sache  endgültig  zu  erledigen  habe.  Gemäß  Antrag  des
Verbandsausschusses  für  die  Schiedsgerichts  -  Ordnung
wurde  beschlossen,  dem  neugegründeten  deutschen  Verband ­
  für  Schiedsgerichtswesen  beizutreten.
Auf  Antrag  des  Ausschusses  für  die  Frage  der  Privatschulen ­
  wurden  die  vom  Aachener  üewerbeschultag  angenommenen ­
  Leitsätze  unter  Streichung  der  Absätze  3  a
und  3  c,  sowie  der  Worte  „oder  kunstgewerbliche“  in  Absatz ­
  5  b  genehmigt;  es  wurde  herbeigewünscht,  daß  die
deutschen  Gewerbeschulmänner  mit  den  Kunstgewerbevereinen ­
  in  dieser  Frage  Zusammengehen.
Ferner  wurde  auf  Antrag  Weiß-Berlin  noch  folgender
Antrag  des  Verbandsausschusses  angenommen:  „Die
Kunstgewerbevereine  zu  ersuchen,  die  Lehrerschaft  und

die  Beratungsstellen  für  die  Berufswahl  zur  Aufklärung
der  Jugend  zu  interessieren,  sie  auf  die  städtischen  und
staatlichen  Schulen  für  ihre  weitere  Berufsbildung  hinzuweisen ­
  und  sie  vor  der  irreführenden  Reklame  von  privaten ­
  Schulen  mit  unzureichenden  Leistungen  zu  warnen.
Eine  kurz  gefaßte  Flugschrift  soll  diesen  Akt  der  Selbsthilfe ­
  unterstützen.“
Die  Frage  der  Ausbildung  weiblicher  Lehrlinge  wurde
bis  zum  nächstjährigen  Delegiertentag  zurückgestellt.
Folgender  Antrag  des  zuständigen  Ausschusses  gelangte ­
  noch  zur  einstimmigen  Annahme:  „Der  Verband
möge  seinen  Ausschuß  ersuchen,  die  Notwendigkeit  einer
erhöhten  Allgemeinbildung  für  kunstgewerbliche  Berufe
in  nähere  Beratung  zu  ziehen.“
Der  Antrag  des  Verbandsvorstandes  auf  Beitritt  des
Werkbundes  zum  Verbände  und  auf  Beitritt  des  Verbandes
zum  Werkbunde  gelangte  nach  längerer  Aussprache  mit
erdrückender  Mehrheit  gegen  1  Stimme  zur  Annahme.
Der  Antrag  des  Elsaß-Lothringischen  Kunstgewerbevereins ­
  zu  Straßburg,  der  vom  Referenten  A.  Herborth  vertreten ­
  wurde,  auf  Errichtung  einer  Zentrale  zur  Förderung ­
  der  Volkskunst-Bestrebungen  wurde  dem  Verbandsausschuß ­
  zur  weiteren  Bearbeitung  überwiesen.
Zur  Frage  der  Honorierung  künstlerischer  Forderungen, ­
  über  die  Prof.  Karl  Groß  berichtete,  wurde  folgender
Antrag  des  Dresdener  Kunstgewerbevereins  gutgeheißen:
„Der  Verbandsausschuß  möge  beauftragt  werden,  die
Frage  zu  erklären,  inwieweit  die  Verpflichtung  der  Künstler, ­
  für  Veröffentlichungen  Honorar  zu  fordern,  die  kunstgewerbliche ­
  Praxis  beeinflussen  wird.“
Prof.  Dr.  Lehnert  erstattete  dann  das  ausführliche  Referat ­
  des  Vereins  für  deutsches  Kunstgewerbe  zu  Berlin  über
„Praktische  Beispiele  aus  dem  Rechtsleben  des  Kunstgewerblers“ ­
  unter  besonderer  Hervorhebung  der  Schwierigkeiten, ­
  welche  sich  der  gesetzlichen  Verfolgung  von  Diebstahl ­
  an  geistigem  Eigentum,  von  Fälschungen  usw.  entgegenstellen. ­
  Redner  kam  zu  folgenden  Schlußsätzen:
1.  An  sich  entsprechen  Geschmacksmustergesetz  und
Kunstschutzgesetz  den  Anforderungen,  die  das  Kunstgewerbe ­
  an  den  gesetzlichen  Schutz  des  geistigen  Eigentums
stellen  muß.  Aber  die  Kenntnis  der  Gesetze  und  ihrer
Anwendungsmöglichkeiten  läßt  noch  zu  wünschen  übrig;
sie  zu  fördern  wäre  Aufgabe  der  Kunstgewerbevereine.
2.  Das  Gesetz  gegen  den  unlauteren  Wettbewerb  bietet
in  Verbindung  mit  dem  Bürgerlichen  Gesetzbuche  jede
notwendige  Handhabe  zum  Vorgehen  gegen  unstatthafte
Konkurrenzmanöver.  Aber  die  Anwendungsmöglich  -
keiten  des  Gesetzes  sollten  die  Kunstgewerbetreibenden
mehr  beachten,  als  es  bisher  geschehen  ist.
3.  Der  Kampf  des  Kunstgewerbes  gegen  die  Fälschungen ­
  verspricht  wenig  Erfolg,  wenn  die  als  falsch  erkannten ­
  Stücke  nach  wie  vor  im  Verkehr  bleiben;  es  muß  daher
mit  allen  Mitteln  dahin  gewirkt  werden,  daß  anerkannte
Fälschungen  eingezogen  werden.
Ueber  die  Anregungen  des  Württembergischen  Kunstgewerbevereins ­
  zu  Stuttgart:  Wie  läßt  sich  der  wachsenden ­
  Zunahme  von  Fälschungen  begegnen?  verbreitete  sich
Syndikus  Dr.  Marquard  in  anschaulicher  Weise.  Ueber
die  Aufklärungsarbeit  durch  Presse  und  Museen  empfahl
er,  daß  der  Verbandsausschuß  sich  mit  dem  Reichstage  in
Verbindung  setzen  soll  zur  besseren  Ausgestaltung  des
Patent-  und  Warenzeichengesetzes.
In  der  regen  Aussprache  über  diese  beiden  wichtigen
Referate  emptahl  Prof.  Hoflacker-Karlsruhe  besonders  die
bessere  Erziehung  der  Käuferschaft  zum  guten  Geschmack.
Geheimrat  Muthesius  befürwortete  die  Herausgabe  einer
Broschüre,  deren  Vorbereitung  Dr.  Marquard  übertragen
wurde.
Der  nächstjährige  Delegiertentag  findet  zu  Karlsruhe
mit  Ausflug  nach  Stra'ßburg  statt.
Verantwortlich:  Karl  Schüler,  Stuttgart,  Richard  Gebhardt,  Stuttgart,
Druck:  Guttav  Stürner  in  Waiblingen.
            
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