Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1914)

Nr. 32 
Wettbewerbe 
ln dem Wettbewerb für Entwürfe zu Bauten in 
den deutschen Schutzgebieten erhielten für: 1. die 
Krankenhausanlage in der Südsee: den ersten Preis 
(1000 M.) Architekt Richard Seel-Berlin, den zweiten 
Preis (500 M.) Oberbauinspektor Freyschmidt u. Dipl.-Ing. 
Hermann Graaf-Nürnberg. — 2. Das Regierungsstations 
gebäude in Deutsch-Südwestafrika: drei gleiche Preise 
Regierungsbaumeister Emil Brünesholz-Nürnberg, Archi 
tekt Otto Volkers-München und Architekt Ernst Leistner- 
Stuttgart. — 3. Das Wohnhaus in einem Küstenorte 
Kameruns: den ersten Preis (500 M.) Königl. Oberlehrer 
Dipl.-Ing. Nagl und Königl. Baurat Schütz-Posen, den 
zweiten Preis (250 M.) die Architekten Gieseckeu. Wenzke- 
Berlin-Charlottenburg. — 4. Das Wohnhaus in Deutsch- 
Ostafrika: den ersten Preis (400 M.) Architekt Max 
Krampe-Dresden, den zweiten Preis (200 M.) Regierungs 
baumeister Emil Brünesholz-Nürnberg. 
Kleine Mitteilungen 
Berlin. Der „Ausschuß für gemeinsame Angelegen 
heiten“ der sich aus Vertretern der architektonischen 
Vereinigungen Berlins zusammensetzt, hat in der letzten 
Sitzung beschlossen, die Vorstände der drei Vereine, 
des „Architekten-Vereins" zu Berlin, der „Vereinigung 
Berliner Architekten“ und der Ortsgruppe Berlin des 
„Bundes Deutscher Architekten“ zu bitten, einen Vereins 
beschluß in dem Sinne herbeizuführen, daß das öffent 
liche Annoncieren zwecks Erwerbung von Aufträgen nicht 
statthaft sein soll. 
Der Krieg und das Wirtschaftsleben. Ultima ratio 
regis — das letzte Mittel des Königs — so steht es auf 
dem ehernen Leib der Kanonen eingegraben. An dieses 
„letzte Mittel“ haben seit vielen Jahren die Praktiker wie 
die Theoretiker der deutschen Volkswirtschaft gedacht. 
Vergleicht man das, was sich in den letzten Tagen in 
Deutschland abgespielt hat, mit den Vorgängen in anderen 
Ländern, so kommt man zu dem Ergebnis, dass in Deutsch 
land Industrie und Finanzwesen Kriegsstürmen gegenüber 
besser gerüstet sind. Der Verkehr an den deutschen 
Börsen hat am längsten aufrecht erhalten werden können. 
Während selbst die Börsen neutraler Länder, Brüssel und 
die schweizerischen Plätze, ja selbst die Börsen von Canada 
und Egypten unter dem Drucke der internationalen Panik 
geschlossen werden mussten, während im Zentrum des 
Weltverkehrs, an der Londoner Stock Exchange für das 
„goldgerändete“ englische Standardpapier, die englischen 
Konsols, die Kursfestsetzung aufhörte, funktionierte die 
Berliner Börse während des grössten Teils der ereignis 
reichen letzten Woche. Gewiss, die Kurse gingen im 
Eilzugstempo nach unten und für mehr als die Hälfte der 
Papiere, zuletzt für kaum ein Drittel, liess sich eine Notier 
ung nicht ermöglichen. Aber die deutschen Börsen funk 
tionierten doch jedenfalls. Ausserdem muss bei der Sta 
tistik über die nicht zur Notierung gelangenden Papiere 
hervorgehoben werden, dass auch in ganz normalen Zeiten 
viele hunderte von Papieren gar nicht, oder nur zum Schein 
notiert werden. Das gilt besonders von den kleineren 
Stadtanleihen und von vielen Industrie-Obligationen. Im 
Uebrigen muss in dieser ernsten Stunde den Männern 
der deutschen Industrie zugerufen werden: 
„Kriegszeiten gehen genau so vorüber, wie die Zeiten 
einer schweren industriellen Krisis. Wie immer auch 
die eisernen Würfel fallen mögen: eine Industrie von 
der Ueberlegenheil der deutschen kann durch einen 
Krieg nicht vernichtet werden. Im Gegenteil, die Er 
fahrung lehrt, dass jeder Krieg, da er ungeheure Werte 
zerstört, der Industrie für den Wiederaufbau des Zer 
störten gewaltige Aufgaben stellt. Ausserdem hat der 
weitaus grösste Teil unsererlndustriegesellschaften durch 
eine seit Jahren durchgeführte vorsichtige Dividenden 
politik bedeutende Reserven angesammelt, die den Ge 
sellschaften gestatten werden, weiter zu arbeiten, selbst 
wenn der Weltmarkt vorerst die Fabrikate nicht auf 
nehmen kann.“ 
Als ein günstiger Zufall muss es bezeichnet werden, 
dass unsere Hypothekenbanken über sehr grosse Mittel 
verfügen, weil sie seit vielen Monaten sich vom Beleih 
ungsgeschäfte fast ganz zurückgezogen haben. Sie sind 
also in der Lage, Hypothekenpfandbriefe, in denen ja ein 
grosser Teil des deutschen Sparkapitals angelegt ist, auf 
zunehmen. Auch unsere Banken sind gut ausgerüstet. 
Die Geldflüssigkeit und die industrielle Depression er 
möglichten es ihnen, in der letzten Zeit grosse Barbestände 
anzusammeln. Unsere Reichsbank aber verfügt über einen 
Goldbestand, der ihr gestattet, durch Ausdehnung des 
Notenumlaufes selbst dem stärksten Bedarf des Verkehrs 
an Umlaufsmitteln zu befriedigen. 
Bücher 
Adreßbuch für das Baugewerbe in Baden. Nach amtlichen 
Quellen bearbeitet, ist ein gutes Hilfsmittel. Preis 3.30 M. 
J. J. Reiff, Verlag, Karlsruhe. 
Zeitschrift für Kommunalwissenschaft. Unter ständiger Mit 
wirkung von Oberverwaltungsgerichtsrat Ruffmann, Professor 
Dr. R. van der Borght, Kaiserl. Präsidenten a. D., und Professor 
Dr. Maas, Herausgeber der Bibliographie der Sozialwissenschaf 
ten, herausgegeben von Diplom-Ingenieur Alfred Berlowitz. 
Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart und Berlin. Jährlich 12 
Hefte, Preis im Abonnement M. 15.—. Das schwierige und um 
fangreiche Gebiet aller kommunalen Lebensäußerungen scheint 
ein berufenes wissenschaftliches Organ gefunden zu haben. Das 
vorliegende Heft der „Zeitschrift für Kommunalwissenschaft“ 
erweckt durchaus den Eindruck, als ob der Herausgeber und 
seine Mitarbeiter mit Ernsthaftigkeit und Sachkenntnis an die 
gestellte Aufgabe herangingen, und bringt eine Fülle wertvoller 
Aufsätze und wichtigen Materials. 
Sprechsaal 
Anfrage. Im Villenviertel einer größeren Stadt befindet sich 
in einem Garten, durch welchen eine künftige Straße führt und 
zwar gerade auf der künftigen Straßenfläche ein zweistöckiges 
Gartenhaus mit Freitreppe. Dieses Gartenhaus wird seit einiger 
Zeit als Stall für ein Pferd benützt, wobei der I. Stock als Bur 
schenkammer dient; nebenan wurde eine bedeckte zementierte 
Dunglage erstellt, je ohneGenehmigung. Durch die Verwendung des 
Gartenhauses als Stall fühle ich mich als Nebenlieger geschädigt, 
sowohl in Bezug auf geringeren Pachtzinserlös für meinen eigenen 
Garten, wie auch wegen erschwerter Verkaufsmöglichkeit. Dazu 
kommt noch, daß der Besitzer des Gartenhauses durch die nun 
mehrige Verwendung desselben als Stall für den abzutretenden 
Straßenplatz nun einen weit höheren Preis fordert. Hierdurch wird 
die Anlegung der Straße und Beseitigung des Gartenhauses noch 
Jahre lang auf sich warten lassen. Ich bitte nun um gefl. Aus- 
| kunft, ob hier nicht von Baupolizeiwegen eingeschritten werden 
1 kann, wegen der veränderten Benutzungsweise wird zwar bau 
polizeiliche Genehmigung kaum in Frage kommen? Stall und 
Burschenkammer sind natürlich für fragl. Zwecke kaum geeignet 
(Ersterer muß im strengen Winter, um das Erfrieren des Pferdes 
zu verhindern, mit Mist umgeben werden.) U. C. 
Antwort. Wir setzen voraus, daß über die mögl. Beseitigung 
des fragl. Gartenhauses selbst baupolizeiliche Reverse im Sinne 
des Art. 14 Abs. 2 und Art. 29 Abs. 2 der B.-O. nicht bestehen. 
Im übrigen scheint uns nach dem vorgelegten Plan die Gemeinde 
nicht nur berechtigt, sondern verpflichtet anläßlich Ihrer Bauein 
gabe die Enteignung der zur ortsbauplanmäßigen Anlage der Al 
penstraße erforderlichen Grundfläche durchzuführen, wobei das 
beanstandete Stallgebäude selbstverständlich in Wegfall käme. 
Vergl. Art. 15 Abs. 4, Art. 17 Abs. 3 und Art. 22 Abs. 1 und 2 
der B.-O. Die Frage, ob gegen die derzeitige Benützungsweise des 
„Gartenhauses“ nicht polizeilich eingeschritten werden kann, aus 
Gründen der Min.-Verfügung über die Wohnungsaufsicht und aus 
veterinärpolizeil. Gründen läßt sich ohne nähere Kenntnis der betr. 
Räume nicht beurteilen. Bdt. 
Verleger ist; Bauzeitungs-Verlag Karl Schüler, Stuttgart — Druck der Buchdruckerei Oust. Stürner, Waiblingen.
	        

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