Title:
Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen
Shelfmark:
XIX/1085,4-11,1914
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1499766280559_1914/55/
7. Februar 1914 
BAUZEITUNG 
47 
dessen ganzes Gebahren allgemach zu einer Gefahr für 
die geschlossene Stoßkraft der Arbeitgeberorganisation 
zu werden droht. Während auf der führenden Seite recht 
zeitig erkannt und mit Erfolg der Gesichtspunkt heraus 
gearbeitet wurde, daß es sich bei der Arbeitgeberverbands 
sache um eine einheitliche sozialpolitische Aufgabe han 
delt, an der alle Unternehmer ein gleichlaufendes Interesse 
haben und die daher nur durch eine selbständige Organi 
sation unter Loslösung von den wirtschaftlichen Vereinen 
und ungestört durch die in diesen zu Tage tretenden wirt 
schaftspolitischen Gegensätze in der Industrie mit Erfolg 
gelöst werden kann, trägt der Industrieschutzverband 
nach allen seinen Bekundungen mit Absicht bestehende 
politische und wirtschaftliche Differenzen in die Arbeit 
geberverbandsbewegung hinein. Denn er sucht durch 
ganz fälschliche Darstellungen die Vereinigung der Deut 
schen Arbeitgeberverbände zu einer Vertretung lediglich 
der „schweren“ Industrie hinzustellen, um sich demgegen 
über als ein Verband für die „verarbeitende“ Industrie 
und das Handwerk einzuführen. Während ferner die 
durch die „Vereinigung“ repräsentierten Arbeitgeberor 
ganisationen ihre Arbeit auf dem Solidaritätsgedanken 
aufbauen und mit allen Kräften in den Unternehmern das 
Bewußtsein von der Notwendigkeit des solidarischen Zu 
sammengehens zum Schutze des Gesamtinteresses stärken, 
besteht das Verfahren des Industrieschutzverbandes, wie 
seine eigenen Veröffentlichungen auf das Deutlichste be 
weisen, darin, dem kurzsichtigen Interessenstandpunkt 
des einzelnen Arbeitgebers entgegenzukommen, indem er 
eine Beilegung der Arbeiterbewegungen ohne Rücksicht 
auf die Rückwirkungen für die Gesamtheit betreibt, und 
indem er unter einseitiger Betonung der Notwendigkeit 
einer Streikversicherung die Aufmerksamkeit des Arbeit 
gebers von dem großen sozialen Zweck der Arbeitgeber 
organisation ablenkt und ihn auf ein enges rein finan 
zielles Versicherungsinteresse verweist. Diese grundsätz 
lichen Fehler in dem Aufbau des Deutschen Industrie 
schutzverbandes müssen schließlich destruktiv auf die Ar 
beitgeberorganisation wirken. Das ganze Auftreten des 
Industrieschutzverbandes ist aber geeignet, auf einem Ge 
biete, auf welchem die Unternehmer glücklich einmal auf 
dem Wege zu geschlossenem Zusammenwirken sind, Ver 
wirrung und Zersplitterung anzurichten. Dringend zu 
wünschen wäre daher, daß die Arbeitgeber diese Gefahr 
schnell erkennen und die erforderlichen Konsequenzen in 
ihrer Stellungnahme zum Deutschen Industrieschutzver 
band ziehen. 
Wettbewerbe 
Elias Holl-Denkmal in Augsburg. Es erhielten einen 
zweiten Preis von je 700 M.: 1. Arch. Dipl.-Ing. F. X. 
Probst, Ludwig Müller-Hipper, Ass. a. d. Techn. Hoch 
schule, beide in München; 2. Bildhauer Benno und Hans 
Müller, München; 3. Bildhauer W. S. Resch-München und 
Dipl.-Ing. Fritz Landauer, München. Einen dritten Preis 
von 400 M.: Bildhauer Gg. Mattes-München, Kgl. Bau 
amtsassessor K. Hoepfel. Angekauft wurden mit je 250 M. 
die Entwürfe von: 1. Bildhauer Hans Geist, München, 
und Bildhauer Emil Wagner, Augsburg; 2. Bildhauer 
Göhring und Gradl, Fasanerie Moosach b. München. 
Friedhof Cöln. Einen zweiten Preis (M. 5 000) erhielt 
Architekt Franz Röckle, Mitarbeiter Carl Knell in Firma 
Keller u. Herforth, Frankfurt a. M. Zwei dritte Preise 
(je M. 4 000) erhielten a) Architekten Kraemer u. Herold, 
Gartenarchitekt E. Hardt, Düsseldorf; b) Architekt Wach, 
Dipl.-Ing. und H. Beck, Düsseldorf. 
Angekauft wurden die Entwürfe von Professor 
P. Meißner, Darmstadt; Architekt Carl Stahl, Berlin- 
Wilmersdorf; Architekt Müller - Jena und Garten 
architekt Theo Nußbaum, beide Cöln; Architekt Otto 
Eichert, Ludwigsburg; Reg^.-Baumeister Stirn und Fried 
hofverwalter Carl Nilgen, beide Cöln. 
Venedig. Ein internationaler Wettbewerb zur Erlan 
gung von 40 Villen für den Lido wird von der „Compag- 
nia dei Grandi Alberghi“ in Venedig zum 30. Juni d. J. 
erlassen. Es handelt sich um die Bebauung eines Gelän 
des, das sich im Umfang von etwa 70 000 qm an der 
Strandpromenade des Lido zwischen dem „Grand Hotel 
des Bains“ und dem „Exzelsior Palace“ hinzieht. Die 
Summe der Preise beträgt 25 000 Lire. Der Bebauungs 
plan und die Stilfassung sind den Bewerbern überlassen. 
Unterlagen durch die genannte Gesellschaft. 
Moers. Ideenplan für die Wiederbebauung des Neu 
marktes. Insgesamt sind 305 Unterlagen eingefordert und 
zirka 70 Entwürfe eingegangen. Das Preisgericht tritt 
am 14. ds. Mts. zusammen; anschließend daran werden 
sämtliche Entwürfe eine Woche lang in dem Saale des 
evangelischen Vereinshauses hierselbst an der Homberger- 
straße ausgestellt werden. 
Kleine Mitteilungen 
Württ. Kunstverein. Die Gedächtnis-Ausstellung für 
f Prof. Carlos O r e t h e begegnet in allen Kreisen größ 
tem Interesse und erfreut sich andauernd sehr guten Be 
suchs. In den letzten Tagen wurde sie von Herzog Al- 
brecht und dessen Söhnen, Prinzessin zu Schaumburg- 
Lippe, sowie von Herzog Wilhelm von Urach eingehend 
besichtigt. 
Stuttgart. Am 31. Januar wurde die neue Markthalle, 
erbaut von Professor Martin Elsäßer, eingeweiht. Wir 
beabsichtigen, demnächst eine Publikation der ganzen An 
lage vorzuriehmen. 
Hygiene-Ausstellung und Handwerk. Die Handwerks 
kammer erläßt ein Rundschreiben, in welchem sie die An 
regung gibt, Kollektiv-Ausstellungen der einzelnen Hand 
werke zu veranstalten, wobei die Beteiligung infolge der 
geringeren Kosten eher möglich gemacht wird. Die ein 
zelnen Gruppen, innerhalb deren solche Kollektiv-Aus 
stellungen in Frage kommen, sind in dem Rundschreiben 
aufgezählt und gibt die Handwerkskammer Stuttgart gern 
nähere Auskunft. 
Deutsche Werkbund-Ausstellung Cöln 1914. 
Die Hauptausstellungshalle auf der Deut 
schen Werkbund-Ausstellung Cöln 1914 erfährt eine be 
trächtliche Erweiterung. Die über Erwarten zahlreich 
eingegangenen Anmeldungen hatten schon längst zur 
Ueberdachung der ursprünglich vom Erbauer der Halle, 
Prof. Theodor Fischer - München, vorgesehenen großen 
Innenhöfe geführt, wodurch die überbaute Fläche in der 
Haupthalle auf rund 16 000 qm angewachsen war. Es 
fehlten jedoch noch der Raum für wichtige Teile des Aus 
stellungsprogramms, wie kirchliche Kunst, Architektur, 
Theaterkunst, Musikinstrumente und Raumkunstgruppen, 
die nun in dem neuen Anbau Platz finden werden. Die 
Haupthalle umfaßt jetzt rund 18 000 qm. Die mächtige, 
repräsentativ ausgestaltete Mittelhalle entsendet recht 
winklig zu beiden Seiten je 5 unmittelbar nebeneinander 
liegende Ausstellungshallen. Den Uebergang von der 
Mittelhalle zu den Querhallen vermittelt auf jeder Seite 
eine der Mittelhalle paralell laufende schmale Seitenhalle. 
Dieser reichgegliederte innere Kern der Haupthalle ist 
ganz von einem Gang umzogen, an dessen Außenseite 
rechts und links je 4 Ausbauten für geschlossene Raum 
kunstgruppen mit dazwischen liegenden Gartenteilen 
sich anschließen. Auf der Hinterseite liegen jenseits des 
Umganges noch einige Raumkunsttrakte und die jetzt neu 
geschaffenen Ausstellungsräume mit den 3 kirchlichen 
Räumen als letztem Abschluß. 
Zu der Haupthalle kommen als Ausstellungshallen 
noch hinzu; die Verkehrshalle, die Farbenschau, Fabrik 
und Büro, das Oesterreichische, das Sächsische, das Bre 
men-Oldenburger, das Cölner Haus, das Haus der Frau, 
das Etagenhaus und die Reihenhäuser, die Ladenstraße
        

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