Title:
Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen
Shelfmark:
XIX/1085,4-11,1914
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1499766280559_1914/61/
14. Februar 1914 
BAUZEITUNG 
53 
Mittel zur Verfügung, um einen solchen Vorgang zu ver 
hindern; andere Mittel zu ergehen ist fast ebenso aus 
sichtslos, wie für den guten Ruf unseres Standes gefähr 
lich. Es bleibt also nichts übrig, als nachher die Tat 
sachen festzustellen, was hiedurch zur Wahrung berech 
tigter Interessen und im öffentlichen Interesse der Archi 
tektenschaft geschieht. Professor Martin Elsäßer. 
Württembergischer Verein für Baukunde. 
Die5. ord. Versamml. am7.Febr. leitete der Vorsitzende, 
Baurat Euting, mit geschäftl. Bemerkungen ein, darunter 2 
Neuaufnahmen und 2 Aufnahmegesuche. Alsdann bat 
Oberbaurat R e i h 1 i n g um das Wort zu einer Bemer 
kung über die gegenwärtigen Anstellungsverhältnisse der 
Techniker in Württemberg. Er ging davon aus, daß 
fende Unterschiede: Ersterer ist unbeweglich, schwer zer 
störbar und vermehrbar und beeinflußt zusammen mit 
dem Klima tiefgreifend das Volksleben. Das Kapital da 
gegen ist beweglich, leicht zerstörbar und vermehrbar. 
In diesen verschiedenen Eigenschaften ist zugleich eine 
verschiedene Preisbewegung im Laufe der Entwicklung 
begründet. Die Kapitalien bewegen sich in absteigender 
Linie, der Zinsfuß ist seit dem Mittelalter von 20 auf 3 
bis 4 % gesunken. Der Boden dagegen ist fast überall 
im Preis gestiegen und hat damit auch die Preiskurve der 
Gebäude sowie der landwirtschaftlichen Erzeugnisse in 
die Höhe getrieben. Allerdings ergeben sich auch hier 
Gegenbewegungen durch Dezentralisation der Städte, 
Verbesserung der Beförderungsmittel usw. Im allgemeinen 
aber ist bei dem Boden ein Wertzuwachs zu verzeichnen, 
Rathaus Ebingen Ausführung 
gegenwärtig sowohl vor dem Studium der Rechte, als der 
Forstwissenschaft gewarnt werde und betonte, daß bei 
den Technikern die Schwierigkeiten keineswegs geringer 
seien. Er schlug vor, der Verein möge hierüber genaue 
Erhebungen anstellen und in Erwägung ziehen, wie diesen 
Schwierigkeiten entgegengetreten werden könne. Alsdann 
hielt Prof. Dr. Kindermann-Hohenheim in formvollendeter 
Rede einen Vortrag über „Die Bodenrefor m“. Er 
ging aus von den hohen Wolkenkratzern im Geschäfts 
viertel von Newyork und fragte nach dem Grund der Er 
richtung solch riesiger Gebäude. Er fand die Antwort in 
der Beschränktheit des Grund und Bodens und damit zu 
sammenhängend in den fabelhaft hohen Bodenpreisen, die 
bis zu 20 000 M.-qm und mehr erreichen, sowie ferner in 
dem Bestreben, mit den Geschäften im Verkehrsmittelpunkt 
der Stadt zu bleiben. Wie in Amerika und England, so 
steigen auch in Deutschland die Bodenwerte immer mehr, 
wodurch eine schnelle Bereicherung einzelner und ande 
rerseits ein großes Wohnungselend entstanden ist. Die 
Bodenfrage ist daher ein Teil der heutigen sozialen Frage 
und kann nur im Zusammenhang mit dieser, also gleich 
zeitig mit der Arbeit zur Hebung der mittleren und breiten 
Schichten gelöst werden. Es gibt zwei Güter: Grund 
und Boden, sowie das Kapital. Beide besitzen tiefgrei- 
der noch durch soziale monopolartige Momente, wie das 
Wachstum der Städte, die Schutzzölle, ungeschickte Bau 
ordnungen und dergl. gesteigert und heutzutage von der 
Spekulation in rücksichtsloser Weise ausgenützt wird. 
Dadurch haben sich eine Menge tiefgreifender Schäden 
entwickelt, die in erster Linie gesundheitlicher Natur sind. 
Das enge Zusammenwohnen vieler Menschen auf kleinem 
Raum schädigt die Volksgesundheit, vermindert die Mili 
tärtauglichkeit und die Geburtsziffer, erhöht die Säug 
lingssterblichkeit und den Alkoholmißbrauch, vermindert 
die Fantasietätigkeit und damit die Fröhlichkeit zur Arbeit, 
schädigt die Volkswirtschaft und damit die Konkurrenz 
fähigkeit auf dem Weltmarkt, untergräbt die Sittlichkeit 
und zerstört das Heimatsgefühl. Es ist deshalb Pflicht 
jedes einzelnen wie der Gesamtheit, auf Mittel zur Abhilfe 
zu sinnen. Solche bestehen allgemein in Sozialpolitik, 
Schulbildung, Arbeitsnachweisen, Durcharbeitszeit; im 
besonderen in zweckmäßigen Bebauungsplänen, guten 
Verkehrsmitteln, Förderung von Baugenossenschaft usw., 
namentlich aber auch in Einführung der Wertzuwachs 
steuer. Schärfere Mitei, die nur in besonderen Fällen an 
zuwenden sind, bestehen in Anlegung von Gartenstädten 
(z. B. Klein-Hohenheim), innerer und äußerer Koloni 
sation; dagegen ist selbstverständlich eine Einziehung der
        

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