Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1915/16)

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BAUZEITUNG 
Nr. 9; 1 O 
Vereinsmilteilungen 
Württ. Baubeamten-Verein. Schon wieder haben 
wir die schmerzliche Pflicht, unsere Mitglieder von dem 
erfolgten Hinscheiden eines Ausschußmitgliedes und Mit- 
begründeis unseres Vereins Kenntnis zu geben. Herr 
Oberbahnmeister Theodor Schaupp in Winnenden ist 
am 3. März d. J. nach langem mit vieler Geduld ertragenen 
Leiden im Alter von 66 Jahren uns durch den Tod ent 
rissen worden. Welch allgemeiner Hochachtung sich 
dieser pflichtgetreue, freundliche und wohlwollende Be 
amte erfreute, zeigte sich in der überaus zahlreichen 
Beteiligung von nah und fern bei dessen Beerdigung 
und durch die vielen ehrenden Nachrufe, die dem Ver 
storbenen am Grabe gewidmet wurden. 
Wir haben in dem Dahingeschiedenen nicht blos ein 
treues Mitglied, der stets mit voller Kraft für die Hebung 
des Standes eintrat, verloren, sondern wir haben in ihm 
auch einen treuen Freund verloren, der durch seine vor 
trefflichen Eigenschaften sich die Liebe und Verehrung 
seiner Kollegen in ganz erhöhtem Maße erwarb, was 
auch von unserem 2. Vorstand in seinem Nachruf am 
Grabe in treffenden Worten zum Ausdruck gebracht wurde. 
Alle, die den Dahingeschiedenen kannten werden ihm 
ein treues dankbares Andenken bewahren. 
Kleine Mitteilungen 
Eröffnung des Orientverkehrs. Die Firma Schenker 
und Co. Internationale Transporte Filiale Stuttgart macht 
bekannt, daß sie den kombinierten Donau- und Bahn 
verkehr nach den bulgarischen Hafenplätzen und im An 
schluß daran nach den bulgarischen und türkischen 
Binnenstationen mit eigenen Schleppern aufgenommen 
haben Die Firma gibt über Frachten Zölle und über 
einschlägige Bestimmungen der in Betracht kommenden 
Staaten Auskunft. 
Yerbandsnachrichten. 
Der Vorstand des deutschen Arbeitgeberbundes für 
das Baugewerbe hat am 1. März folgendes Rundschreiben 
an die Mitglieder des Bundes gerichtet: 
Die 17. ordentliche Hauptversammlung des Deut 
schen Arbeitgeberbundes für das Baugewerbe hat am 29. 
Februar 1916 zu Berlin folgenden Beschluß gefaßt: 
Die Hauptversammlung gibt ihre Zustimmung zu der 
vom Qeschäftsführenden Ausschuß in den Verhandlungen 
im Reichsamt des Innern abgegebene Erklärung, auf die 
Tariflöhne Kriegszulagen zu gewähren, und zwar in 
Tariforten bis zu 5000 Einwohnern pro Stunde 4 Pfennig, 
in allen übrigen Tarifgebieten mit 9stündiger Sommer 
arbeitszeit 6 Pfg. pro Stunde, mit über 9 stündiger Sommer 
arbeitszeit 5 Pfg. pro Stunde. 
Die Hauptversammlung beschließt trotz der erheblichen 
Schwierigkeiten in einzelnen Bezirken und trotz des Wieder 
spruchs "der Arbeitervertreter, den Reichstarifvertrag auf 
dieser Grundlage zu verlängern, diese Kriegszulage vom 
15. März d. Js. ab freiwillig zu gewähren. 
Nach Ablauf des Reichstarifvertrages am 31. März d. Js. 
soll da, wo es die Beschäftigungsmöglichkeiten zulassen, 
den Arbeitern Gelegenheit gegeben werden, durch Ver 
längerung der Arbeitszeit ihren Verdienst zu erhöhen. 
Der Deutsche Arbeitgeberbund für das Baugewerbe 
ist nach wie vor Anhänger des Tarifvertrages und bereit, 
über die Verlängerung des bestehenden Reichstarifvertrages 
zu verhandeln, sobald von irgendeiner Seite Anregung 
dazu gegeben wird.“ 
Die Mitglieder werden hierdurch ersucht, vom 15. 
März d. Js. ab die beschlossene Kriegszulage zu zahlen. 
Dabei ist folgendes zu beachten: 
Die festgesetzten Staffeln der Kriegszulage gelten für 
alle im Tarif verzeichnten Arbeiterkategorien in gleicher 
Höhe d. h. Maurer, Zimmerer, Zementfacharb., Zementarb., 
Bauhilfsarb. usw. erhalten für jede geleistete Arbeitsstunde 
die gleiche für den Betriebsort bestimmte Kriegszulage. 
Bei der Lohnberechnung ist zunächst der bisherige 
tarifmäßige Lohn mit etwaigen tarifmäßigen Zuschlägen 
anzusetzen; hierzu kommt dann die Zulage, die durch 
den Vermerk (am besten Stempelaufdruck) „Kriegszulage“ 
als solche zu kennzeichnen ist, damit Schwierigkeiten 
bei späteren Tarifverhandlungen vermieden werden. 
Bis zum 31. März bleiben im übrigen alle Bestimmungen 
des Tarifvertrags in Kraft. 
Falls bis dahin der Reichstarifvertrag für das Bau 
gewerbe nicht verlängert wird, werden Arbeitsbedingungen 
aufgestellt und den Mitgliedern rechtzeitig zugesandt werden. 
Alle Mitglieder werden ersucht, den Hauptversamm 
lungsbeschluß zur Durchführung zu bringen, höhere Löhne 
oder höhere Kriegszulagen aber keinesfalls zu zahlen. 
Oertliche und Einzelverhandlungen mit den Arbeitervertretern: 
sind abzulehnen. 
Bücher 
Das Recht der württembergischen Bauordnung. Von 
Oberbürgermeister a. D. Gauß. Mit einem Anhang: 
Die württembergische Bauordnung. Preis 
broschiert 2,50 Mk. (Verlag von W. Kohlhammer, Stutt 
gart, Berlin, Leipzig.) Die Schrift gibt eine kurzgefaßte 
Uebersicht über den in der württembergischen Bauord 
nung geregelten Rechtsstoff und führt in leicht verständ 
licher Weise in dieses Gesetz ein. Sie beschränkt sich 
nicht auf die Orientierung über das neue württembergische 
Baurecht, sondern geht — und zwar teilweise durchaus 
neu und selbständig — auf eine Reihe von Stoffen des 
näheren ein — in einer Weise, die auch vom Standpunkt 
des außerwürttembergischen Rechts aus Interesse hat; so 
auf den Beruf der Gesetzgebung zur Regelung polizei 
licher Gegenstände und das Verhältnis von Gesetzgebung 
und Verwaltung, insbesondere auch die Befugnis der Re 
gierung zur Erlassung von Rechtsverordnungen behufs 
näherer Bestimmung und Ausführung von Gesetzen (eine 
Befugnis, die in Württemberg durch die Bauordnung nun 
mehr eine genaue Umgrenzung erfahren hat), ferner auf 
die Rechtsstellung der Baupolizeibehörden, die über die 
Baugesuche zu erkennen haben, endlich auf das Wesen 
und die rechtliche Natur der sogenannten Baulasten, d. h. 
der durch Bewilligung benachbarter Grundbesitzer ent 
standenen, dem öffentlichen Nachbarrecht angehörigen 
Baubefugnisse, für die das württembergische Recht (wie 
früher schon das kgl. sächsische) öffentliche Bücher, die 
sogenannten Baulastenbücher (in Sachsen Oblastenbücher 
genannt) eingeführt hat. Diese Einrichtung ist von ebenso 
großem, wissenschaftlichem wie praktischem Interesse und 
von letzterem deshalb, weil die öffentlich-rechtlichen Bau 
beschränkungen, die nach Staats- und Ortsgesetzgebungen 
sachlich immer einschneidender werden und räumlich sich 
immer weiter verbreiten, eine gewisse, den Grundeigen 
tümern und Nachbarn überlassene Beweglichkeit haben 
müssen, woraus ein der Parteiverfügung unterliegendes, 
gewillkürtes öffentliches Nachbarrecht entsteht. Es ist 
darum wertvoll, daß die obige Schrift unter Verwertung 
praktischer Erfahrungen sich mit der rechtlich-wissen 
schaftlichen Konstruktion der neuen gesetzlichen Einrich 
tung befaßt und eine einleuchtende sowohl den prak 
tischen Bedürfnissen dienende als die positiven Oesetzes- 
vorschriften in ihrem inneren Grund aufschließende und 
erklärende Theorie aufgestellt hat. 
Zeichnet die vierte Kriegsanleihe! 
Verantwortlich: Karl Schüler. Stuttgart. 
Druck: Gustav Stürner in Waiblingen
	        

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