Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1915/16)

Nr. 37/39 
BAUZEITUNO 
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bliebenengesetzes Anspruch auf Kriegsversorgung haben, 
auf ihren Antrag hin zum Erwerb oder zur wirtschaftlichen 
Stärkung eigenen Grundbesitzes durch Zahlung eines 
Kapitals abgefunden werden. Es kann fernerhin eine 
Kapitalabfindung gewährt werden, wenn Versorgungs 
berechtigte zum Erwerbe eigenen Grundbesitzes einem 
gemeinnützigen Bau- oder Siedlungs-Unternehmen bei 
treten wollen. Voraussetzung für die Bewilligung der 
Kapitalabfindung ist noch, daß der Versorgungsberechtigte 
das 21. Lebensjahr vollendet und das 55. Lebensjahr noch 
nicht zurückgelegt hat; ausnahmsweise kann jedoch auch 
nach dem 55. Lebensjahr eine entsprechende Abfindung 
gewährt werden. 
Es wird also die Kapitalabfindung nur gewährt für 
den Erwerb von Grund und Boden und zur Errichtung 
einer Wohnheimstätte oder einer Wirtschaftsheimstätte, 
oder zur Stärkung schon vorhandenen Grundbesitzes. 
Zu irgendwelchen anderen Zwecken kann eine Kapital 
abfindung nicht gewährt werden. Das Gesetz schreibt 
ausdrücklich vor," daß diese Bestimmung über die Ver 
wendung des Kapitals durch die Form der Auszahlung 
Die Höhe der Kapitalabfindung richtet sich nach dem 
Alter des Versorgungsberechtigten, es wird beim 21. Lebens 
jahr das 18 l / 2 fache, beim 22. Lebensjahr das 18 1 / 4 fache und 
bis zum 48. Lebensjahr jedesmal das */ 4 fache weniger, 
von da ab jedesmal das ’/ 2 fache weniger, so also beim 
55. Lebensjahr das 8 l / 4 fache des Jahresbetrages der für 
die Kapitalisierung in Frage kommenden Bezüge ausbezahlt. 
Es würde also ein 21 jähriger Kriegsinvalid, dessen 
Kriegszulage jährlich 180.— Mk. und dessen Verstümmel 
ungszulage 324.— Mk. kapitalisiert würde, ein Kapital 
von Mk. 3330. h Mk. 5994.— = Mk. 9324- 
ausbezahlt bekommen; ein Kriegsinvalid von 30 Jahren das 
16‘/ 4 fache der Kriegszulage und Verstümmelungszulage, 
also Mk. 2925. j- Mk. 5265.— = Mk. 8190.— 
ein Kriegsinvalid von 40 Jahren das 13 3 / 4 fache, 
also Mk. 2475. \- Mk. 4455.— = Mk. 6930. - 
und ein Kriegsinvalid von 55 Jahren das 8‘/ 4 fache, 
also Mk. 1485.— + Mk. 2754 — = Mk. 4239. - 
Bekommt also ein Kriegsinvalid keine Verstümmelungs 
und durch Maßnahmen zur Verhinderung alsbaldiger 
Weiterveränderung des Grundstückes zu sichern ist. Zur 
Sicherung der bestimmungsgemäßen Verwendung der 
Abfindungssumme und der etwaigen Rückzahlungspflicht 
ist eine Sicherungs-Hypothek zu Gunsten des Militärfiskus 
einzutragen, die sich jährlich um den Betrag des kapitali 
sierten Rententeiles vermindert und mit dem Tode des 
Rentenberechtigten erlischt. 
Das Gesetz sieht nun nicht eine Kapitalisierung der 
Rente, sondern der Kriegszulage, der Verstümmelungszulagc 
und der Tropenzulage vor. Sollte also jemals durch irgend 
welche Vorgänge, was jadurch das Gesetz ziemlich unmöglich 
gemacht ist, ein Abgefundenerdas Kapital wieder verlieren, so 
würde ihm immer noch die Rente verbleiben. — Es können 
dann weiterhin die Bezüge der Kriegerwitwen kapitalisiert 
werden und zwar die Bezüge der Witwe eines Feldwebels, 
Vicefeldwebels, Sergeanten mit der Löhnung eines Vice- 
feklwebels oder eines Zugführers der freiwilligen Kriegs 
krankenpflege bis zur Höhe von Mk. 300.—, die Bezüge 
der Witwe eines Sergeanten, Unteroffiziers, Zugführer 
stellvertreters oder Sektionsführers der freiwilligen Kranken 
pflege bis zur Höhe von Mk. 250 und die Bezüge der 
Witwe eines Gemeinen oder einer jeden anderen Person 
des Unterpersonals der freiwilligen Kriegskrankenpflege 
bis zur Höhe von Mk. 200.— 
Zulage, so wird das Kapital, was er bekommt, bedeutend 
geringer, da ihm nur die Kriegszulage von jährlich Mk. 
180.— kapitalisiert wird. Es würde also ein Kriegs 
invalide von 21 Jahren nur Mk. 3330.— 
„ 30 Jahren „ „ 2925.— 
„ 40 Jahren „ „ 2475. 
„ 55 Jahren „ „ 1485.— 
bekommen. 
Es ist dies allerdings bedauerlich für die Lungen 
kranken und Herzkranken unter den Kriegsinvaliden, die 
ja keine Verstümmelungszulage bekommen, obwohl sie 
häufig schlimmer daran sind als ein Verstümmelter. Der 
Verstümmelte kann entsprechend einer Verstümmelung 
eine Arbeitsleistung regelmäßig verrichten, während ein 
Lungenkranker oder Herzkranker mit mehr oder wenigeren 
Arbeitsunterbrechungen infolge Verschlimmerung seines 
Zustandes rechnen muß. Außerdem ist natürlich die 
Ansiedelung auf dem Lande im eigenen, luftigen sonnigen 
Heim für einen Lungenkranken noch notwendiger als für 
einen Verstümmelten, dessen innere Organe gesund sind, 
ln dieser Hinsicht scheint mir das sonst aufs freudigste 
zu begrüßende Gesetz eine Lücke zu haben. 
Die Kapitalabfindungssumme ist zurückzuzahlen, wenn 
sie nicht innerhalb einer von der obersten Militärverwaltungs-
	        

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