Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1915/16)

3. April 1915 
BAUZEITUNG 
n 
langt werden, als von einem „normalen" oder Durch 
schnitts-Maurermeister, d. h. von einem solchen, der sich 
auf die Ausübung seines Handwerks beschränkt. Aber 
auch abgesehen von diesem unrichtigen Ausgangspunkte 
erscheint die Verneinung der Fahrlässigkeit von Rechts 
irrtum beeinflußt. Zwar erkennt der Berufungsrichter an, 
daß die Unfallverhütungsvorschriften der nordöstlichen 
Bauberufsgenossenschaft, welche einen Niederschlag 
praktischer Berufserfahrung darstellten, gegen den Be 
klagten sprechen, in denen u. a. vorgeschrieben ist, daß 
neben vorhandenen Bauwerken der Bodenaushub und die 
Aufmauerung der neuen Fundamente erst nach Anbring 
ung von erforderlichen Abstreifungen vorzunehmen ist. 
Er meint aber, diese Vorschriften ließen natürlich der Be 
urteilung der Sachlage im einzelnen einen gewissen Spiel 
raum, und würdigt sie damit nicht zutreffend. Denn diese 
Vorschriften bilden eine für die Mitglieder verbindliche 
Norm ihres Handelns. Daß der Beklagte Mitglied der 
genannten Berufsgenossenschaft ist, wird vom Berufungs- 
Bauarbeiten in Belgien. 
Von der K. Württemb. Zentralstelle für Gewerbe und 
Handel erhalten wir folgende Mitteilung: 
Stuttgart, 28. Januar 1915. 
r Das General-Gouvernement in Belgien teilt mit, daß bei 
ihm zahlreiche Zuschriften und ebensoviele mündliche An 
gebote von Baugesellschaften, Unternehmern, Architekten 
usw. um Uebertragung von Bauarbeiten in Belgien, sowie 
gleiche Gesuche einzelner Personen um Anstellung bei den 
Bauten, insbesondere den Festungsbauten, eingegangen 
seien. Aus all den Angeboten und Gesuchen gehe her 
vor, daß in Deutschland die Ansicht herrsche, in Belgien 
fänden Wiederherstellungs- und Neubauten in riesigem 
Umfange statt. Dem sei aber nicht so. Von den Hunderten, 
die Arbeit und Verdienst in Belgien suchen, können daher 
nur einige wenige berücksichtigt werden und der Bedarf 
sei längst gedeckt. Es sei deshalb dringend vor den 
Friedhof 
Mostar 
in der Her 
zegowina 
richter ersichtlich angenommen. Er hat auch durch Vor 
nahme der Ausschachtung ohne irgend eine Sicherungs 
maßregel den Vorschriften zuwidergehandelt. Einen die 
Zuwiderhandlung rechtfertigenden Grund konnte der Be 
rufungsrichter nicht ohne Rechtsirrtum darin finden, daß der 
Beklagte der Meinung war, die Befolgung der Vorschrift 
sei im vorliegenden Falle nicht erforderlich. Denn an 
gesichts der bestehenden Vorschrift mußte sich der Be 
klagte bei Anwendung der von ihm zu erfordernden Auf 
merksamkeit sagen, daß seine Meinung möglicherweise 
auch unrichtig sein und demnach durch Unterlassung der 
vorgeschriebenen Sicherung der Bau gefährdet werden 
könne. Sollte etwa der Beklagte von dem Bestehen der 
Vorschriften keine Kenntnis gehabt haben, so wäre zu 
prüfen gewesen, ob nicht die Fahrlässigkeit darin erblickt 
werden müßte, daß er einen Bau unternommen hat, ohne 
sich von den darüber bestehenden Vorschriften Kenntnis 
zu verschaffen. Sonach war das vorinstanzliche Urteil 
aufzuheben und die Sache zur anderweiten Verhandlung 
und Entscheidung an das Kammergericht zürückzuver- 
weisen. 
Aufwendungen an Zeit und Kosten einer Reise nach 
Belgien zu warnen. Bei der Ueberzahl schriftlicher An 
gebote sei es auch nicht mehr möglich, sie alle zu be 
antworten. 
Wettbewerbe 
Einen Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen 
für Grabdenkmäler auf die Offiziers-Kriegergräber 
im Waldfriedhof haben die bürgerlichen Kollegien Stutt 
garts beschlossen. Zur Beteiligung sind die Architekten 
und Bildhaner Groß-Stuttgarts, deutscher Staatsangehörig 
keit eingeladen. Einlieferungstermin 15. Maid.J. Näheres 
s. Inseratenteil. 
Einen Wettbewerb für Entwürfe zu Kriegergrabzeichen 
und Gedenktafeln veranstalten gemeinsam die vier Ver 
einigungen, die bisher schon auf dem Gebiet der Fried 
hofkunst tätig waren: Bund für Heimatschutz in Württ. 
und Hohenzolllern, Landesausschuß für Natur- und
	        

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