Full text : Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1915/16)

2.  September  1915

BAUZEITUNG

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glücklicher  zu  lösen  ist.  Der  Wettbewerb  hat  zu  Gunsten
einer  anderen  Aufteilung  entschieden.
Unabhängig  vom  Wettbewerb  hat  sich  Baurat  Mueßmann,
  der  Vorstand  des  vor  einem  Jahr  neu  geschaffenen
Stadterweiterungsbureaus  mit  dem  Stadtbauplan  für  das
Bahnhofviertel  beschäftigt  und  ist  dabei  zu  einem  Vorschlag ­
  gelangt,  den  wir  gleich  im  Anschluß  an  die  Arbeit
von  Prof.  Bonatz  und  Scholer  vorführen.  Wir  tun  dies,
weil  beide  Vorschläge  sich  in  zwei  Hauptpunkten  ähnlich ­
  sind;  sie  haben  gemeinsam,  die  Form  des  Bahnhofplatzes ­
  und  die  Führung  der  Verkehrsstraße  zwischen
König-  und  Friedrichstraße.  Ein  Vergleich  mit  dem  offiziellen ­
  Plan  zeigt  ohne  Weiteres,  daß  letzterer  durch  die
neuen  Vorschläge  an  Großzügigkeit  weit  übertroffen  wird.

trag  tun  könnte.  Diese  Innenstraße,  welche  zum  Anbau
eine  Reihe  von  beachtenswerten  Gelegenheiten  schafft,
löst  in  Gemeinschaft  mit  den  beiden  Hauptstraßen,  der
Königstraße  und  der  Straße  1  (Straße  1  wie  im  Vorschlag ­
  von  Bonatz  und  Scholer  eingezeichnet)  die  Verkehrsfragen ­
  in  bester  Weise.  Straßenbahn  und  Fuhrwerke ­
  gehen  durch  die  Königstraße  und  Straße  1.  Dem
Fußgänger  steht  außer  diesen  beiden  Straßen  die  Innenstraße ­
  zur  Verfügung,  von  welch’  letzterer  aus  ihm
die  Ueberschreitung  des  Bahnhofsplatzes  ohne  zu  große
Schwierigkeiten  möglich  ist,  er  braucht  die  Straßenbahn
nur  einmal  zu  kreuzen,  während  von  der  Straße  1  des
offiziellen  Plans  aus  die  Straßenbahn  zweimal,  davon
einmal  an  der  Kurve  zu  durchqueren  wäre.  Ueberhaupt

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Kennwort]:  Einheit  im  Großen,  Freiheit  im  Kleinen.
Fassaden  für  die  einzelnen  Baublöcke.
Prof.  Bonatz  <&  Scholer.

Der  Grundgedanke,  der  bei  Schaffung  eines  Platzes
maßgebend  ist,  nemlich  den  Platz  möglichst  in  sich  abgeschlossen ­
  zu  gestalten,  ist  bei  dem  offiziellen  Plan  nicht
zum  Ausdruck  gekommen,  vielmehr  wird  bei  demselben
der  Platz  durch  die  Straße  1  gewaltsam  in  zwei  Teile
zerrissen.  Auf  der  einen  Seite  hätte  man  also  die  kompakte ­
  Masse  des  Bahnhof-Empfangsgebäudes,  auf  der
anderen  Seite  einzelne,  durch  eine  breite  Straße  von
einander  getrennte  Baublöcke.  Das  Bild  müßte  also
von  vornherein  auf  Geschlossenheit  verzichten.
Während  nun  der  Entwurf  von  Bonatz  und  Scholer
durchgehende  Baublöcke  von  Königstraße  zur  Straße  1
vorsieht,  teilt  der  Vorschlag  von  Baurat  Mueßmann  diese
Baublöcke  durch  eine  für  Fußgänger  bestimmte  Unterteilungsstraße ­
  auf,  die  jedoch,  da  nur  mäßig  breit,
am  Bahnhofsplatz  überbaut  und  durch  Arkaden  gewissermaßen ­
  abgeschlossen,  der  Platzwirkung  gar  keinen  Einwürde ­

  dort  an  der  Einmündung  der  Straße  1  des  offiziellen ­
  Plans  direkt  in  die  Mitte  des  Bahnhofsplatzes  ganz
gefährliche  Ecken  geschaffen  werden,  außer  dem  aufs
höchste  an  dieser  Stelle  gesteigerten  Straßenbahn-Verkehr ­
  denke  man  nur  an  die  vielen  Autos  etc.
Was  nun  aber  den  Fuhrverkehr  vom  Güterbahnhof
aus  anbetrifft,  dem  in  erster  Linie  die  gewundene  Str.  2
des  offiziellen  Planes  Rechnung  tragen  sollte,  so  hält
man  doch  diesen  Verkehr  richtigerweise  vom  neuen
Bahnhofsviertel  so  gut  wie  möglich  ab  und  weist  ihn
durch  die  Kriegsberg-,  Friedrich-,  Kronprinzstraße  in’s
Innere  der  Stadt.
Der  Wettbewerb  hat,  das  darf  gesagt  werden,  ganz
wertvolle  Anregungen  gebracht,  um  in  der  neu  zu  schaffenden ­
  Umgebung  des  Bahnhofs,  diesem  würdige,  wirklich ­
  großzügige  Städte-Bilder  entstehen  zu  lassen.
            
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