Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1915/16)

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BAUZEITUNO 
Nr. 3/4 
gekommen sein. Schon beim Ausbruch des Krieges 
hatten die Gewerkschaften in ihrem Korrespondenzblatt 
gefordert, daß die tariflichen Vereinbarungen durch An 
ordnung der Regierung als rechtsverbindlich für die Ar 
beitsverhältnisse der tarifvertragsschließenden Parteien 
erklärt werden, sodaß einseitige Abänderungen ohne 
Zustimmung der Tarifkontrahenden nicht zulässig sind. 
Von aktuellem Interesse ist die Frage der Unabdingbar 
keit im größten und wichtigsten deutschen Tarifgewerbe, 
dem Baugewerbe. In diesem sind auch die Arbeitgeber 
stets für die Unabdingbarkeit der Tariflöhne eingetreten, 
d. h. sie haben auch bei schlechter Konjunktur die vollen 
Tariflöhne weitergezahlt, ln der Arbeiterschaft macht 
sich dagegen seit einiger Zeit eine Störung bemerkbar, 
welche die tariflichen Einheitslöhne als Mindestlöhne 
ansehen will, und daraus das Recht herleitet, während 
der Tarifdauer Lohnerhöhungen zu fordern. Es ist nicht 
ausgeschlossen, daß dadurch die bevorstehenden Ver 
handlungen über die Erneuerung des Ende März 1916 
ablaufenden Reichstarifvertrages für das Baugewerbe 
wesentlich erschwert werden. Bekanntlich hat der Herr 
Staatssekretär des Innern die Parteien des Reichstarif 
vertrages schon im November 1915 aufgefordert, mög 
lichst bald mit Verhandlungen über die Fortsetzung der 
Tarifgemeinschaft zu beginnen. 
Vereinsmitteilungen 
Württembergischer Baubeamten-Verein. Wir er 
füllen hiemit die schmerzliche Pflicht unsere Mitglieder 
zu dem am 4. Januar d. J. nach langem schwerem Leiden 
erfolgten Hinscheiden unseres treuen Vereinsmitgliedes 
Rechnungsrat a. D. Hans Schwenk in Ludwigsburg in 
Kenntnis zu setzen. Wir verlieren in dem Verstorbenen 
einen lieben Freund und Kollegen, der stets mit vollem 
Eifer für die Hebung des Standes eintrat und der auch 
ein Mitbegründer unseres Vereins war. Alle, die den 
Dahingeschiedenen gekannt haben, werden ihm ein treues 
dankbares Andenken bewahren. 
Württembergischer Baubeamten-Verein. Nach dem 
nun vorliegenden Rechnungsabschluß für das Jahr 1915 
wurden im abgelaufenen Jahre aus Vereinsmittel für 
Kriegszwecke ausgegeben: 
Für das Rote Kreuz als weitere Spende 
500.— 
Mk. 
Für den roten Halbmond 
100.— 
n 
Für das bulgarische rote Kreuz 
100.— 
ff 
Für den deutschen Flottenverein 
100.— 
ff 
Für Nagelung des wackeren Schwaben in 
Stuttgart 
50.— 
ff 
Sodann wurden für Liebesgaben an aus 
marschierte Mitglieder ausgegeben 
651.29 
ff 
Summe zusammen 
1501.29 
Mk. 
Württembergischer Baubeamten-Verein. Als Ver 
einsmitglied ist aufgenommen worden Bauamtswerk 
meister Wagner in Calw. 
Kleine Mitteilungen. 
Stuttgart. In der Ausstellung württ. Künstler im 
Kunstgebäude hat auch die von Prof. Cizsarz geleitete 
Fachabteilung für graph. Künste und Buchgewerbe der 
Kgl. Kunstgewerbeschule ausgestellt. Am besten gefallen 
einem die Plakate, die fast durchweg gute Leistungen 
darstellen. Die Absicht eines Plakats, das Auge schon 
von Weitem zu' fesseln, erreichen Sie nicht etwa durch 
gi eile, schreiende, sondern vielmehr durch prächtige 
wohltuende Farbenwirkungen. Gut gelungene Entwürfe 
zeigen u. a. Karl Raible, Marta Welsch, Morier und 
namentlich Hermann Rutenberg mit seinen Plakaten für 
Malutensilien, für Töpfe, für Cravatten. Bei den Buch 
einbänden dagegen bekommt man den Eindruck, daß 
neben einer Anzahl trefflicher Arbeiten, doch das Streben 
nach Eigenart noch vielfach zu keiner klaren Auffassung 
durchgedrungen ist. Geht man davon aus, daß bei dem 
einen Buch eine reichere und bei dem andern eine 
schlichtere Ausstattung das gegebene ist, so muß von 
einer Reihe der gezeigten Arbeiten gesagt werden, daß 
die einen zu überschwenglich und die andern zu einfach 
ja geradezu nüchtern sind. 
Ein origineller Entwurf z. B. ist der von Willi Martin 
für das Buch „Die Reise in’s Blaue“. Man fühlt un 
willkürlich, das dies ein fröhliches Buch sein muss. 
Hugo Geißler sein Entwurf zu Wilde’s Märchen dagegen 
ist, so einfach er ist doch recht packend. Man kann 
sich denken, daß ein begeisteter Junge davor stehen 
kann, um ganz andachtsvoll zu lesen; Märchen. Alles 
in Allem zeigt die Ausstellung recht erfreuliche Fort 
schritte auf dem graphischen Gebiet. 
Württembergischer Kunstverein, Stuttgart. Neu 
ausgestellt: Kollektiv-Ausstellung Deutsch - österrei 
chischer Künstler. Radierungen von Heinrich Haberl, 
München. Zeichnungen aus dem Felde von Oskar Frey 
und Hermann Bäuerle. 
Stuttgart. Dem Verein für Kriegerheimstätten, der 
dieser Tage gegründet wurde, gehören als Vorstands 
mitglieder an: Landtagsabgeordneter Groß, Präsident von 
Hilbert, Landtagsabgeordneter Dr. Lindemann, Stadtbau 
rat Mueßmann, Kommerzienrat Rominger und Dr. Fritz 
Schumann. Für einen engeren Ausschuß haben die 
Wahl angenommen: Landtagsabgeordneter Andre, 'Prof. 
Bonatz, Kaufm. E. Breuninger, Generaldirektor Doktor 
Georgii, Chr. Karst, Forstdirektor von Keller, Stadtpfarrer 
Lamparter, Baurat Martin Mayer, Schwester Marta 
Oesterlen, Rechnungsrat Rettich, Geh. Hofrat von Sieg- 
lin, Prof. Veesenmeyer, Gemeinderat Weitbrecht, Fabri 
kant Max Wolf. Mit einem Werbeaufruf soll demnächst 
an die Oeffentlichkeit getreten werden. 
Stuttgart. Die Direktion der K. Baugewerkschule 
beabsichtigt den infolge Verwundung oder Erkrankung 
aus dem Heer entlassenen, beurlaubten oder noch in ärzt 
licher Behandlung befindlichen früheren Schülern der K. 
Baugewerkschule Gelegenheit zu geben, ihre Zeit nutz 
bringend zur Weiterbildung auf technischem Gebiet, so 
wie zur Auffrischung des früher Gelernten zu verwenden. 
Nähere Auskunft erteilt die Direktion der K. Baugewerk 
schule Stuttgart, Kanzleistraße 28. 
Wettbewerbe 
Stuttgart. Entwürfe für Kleinwohnungen. Einge 
laufen sind 65 Arbeiten. Das Preisgericht dürfte bis 
Mitte Februar zusammentreten. 
Bücher 
Der Baumeister, Herausgeber Hermann Jansen, Verlag Georg 
D. W. Callwey München, M. 24.— pro Jahr. Inhalt des Januar- 
Heftes: Welche neue Aufgaben erwachsen dem Architekten nach 
dem Kriege? von Herrm.Jansen;Weinhaus Kürtz in München, von 
Architekt Prof. Honig und Söldner; Landhaus Scholtz in Berlin- 
Grunewald von Architekt Heinrich Straumer; Geschäftshaus Hin- 
denburg für Köln, von Architekt Hermann Pflaume Köln, Bank 
häuser in Hamm und in Essen von Baurat Karl Moritz Köln usw. 
Verantwortlich: Karl Schüler, Stuttgart. 
Druck: Gustav Stürner in Waiblingen.
	        

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