Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1917/18)

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BAUZEITUNG 
Nr. 20/22 
ERSTER .STOCK GRUNDfRI5S. 
Bauweise nur dann ganze Gebäude oder Teile derselben 
hinter die Baulinie zurückgestellt werden, wenn eine an 
gemessene Ausstattung — nämlich ein ihrer Umgebung 
angemessenes, gefälliges Aeussere nach Baustoff, Form 
und Farbe — der sichtbar bleibenden Nebenseiten der 
Nachbarhäuser gesichert ist. Eine solche Sicherung ist 
natürlich, wie schon oben wiederholt erwähnt wurde, in 
der Regel nur mit Hilfe einer auf die Nachbargrundstücke 
zu übernehmenden Baulast möglich. 
Eine weitere, nicht unwichtige Uebergangsbestimmung 
enthält § 41 Satz 1 der neuen Satzung, welcher folgen 
den Wortlaut hat: 
Wenn in einem Gebiet, für das künftig offene 
Bauweise vorgeschrieben ist, gemäß den bisherigen 
Vorschriften ein Gebäude auf der Grenze erstellt 
ist, darf ein Nachbargebäude an dieser Grenze nur 
unter den in § 34 Abs. 2 Nr. 1 genannten Voraus 
setzungen mit Abstand gebaut werden, 
d. h. es darf in einem solchen Falle nur 
dann mit Abstand gebaut werden, wenn 
Sicherheit dafür gegeben ist, daß die sicht 
bar bleibende Nebenseite des Nachbarge 
bäudes eine angemessene Ausstattung erhält 
und auf die ganze Tiefe des Gebäudes ein 
Die Bestimmungen von § 35 Abs. 1 und von § 37 
der neuen Satzung entsprechen etwa denen von § 40 
Abs. 1 Satz 2 und 3 bezw. von § 71 Abs. 3 des alten 
Ortsbaustatuts. Diese Bestimmungen, wie auch die von 
§ 35 Abs. 2 und § 41 Satz 1 der neuen Satzung sind 
für die geschlossene Bauweise besonders wichtig, weil 
sonst u. U. mitten in einer bebauten Straße oder an einer 
Straßenecke unschöne, kahle Brandgiebel dauernd sicht 
bar bleiben würden. Dies ist ein Uebelstand der ge 
schlossenen Bauweise, der übrigens — allerdings meist 
nur vorübergehend — stets, und zwar sehr häufig, da 
zu Tage tritt, wo eine Straße erst in der Bebauung be 
griffen ist, u. U. kann ein derartiger unfertiger Zustand, 
der allerdings unter der Herrschaft des 3 m Wichs bei 
weitem nicht so stark in die Erscheinung trat, sogar sehr 
lange dauern, doch wiegen die Vorteile der geschlossenen 
Bauweise diesen zeitweise auftretenden Mangel mehr als 
reichlich auf. 
§ 9 der neuen Satzung enthält dann noch eine Be 
stimmung über das Zurückstellen von Gebäuden hinter 
die Baulinie. Darnach darf im Gebiet der geschlossenen 
Bauweise nur dann hinter die Baulinie zurückgebaut 
werden, d. h. es dürfen im Gebiet der geschlossenen 
> 
Abstand von mindestens 5 m, in der dritten Zone bei mehrals 
3 stockigen Gebäuden mindestens 7 m eingehalten wird. 
Die Einführung der geschlossenen Bauweise setzt 
als selbstverständlich voraus, daß künftig bei Erstellung 
eines Neubaues auf die etwa schon bestehenden beider 
seitigen Nachbarhäuser mehr als bisher Rücksicht ge 
nommen wird und daß der ausführende Baumeister der 
Ausbildung der sichtbar bleibenden Brandmauerteile etwas 
größere Aufmerksamkeit als bisher widmet. In dieser 
Richtung ist bis jetzt hier leider nur sehr wenig Erfreu 
liches zu sehen; vielleicht in der Hauptsache deshalb, 
weil zur Ausgestaltung und selbst nur zum Verputzen 
oder Bestechen des sichtbar bleibenden Brandgiebels 
fremdes Eigentum betreten werden muß, wozu sehr häufig 
der freundliche Nachbar die Erlaubnis versagt. Wo aber 
eine solche Erlaubnis ausnahmsweise gegeben wurde, 
sieht man den Brandgiebel mit Reklamen bedeckt, die das 
Straßenbild dann u. U. noch mehr verschandeln als eine 
roh belassene Backsteinmauer. Eine Besserung für das 
Stadtbild wäre m. E. immerhin dann zu erzielen, wenn 
an eine den Bestimmungen von Art. 69 Abs. 3 der B. O. 
entsprechende Zulassung einer gemeinschaftlichen Brand 
mauer die Bedingung geknüpft würde, dass deren sicht 
bar bleibende Teile eine angemessene Ausstattung er 
halten. 
ETRD&ET^CHOSÄ — OfRVTNfDfej^D, 
Vereinsmitteilungen. 
Württembergischer Baubeamten-Verein. Am Sonn 
tag den 5. Mai d. J. fand im Vereinszimmer Gesellschafts 
baus Bauhütte in Stuttgart die I. Ausschußsitzung in die 
sem Jahre statt. Anwesend waren 12 Ausschußmitglieder 
und 8 Gäste. Der Vorsitzende begrüßte die Erschienenen 
und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß sich außer 
den Ausschußmitgliedern auch noch eine Anzahl Vereins 
mitglieder eingefunden haben, sodann wur 
de die Verhandlungsschrift der letzten Aus 
schußsitzungverlesen und genehmigt. Nach 
dem der Vorsitzende der seit der letzten 
Ausschußsitzung gestorbenen Vereinsmit 
glieder, Staatsstraßenmeister Zimmermann 
u. Bauverwalter Mayer in Stuttgart u. In 
spektor Straub in Ulm in ehrender Weise 
gedacht hatte, berichtete derselbe eingehend 
über dieAusführung der Beschlüsse in der 
letzten Ausschußsitzung und gab den um 
fangreichen Einlauf bekannt. Aus den sich
	        

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