Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1917/18)

20. Okt. 1918. 
BAUZEITUNG 
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* 
diese stark wärmedichtende und billige Dachdeckung im 
Sinne einer bodenständigen Bauweise gelegen und bei 
entsprechenden Vorkehrungen (Imprägnierung) auch feuer 
polizeilich kaum mehr zu beanstanden — in verschiede 
nen Bezirken Norddeutschlands ist das feuersichere 
Strohdach (Gernentzdach) schon seit geraumer Zeit zu 
gelassen. 
Als Ergebnis seiner Betrachtungen bezeichnet zusam 
menfassend der Verfasser: „Der Kriegerheimstättenbau 
kann in Württemberg und überhaupt in Süddeutschland 
aller Voraussetzung nach mit geringem Kostenaufwand 
unter Benützung eines zweckmäßigen und guten heimi 
schen Materials erstellt werden* und er schließt mit dem 
Wunsche, dem sich jeder Freund des Vaterlandes und 
insbesondere unserer heimkehrenden Kriegsverletzten nur 
von Herzen anschließen kann: „Möge das von den 
beiden in Württemberg tätigen Vereinigungen, Landes 
verband für Kriegerheimstätten und Schwäbischer Sied 
lungsverein, bisher betriebene bahnbrechende Vorgehen 
in der Sache des Kleinwohnungsbaus sich bald in die 
fruchtbare Tat von zahlreichen Heimstättengründungen 
umsetzen zum Segen unseres ganzen Volkes!“ 
Dr. Ing. W. Fuchs. 
Der Artikel ist schon vor mehreren Monaten geschrieben, musste jedoch 
wegen Raummangel zurückgestellt werden. 
„Arbeiten und sparen!“*) 
Das ist heute bei uns für einen Finanzminister im 
Reich wie in den Einzelstaaten der Weisheit letzter 
Schluss. „Die Schuldentilgung durch Wegbesteue 
rung”, erklärte Finanzminister von Pistorius bei der Be 
ratung des Haushaltsplanes für 1918 in der Württembergi- 
schen Zweiten Kammer, „ist nur zum kleinsten Teile mög 
lich aus dem Vorhandenen, In der Hauptsache muss sie 
erfolgen aus dem Ueberschuss der künftigen Jahre. Zur 
Erzielung solcher Ueberschüsse ist es aber nötig, dass 
unsre Volkswirtschaft mehr erzeugt und weniger ver 
braucht als bisher. Arbeiten und sparen muss die Losung 
sein. Vor allem muss die Erzeugungskraft der Arbeit 
möglichst gesteigert werden, und zwar so, dass die im 
Kriege vermehrte Gütererzeugung nicht nur die stärkere 
Steuerbelastung zu tragen vermag, sondern dass die ver 
mehrte Gütererzeugung womöglich auch noch der Arbeit 
selbst eine bessere durchschnittliche Entlohnung sichert 
als bisher, wobei es natürlich nicht auf den zahlenmässi- 
gen Betrag, sondern auf die dem Lohn innewohnende 
Kaufkraft ankommt.” 
Es kann gewiss nichts dagegen eingewandt werden, 
wenn zu vernünftigen Zwecken möglichst viel gearbeitet 
und gespart wird, aber auf die Zwecke kommt es an, und 
die Schuldentilgung kann einen guten Zweck für 
erhöhte Arbeits- und Sparleistungen nur in dem Masse 
bedeuten, wie der Besitz wirklich bis an die äusserste 
Grenze dessen, was mit dem Gemeinwohl verträglich ist, 
besteuert wird. Bisher ist er bei der Schaffung von 
Kriegssteuern noch allenthalben sorgfältig geschont wor 
den. Bevor man ihn schärfer anzufassen wagt, möchte 
man, wie Reichsschatzsekretär Graf Roedern im Deutschen 
Reichstage unzweideutig zu verstehen gab, lieber erst ab- 
warten, ob die Regierungen nicht doch durch Erzielung 
hoher Kriegsentschädigungen einer solchen unangeneh 
men Aufgabe grossenteils enthoben werden könnten. In 
zwischen werden Verbrauch und Verkehr belastet, dass 
sie darunter ächzen und stöhnen. 
Wird der während des Krieges üppig gediehene 
Reichtum bei der Verteilung der Lasten nach wie vor ver 
schont, so lässt sich leicht voraussehen, wofür die breiten 
Massen nach dem Kriege „arbeiten und sparen” müssen. 
Der U e b e r r e i c h t u m wird sich des vater 
ländischen Grund und Bodens bemäch 
tigen, teils, um ihn nach Belieben gegen die sperren zu 
können, die seiner als Nährquelle dringend bedürfen, teils, 
um ihn zu Luxuszwecken zu missbrauchen. Es ist das in 
grossem Umfange schon geschehen. Um so leichter würde 
freilich das in immer grösserem Umfange vom übermässig 
verteuerten Heimatboden verdrängte Volk in Fabriken 
gehn. Dort würde es dann für eine Steigerung der Aus 
fuhr um jeden Preis arbeiten, damit das vom Staate ge 
schonte private Kapital möglichst gewinnreich angelegt 
sei und der Staat durch das Mittel von Anleihen, für deren 
Verzinsung und Tilgung die breiten Massen aufkommen, 
die milchende Kuh für dasselbe Kapital bleibe. Es würde 
dann natürlich viel weniger Bauern, Schneider, Schuster 
und andere Handwerker als vor dem Kriege geben, die 
diejenigen Dinge herstellen, deren die Massen am drin 
gendsten bedürfen. Ist es doch, wie die Verhältnisse ein 
mal unter den überkommenen sozialen Verhältnissen noch 
liegen, nicht der Mangel, der das Angebot beherrscht, 
sondern das Geld. Die Kaufkraft, heisst das, derer, die 
daran Ueberfluss haben und dadurch viel Arbeitskräfte 
für die Herstellung von Gütern annehmen können, die 
denen wenig nützen würden, die an den notwendigsten 
Unterhaltsmitteln Mangel leiden. 
„Im neunzehnten Jahrhundert”, erklärte Finanzmi 
nister von Pistorius am Schlüsse seiner Rede, „wurde die 
Forderung erhoben des Rechts auf Arbeit; das zwanzigste 
Jahrhundert wird eine höhere sittliche Forderung aufstel 
len und zu verwirklichen suchen: die Pflicht zur Arbeit.” 
Es kommt ganz darauf an, unter welcher Staats- und 
Wirtschaftsordnung der Einzelne zur Arbeit verpflichtet 
wird. Ist es eine solche, in der möglichst aus 
schliesslich für einen vernünftigen, dem körperlichen 
und seelischen Gedeihen des ganzen Volkes förder 
lichen Verbrauch gearbeitet wird, so entspricht eine Pflicht 
zur Arbeit den höchsten sittlichen Forderungen. Handelt 
es sich aber um eine solche, in der vorwiegend der Pro 
fit privater Eigentümer für die Zwecke der Oüterherstel- 
lung den Ausschlag gibt, so läuft ein Arbeitszwang, der 
die „Pflicht zur Arbeit” vorschützt, grade auf jenen 
„Zuchthausstaat” hinaus, als den man bisher den soziali 
stischen Zukunftsstaat geschildert hat. 
Otto Corbach. 
Vereinsmitteilungen. 
Württ. Baubeamtenverein. Im Vereinszimmer, in 
dem früheren Gesellschaftsbaus Bauhütte in Stuttgart, 
fand am 6. Okt. die II. Ausschußsitzung in diesem Jahre 
statt. Anwesend waren 12 Ausschußmitglieder und 5 
Gäste. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Vor 
sitzenden, in der er die herzlichsten Glückwünsche für 
die beiden neubeförderten Ausschußmitglieder Krassei 
und Knorzer znm Ausdruck brachte und in der er auch 
des tiefen Leids gedachte, in das die Familie unseres 
Ausschußmitglieds Mößner durch den Krieg versetzt 
worden ist, wurde durch den Schriftführer die Verhand 
lungsschrift der letzten Ausschußsitzung verlesen und 
genehmigt. Anschließend hieran berichtete der Vorsitzende 
über die Ausführung der letzten Beschlüsse und gab den 
umfangreichen Einlauf bekannt, worunter auch eine Aus 
trittserklärung aus dem Verein. Ehe mit den Verhand 
lungen selbst begonnen wurde, gedachte der Vorsitzende 
in warmen und anerkennenden Worten der in letzter Zeit 
verstorbenen Vereinsmitglieder Hummel, Rohm, Braun 
und Schwarz. Nun berichtete Ausschußmitglied Krassei 
in längerem Vortrag in eingehender Weise über die rege 
und aber auch sehr erfolgreiche Tätigkeit, sowie über 
die weiteren Bestrebungen des Verbandes württ. Beamten-, 
Lehrer- und Unterbeamtenvereine, wobei er in sehr an 
erkennender Weise die rege Tätigkeit der Verbandsleitung 
hervorhob. Der Vorsitzende dankte Herrn Krassei für 
seine Ausführungen und seine Vertretung im engeren 
Aus dem 1. Juliheft des „Deutschen Willens“ (Kunstwart).
	        

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