Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1917/18)

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BAUZEITUNG 
Nr. 43/46 
za beiden Seiten der Einfriedigung ein Raum von je mindestens 
7 m freibleibt. , j 
Anlegung der Abstandsflächen. ! 
2. Die Flächen der Abstände sind nach Vorschrift der Bau- 
polizeibehörde abzugraben oder aufzufüllen, soweit dies für die 
ZugänglichKelt der Gebäude notwendig ist. Ausserdem sind sie in 
der Regel zu befestigen oder mindestens zu bekiesen, wenn sie nicht 
gärtnerisch angelegt werden. Auf Abstände von mehr als 5 m 
findet die Vorschrift des § 13 Abs. 2 Satz 1») Anwendung, soweit 
sie nicht als Zufahrt dienen. 
§ 45. 
Gruppenbau. 
1. Gebäude oder Gebäudegruppen bis zu 25 m Länge werden 
für die Berechnung der Abstandsmaße als ein Gebäude angesehen* 
Längere Gebäudegruppen sind zulässig, wenn für jede angefangene 
10 m Mehrlänge der Seitenabstand um Vs erhöht und mit der 
Vorderflucht der Gebäudegruppe um 1 m hinter die Baulinie zurück 
gerückt wird. Gebäudeteile, die um 1 Stock niedriger als zulässig 
gebaut werden, bleiben bei der Berechnung ausser Betracht. Die 
Qruppenlänge wird auf 80 m beschränkt. 
2. Im Landhausviertel sind nur Gruppen von Einfamilienhäusern 
bis zu 30 m Länge zulässig. 
B. Gebäudegruppen müssen ein architektonisches Ganzes bilden 
und auf einmal ausgeführt werden. Bei der Erneuerung eines Teils 
muß die Einheitlichkeit der Gebäudegruppen gewahrt werden, so 
weit das Interesse der Beteiligten und das Straßenbild es erfordern* 
4. Die Qruppenlänge wird auf 30 m beschränkt bei den Staffel 
straßen, bei Straßen mit 10 und mehr Metern Seitenabständen und 
an folgenden Straßen: 
Am Kräherwald, Talseite zwischen Botnanger- und Qaußstraße, 
Eduard-Pfeifferstraße, Talseite zwischen Feuerbacherweg u. Straße 
XVI. Gebeisbergstraße, Talseite. Geißeichstraße. Heinestraße, Tat 
seite zwischen der Baugrenze und der Sonnenbergstraße. Hofer 
straße, Talseite zwischen der Eduard-Pfeifferstr. und der Baugrenze 
(aufwärts). „Im Kühnle“, Talseite obere Strecke, Kantstr., Talseite 
zwischen Klopstockstr. und Str. XU. Klopstockstr., Talseite zwi 
schen Moltke- und Qelbestr. Lemppenaustr. in Cannstatt, Talseite. 
„Mühlrain“, Talseite zwischen Str. V und Liststr. Neue Str. in 
Gablenberg, Talseite zwischen Haupt- u. Schwarenbergstr. Pfaffen 
weg, Talseite zwischen Lehenstr. und dem Staffelaufgang auf Parz. 
3939 und 3940. Schwarenbergstr., Talseite zwischen Asperg- und 
Neuestr. Stelnenhausenstr, Talseite. Strohberg, Talseite zwischen 
Lehenstr. und dem Staffelaufgang auf Parz. 3939 und 3940. Trau- 
bergstr., Talseite. Wannenstr. Talseite zwischen Gebeisberg- und 
Böblingerstr. Wernhaldenstr., Südostseite zwischen Str. „Im Kühnle“ 
und dem Wald. Wielandstr., Talseite zwischeu Moltkestr. und 
Gäubahn. Str. XVI, Talseite zwischen Eduard Pfeifferstr. und Str. 
IVd. Str, XXV1I1 des Stadtbauplans Eckartshalde, Talseite. Str. 
XIV, Talseite zwischen Fairen- und Schwarenbergstr. Str. XXI11 
im Vogelsang, Talseite. 
Demnach ist nach der neuen Ortsbausatzung bei 
der offenen Bauweise vor allem die Bemessungsweise des 
Grenzabstandes eine ganz andere, als nach den alten Be 
stimmungen. Der seitliche Grenzabstand wird nicht mehr 
nach dem etwas umständlichen Verfahren von § 42 des 
alten Ortsbaustatuts, sondern einfach durchweg senkrecht 
■) § 41 Abs. 4 V.-V. lautet: Bei den nachstehend bezeichneten Bauteilen 
wird der vorgeschriebene Abstand nicht von ihrer äusseren Wand, sondern von 
der Aussenwand des Gebäudes an bemessen, wenn die Bauteile nicht mehr als 
den dritten Teil der Länge der Aussenwand einnehmen u. wenn ein Abstand von 
wenigsten 8 m von der äussersten Ausladung dieser Bauteile an gesichert ist; 
a. ) bei Erkern, die keine Hauptfenster (Art. 48 Abs. 1) u. nicht mehr als 
1 m Ausladung haben,* 
b. ) bei Baikonen offenen Hallen, offenen Veranden, Galerien u. dergl., die 
vor den Umfassungswänden eines Gebäudes angebracht sind und nicht mehr 
als 1,5 m über diese vortreten; 
c. ) bei niederen, mit ihrer Traufe das Deckengebälk des Erdgeschosses 
nicht übersteigenden, nicht mehr als 1,5 m über die Gebäudeaussenwand vor 
tretenden Vorbauten für Hauseingänge. 
») nämlich 2,50/2,90 bzw. 1,20/2,30 m. 
s ) § 13 Abs. 2 Satz 1 lautet: Vorgärten müssen als Ziergärten zweckent 
sprechend angelegt und unterhalten und dürfen in der Regel nicht zu gewerb 
lichen Zwecken benützt werden. 
zur Eigentumsgrenze gemessen. Diese neuere Bemessungs 
art war zwar schon bisher in den besonderen Anbauvor 
schriften einzelner Straßenzüge der Außenstadt enthalten, 
der früher zulässige Mindestabstand betrug aber nur 
1,5 m, während in den neuen Bestimmungen auf Grund 
von Art. 45 Abs. 2 d. B. O. einMindestabstand von 2 m 
festgesetzt ist. Zwei benachbarte Gebäude müssen somit 
nach der neuen Satzung mindestens 2X2=4 m von einan 
der entfernt bleiben, wogegen nach den bisherigen Be 
stimmungen ein Mindestgebäudeabstand von 2,4+0,6 
bezw. von 2* 1,5 = 3 m genügte. 
Ganz neu ist die Festsetzung des jeweiligen Grenz 
abstands = -^ der Summe aus Höhe und Tiefe der Ge 
bäude-Nebenseite dabei ist aber auf alle Fälle 
ein Mindestabstand von 2 m einzuhalten. Uebersteigt also 
die Summe aus Höhe und Tiefe einer Gebäudenebenseite 
das Maß von 16 m, so ist ein Grenzabstand von mehr als 
2 m einzuhalten, bleibt diese Summe aber unter 16 m, so 
muß der Grenzabstand trotzdem mindestens 2 m betragen. 
Die Ermittlung des hienach jeweils erforderlichen Grenz 
abstands wird jedoch zuweilen, insbesondere bei unregel 
mäßigem Verlauf der Grundstücksgrenzen, sowie bei mehr 
fach abgesetzten bzw. bei gebrochenen Gebäudeneben- 
seiten, nicht immer ganz einfach sein und daher — zum 
mindesten in der ersten Zeit nach Inkrafttreten der neuen 
Satzung — vielfach zu Meinungsverschiedenheiten zwi 
schen den Bauenden und der Baupolizei führen. 
Die Verteilung der festen Seitenabstandsmaße (§ 39 
und 42 der Satzung) ist die bisher übliche, nur mit dem 
Unterschied, daß an die Stelle des früheren Mindestge 
bäudeabstands von 3 m, entsprechend den Bestimmungen 
von Art. 45 Abs. 2 d. B. O. ein solcher von 4 m tritt. 
(Siehe oben.) 
Die §§ 40 und 41 enthalten Uebergangsbestimmun- 
gen, die sich — ähnlich wie die in § 34 Abs. 2 und 3 sowie 
in § 35 Abs. 3 für die geschlossene Bauweise enthaltenen — 
folgerichtig aus den übrigen Vorschriften ergeben; sie 
werden, soweit dies nicht schon früher geschehen ist, (zu 
vrgl. Nr. 20/22) einer näheren Erörterung wohl kaum 
bedürfen. 
Für das Hereinragen einzelner Bauteile in die Seiten 
abstände (§ 43 der neuen Satzung)ist, — wahrscheinlich 
im Hinblick auf den verlangten größeren Mindestabstand 
von 4 bzw. 2 m, — gegenüber den Bestimmungen des alten 
Ortsbaustatuts dem Bauenden wesentlich größere Freiheit 
gelassen. Der Wortlaut von § 43 ist aber etwas verzwickt 
und — insbesondere infolge der verschiedenen Hinweise 
auf die Bauordnung, die Vollziehungsverfügung und auf 
frühere Absätze der Ortsbausatzung — reichlich unklar; 
er ist deshalb beim erstmaligen Durchlesen nicht sofort 
verständlich und in seiner Wirkungsweise erst nach ge 
nauerer Ueberlegung und Zergliederung erkennbar. Nach 
meinem Dafürhalten ist dessen sachliche Bedeutung etwa 
folgende: 
Dachvorsprünge dürfen nach Absatz 1 bei Ge 
bäudeabständen von 4—5 m bzw. bei Grenzabständen von 
2—2,5 m eine äußerste Ausladung bis zu 0,5 m erhalten. 
Der zulässige Mindestabstand — zwischen den Dachvor 
sprüngen gemessen — schwankt also hier zwischen 3 und 
4 m, während nach § 39 Abs. 1 d. V. V. z. B. O. *) un 
zweideutig ein Mindestabstand zwischen den Dach 
vorsprüngen von nur 3 m vorgeschrieben ist. Bei Ge 
bäude- und Grenzabständen von mehr als 5 m bzw. von 
mehr als 2,5 m sind Dachvorsprünge bis zu 1 m zulässig, 
es muß aber nach Absatz 3 ein Gebäudeabstand von min- 
8 39 Abs. 1 d. V. V. z. B. O. lautet 
,,Der nach Art. 45 Abs. 2 einzuhaltende Abstand der Gebäude von der 
Eigentumsgrenze oder von anderen Gebäuden wird vom Hausgrund an 
gemessen. In den Mindestabstand von 2 m dürfen nur Dachvorsprünge 
mit einer Ausladung von nicht mehr als 0,5 m, sowie Tür- u. Fenster 
einfassungen, kleinere Gesimse u. dergl. hereinragen.“
	        

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